Edeka Gebauer "Mehr Metzger bei Daimler als an der Theke"

von Redaktion LZ
Freitag, 06. Februar 2015
Perspektiven bieten: Ausbildung und Mitarbeiterentwicklung liegen Guido Empen besonders am Herzen.
Cornelia Schwarz
Perspektiven bieten: Ausbildung und Mitarbeiterentwicklung liegen Guido Empen besonders am Herzen.
LZnet/Ulrike Felger. Der Wettbewerb um Fachkräfte wird im Handel durch die Flächenexpansion noch verstärkt. Der selbständige Edekaner Gebauer setzt deshalb auf langfristige Mitarbeiterbindung. Durch zahlreiche Einzelmaßnahmen positioniert sich das Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber. Prokurist Guido Empen erläutert die Personalstrategie.




Herr Empen, was kennzeichnet die Gebauersche Personalpolitik?

Bei Gebauer ist man sich treu. Bei uns darf man alt werden. Diese Philosophie verfolgt Familie Gebauer schon in der zweiten Generation. Damit das für unsere knapp 500 Mitarbeiter aufgeht, müssen wir eine weitaus höhere Flächenleistung als andere realisieren. So haben wir mehr Geld für Personal und Fachkompetenz. Wir sind an verschiedensten Stellen aktiv, von der Unternehmenskultur über die Rekrutierung, Aus- und Weiterbildung bis hin zu konkreten Rahmenbedingungen der Arbeit.



Recruiting ist im LEH eine anspruchsvolle Aufgabe. Wie gehen Sie vor?

Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern ist ein beständiges Thema und auch für uns durchaus ein Problem. Die Öffnungs- und damit Arbeitszeiten im Handel sind nicht charmant. Dementsprechend schlecht ist das Image. Gerade bei Schichtbetrieb fehlt den meisten potenziellen Mitarbeitern die Planbarkeit. In jeder Region gibt es zudem nur eine bestimmte Zahl an Menschen, die den Job machen. Neue Handelsflächen wie sie gerade in Stuttgart massiv entstanden sind, schaffen ja keine neuen Arbeitskräfte. Zudem haben wir hier eine funktionierende Industrie – schon immer orientieren sich mögliche Mitarbeiter lieber dorthin. Man hat den Eindruck, bei Daimler arbeiten mehr Metzger, als hinter der Theke.



Woher kommen dann neue Mitarbeiter?

Die Arbeitslosenquote in Göppingen liegt bei 3,3 Prozent, in Stuttgart bei 3,8 Prozent – der Arbeitsmarkt ist leer. Wir rekrutieren deshalb über die Ausbildung. Wir übernehmen alle, die zu uns passen. Im letzten Jahr waren das rund 20 Leute, insgesamt haben wir etwa 50 Auszubildende.



 

Und die Azubisuche klappt?

Auch als Ausbildungsbetrieb muss man sich interessant machen. Seit 2008 unternehmen wir mit den Azubis, deren Notenschnitt besser als 2,2 ist, ein besonderes Event: zum Beispiel einen Konzertbesuch oder ein Eishockeyspiel. Das gilt für alle drei Ausbildungsjahrgänge. Mit 20 jungen Leuten waren wir bei "The Voice of Germany". Das steigert die Motivation und zieht andere mit. Insgesamt ermuntern wir unsere Auszubildenden, in Lehrgänge zur Übernahme von Führungsaufgaben einzusteigen. Abteilungsleiter kommen bei Gebauers in der Regel aus den eigenen Reihen.



Viele Händler tun sich schwer, Mitarbeiter für den Thekenbereich zu finden. Wie läuft das bei Ihnen?

Selbst das deutliche Gehaltsgefälle zwischen Fläche und Theke verbessert die Personalsituation kaum. Vor allem der Einstieg in die Arbeit ist schwierig. Das relativ hohe Tempo ist ein großes Problem. An unseren Theken ziehen die Kunden Tickets. Doch für neue Mitarbeiter ist die schnelle Abfolge von Nummer auf Nummer ganz ungewohnt – dieses Arbeiten am Stück. Da haben wir in den letzten Jahren viele Bewerber verloren. Mitarbeiter aus anderen Handelsbranchen machen das einen Vormittag mit, dann sind sie weg. Zudem haben die verantwortlichen Kräfte bei der Einarbeitung schnell aufgegeben. Sie waren bezüglich der Eignung neuer Kollegen etwas kurzatmig.



 

Wie haben Sie reagiert?

Im letzten Jahr haben wir jemanden von der Theke in die Zentrale geholt. Die Kollegin schult Quereinsteiger fachlich und vermittelt Grundkenntnisse der Thekenarbeit. Heute gibt es spezifische Pläne. Das Thema Einarbeitung ist nun Führungsaufgabe. Außerdem haben wir die Technik der Ticketausgabe angepasst.



Wie sichern Sie Ihre Personaldecke außerdem ab?

Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und uns sogar für den Landesinklusionspreis in Baden-Württemberg beworben. Bei uns können Menschen mit Einschränkungen Arbeit finden oder ein Praktikum absolvieren. In der Regel sind die Betreffenden nette, freundliche Leute, die teilweise nur etwas langsamer sind als andere.



Wie setzen Sie sie ein?

In einem Lebensmittelmarkt gibt es viele Aufgaben, bei denen Menschen mit Einschränkungen einen tollen Platz im Berufsleben finden können. Damit das klappt, braucht man eine sehr gute Führungskraft, die klare Anweisungen gibt und versteht, dass Dinge strikt nacheinander passieren müssen. In Bonlanden haben wir einen Kollegen, der den ganzen Laden in- und auswendig kennt. Für unsere Stammkunden ist er eine feste Größe, wenn sie etwas suchen. Wir können ihn uns aus dem Team nicht mehr wegdenken.



Wo sind die Stellschrauben, um Mitarbeiter zu binden?

Man muss ordentlich mit den Menschen umgehen. Dazu gehört es, gute Löhne zu zahlen und ein gewisses Rundum-Leistungspaket zu bieten. Allen voran braucht es eine solide fachliche Ausbildung und interessante Perspektiven für Leute, die sich entwickeln wollen. Hier machen wir unseren Mitarbeitern zahlreiche Angebote.



Bitte nennen Sie ein Beispiel.

Wir arbeiten einzelne Kollegen als Experten für bestimmte Sortiments- oder Produktgruppen ein. Diese informieren dann andere über ihr Spezialgebiet. Die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter entsteht nicht zuletzt durch große Freiräume für Entscheidungen. Wenn unsere Kunden Mitarbeiter ansprechen und einen Markt loben, erfüllt das die Betreffenden mit Stolz – sie sind selbst Teil dieses Erfolgs. Gute Mitarbeiter werden unter selbständigen Kaufleuten übrigens gerne weiter vermittelt – beispielsweise wenn jemand umzieht. Dann kontaktieren wir uns untereinander.

 

Guido Empen ist Prokurist Einkauf und Vertrieb bei Edeka Gebauer und auch für die Personalarbeit verantwortlich. Seit fast 25 Jahren arbeitet er bei der Kaufmannsfamilie, die sieben Märkte im Südwesten der Republik führt und knapp 500 Mitarbeiter beschäftigt.



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