Personalmarketing Mehr Verantwortung für Azubis

von Silke Biester
Donnerstag, 30. Oktober 2014
Vorbereitung für die Eröffnung: Die Telepoint-Azubis bestücken „ihre" Filiale mit Ware.
Vorbereitung für die Eröffnung: Die Telepoint-Azubis bestücken „ihre" Filiale mit Ware.
Der Wettbewerb um Talente bringt neue Ausbildungkonzepte an den Start. Bei Telepoint führen Nachwuchskräfte eine Filiale im Dauerbetrieb. Bei Weleda gründen sie ein Unternehmen.
In dieser Woche eröffnen die Auszubildenden von Telepoint ihren eigenen Elektronik-Fachmarkt. Die Bad Zwischenahner Filiale trägt das Konzept auch im Namen: Der Hinweis "Juniors" soll den Kunden zeigen, dass der Nachwuchs hier dauerhaft eigenständig das Geschäft in der Hand hat.

Von der Sortiments- und Ladengestaltung über Bestellungen und Logistik bis zur Kundenberatung und Serviceangeboten liegt die gesamte Organisation in ihrer Verantwortung. "Wenn wir gute Auszubildende gewinnen wollen, müssen wir attraktiver sein als die Mitbewerber", begründet Telepoint-Geschäftsführer Frank Harder die Initiative.

Azubi-Einsatz im Rotationsverfahren

Im Rotationsverfahren sollen die 40 Azubis des zur Bünting-Gruppe gehörenden Unternehmens im Juniors-Markt eingesetzt werden. Alle drei bis vier Monate findet ein Wechsel statt. Ziel ist es, dass jeder von ihnen in dieser Zeit alle Aufgabenbereiche kennenlernt.

Harder erhofft sich damit die Entwicklung von Organisationstalenten und Teamworkern, die eigenständig handeln und Verantwortung übernehmen: "Wir möchten jungen Leuten die Chance geben, Fehler und Erfahrungen frühzeitig zu machen, und sie so auf spätere Aufgaben vorbereiten."

Neues Design: Die Juniors-Filiale dient zugleich als Test für ein neues Ladenbau- und Farb-Konzept.
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer, denn es müssen die Rahmenbedingungen an der Berufschule sowie am eigentlichen Ausbildungsstandort berücksichtigt werden. Zur Betreuung ist täglich ein Mitarbeiter als Ansprechpartner für den Nachwuchs vor Ort. Das Mutterunternehmen nutzt den Standort zugleich, um neue Ansätze auszuprobieren. So kommt hier erstmals ein neues Ladendesign zum Einsatz, das nach der Testphase in anderen Filialen ausgerollt werden soll.

Alle Prozesse der Produkteinführung

Prozessbegleitung: Die Weleda-Naturtalente verantworten „ihr“ Produkt von der Idee über die Kalkulation und Gestaltung bis zur Promotion im Markt.
Weleda, Telepoint/Bünting
Auch bei dem Naturkosmetikhersteller Weleda wird den Auszubildenden mehr Verantwortung übertragen: Sie haben die Juniorfirma "Naturtalente by Weleda" gegründet. In diesem Projekt verfolgen die Lernenden neben dem normalen Ausbildungsbetrieb die Aufgabe, anhand eines selbstgestalteten Produkts alle Prozesse einer Produkteinführung kennenzulernen.

"Es braucht Mut, Dinge anzugehen, die man noch nie gemacht hat", gibt Ralph Heinisch, CEO der Weleda AG die Richtung vor. "So entsteht realitätsbezogenes, nachhaltiges Wissen und Zusammenhänge werden erkannt."

Struktur und Planung spielten bei der Unternehmensgründung eine zentrale Rolle: Die Nachwuchs-Firma ist in Abteilungen wie Einkauf, Marketing, Vertrieb, Finanzen & Controlling sowie Forschung & Entwicklung gegliedert. Entsprechend dem angestrebten Beruf arbeiten die Azubis und dual Studierenden, die an dem Projekt teilnehmen, interdisziplinär zusammen – vom Wirtschaftsinformatiker über Industriekaufleute und Pharmakanten bis zum Elektroniker.

Das Ergebnis ist eine Sonderedition der Weleda-Seife "Sonnenschatz". Seit wenigen Wochen ist das Produkt in 500 Filialen der Drogerie Müller gelistet. Auch die Promotions auf der Fläche führte der Nachwuchs eigenständig durch. Der Händler nahm den Geist des Azubi-Projekts ebenfalls auf: Am Verhandlungstisch mit den "Naturtalenten" saßen die Auszubildenden des Drogeriefilialisten.

 

(sb)

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