Messe Zukunft Personal Personaler sollen digitale Vorreiter sein

von Julia Wittenhagen
Freitag, 29. September 2017
Neuheiten für HR: Wie man Mitarbeiter sucht und findet war ein Trendthema, aber auch die Optimierung der Personalarbeit durch digitale Plattformen.
Zukunft Personal - Peter Porst
Neuheiten für HR: Wie man Mitarbeiter sucht und findet war ein Trendthema, aber auch die Optimierung der Personalarbeit durch digitale Plattformen.
Ein reichhaltiges Programm mit klarer thematischer Gliederung von Ausstellern, Vorträgen und Guided Tours gehört zu den Pluspunkten der Zukunft Personal. Fast 18 000 Besucher machten sich auf der größten deutschen Personalmesse über Neuheiten im Bereich Rekrutierung, Training, Services und Software schlau.

Ganz viel Flagge zeigte Xing bei der Messe Zukunft Personal. Schon auf dem Weg vom Bahnhof Köln-Deutz bis in die Halle 3 machte die Karriereplattform mit Bandenwerbung, großem Transparent und Kaffeestand in Xing-Grün auf sich aufmerksam. Auf dem Gemeinschaftsstand mit Kununu empfahl sich Xing als 360 Grad-E-Recruiter und warb für seine Neuheit, den Talentpool-Manager. "Wir sehen, wer ihrem Arbeitgeberprofil folgt", lautet das Motto für das neue Tool. Es hilft Unternehmen beim Sammeln ihrer Seitenbesucher. Sie gelten als die latent Interessierten, auf die es im modernen Recruiting immer mehr ankommt. Talentsuch- und Recruiting-Instrumente gab es auf der Messe viele. Bestechend bei Xing: Die Profile potenzieller Mitarbeiter müssen nicht durch die Personalabteilung gepflegt werden, weil dafür die Xing-Mitglieder selbst sorgen. Dies und der deutsche Standort sind von Vorteil, wenn im nächsten Jahr neue Gesetze die Speicherung von Bewerberdaten in außereuropäischen Clouds erschweren. Ein Thema, das viele Personaler umtreibt.

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Zukunft Personal - Peter Porst
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Messeveranstalter Ralf Hocke freute sich über "mehr Aussteller auf mehr Fläche" sowie 97(!) Start-ups aus dem HR-Bereich. 770 Aussteller trafen auf knapp 18 000 Fachbesucher, die sich sehr aufgeschlossen für neue Lösungen zeigen, um die Digitalisierung zu begleiten oder voranzutreiben. Das belegte auch das Rieseninteresse am Vortragsprogramm, für das viele Zuhörer Stehplätze in Kauf nahmen.

"Deutschland hat den Anschluss an die Digitalisierung ein Stück weit verpasst, auch beim Aufbau von Wissen", mahnte Key-Note-Speaker Tobias Kollmann, Professor für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen. HR sieht er daher in der Pflicht, das Wissen rund um digitale Geschäftsprozesse in die Köpfe der Mitarbeiter zu bekommen.

Geht man nach dem Andrang an den Ständen, waren aber nicht Weiterbildung und Training die Trendthemen auf der Messe, sondern Recruiting und digitale Lösungen für typische HR-Aufgaben wie Bewerbermanagement, Talentmanagement, Onboarding, Feedbacksammlung oder agiles Arbeiten.

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Zukunft Personal - Peter Porst
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In vielen der rund 450 begleitenden Vorträge auf der Messe ging es darum, wie tradierte Unternehmen ein "Digital Mindset" bekommen. Dabei stehe nicht Technologie oder IT im Vordergrund, sondern das interdisziplinäre Zusammenwirken von HR, BWL und Psychologie, sagte Stephan Fischer, der als Professor am Institut für Personalforschung der Hochschule Pforzheim auch der Jury für den HR Innovation Award vorsitzt. Dieser wurde auf der Messe zum zweiten Mal verliehen.

Die neue Denkart wirkt sich sogar auf die Vergütungspraxis aus, erläuterte Uwe Schirmer, Leiter der Abteilung Personalgrundsatzfragen bei Bosch. Er gehörte zu den Referenten der Thementage der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA): "Zu individuelle Zielvereinbarungen sind kontraproduktiv für die Arbeitsqualität. Sie funktionieren nicht mehr, wenn Kreativität und Freiräume das Ziel sind." Die Einführung einer neuen Vergütungsstruktur ziehe viele Änderungen nach sich, etwa bei Zielmessung und Jahresgesprächen. "Für viele Fragen haben wir noch keine Antworten", sagte Schirmer und machte deutlich, wie sehr sich viele Unternehmen derzeit im Umbau begreifen und wie wenig Zeit da ist für die Neupositionierung.

Noch ein Beispiel für diese typische Begleiterscheinung der Digitalisierung lieferte Andrea Kuczynski von Ströer in ihrem Vortrag über Recruiting. Als das Unternehmen eine neue Employer Branding Kampagne starten wollte, habe es ein Problem gehabt: "Wir haben uns von der Plakatbude zum Multichannel-Mediahaus gewandelt, ohne dass das draußen bei allen angekommen ist." Schließlich habe man aus der Not eine Tugend gemacht und den Wandel zum Kern des Employer Brandings gemacht, statt zum Hindernis.

Marc Stefan Brodbeck vom Bundesverband Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting (Queb) ermunterte mittelständische Unternehmen, verstärkt Gemeinschaftsplattformen zu nutzen, um sich gegen Großunternehmen zu behaupten. Als Beispiele nannte er E-fellows (Vergabe von Online-Stipendien), Blindapplying (Praktikantenbörse), Jobs from Germany (Personalsuche für Auslandstöchter deutscher Unternehmen) oder Allgäu GmbH (regionale Stellensuche).

Auch die Stellenanzeige der Zukunft war Thema. Mobil lesbar und suchmaschinenoptimiert halten all jene für wichtig, die daran glauben, dass Google Careers nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande bald selbst eine Stellensuchfunktion anbietet.

Geführte Touren, eine Ausstellung zur Arbeitswelt der Zukunft bis hin zur Demonstration, was IBM Watson mit Robotern für HR tun kann, versorgten die Fachbesucher drei Tage lang mit den Infos, die sie brauchen, um "Mutmacher und Vorreiter für die positive Gestaltung des Wandels zu sein", wie es Messeveranstalter Ralf Hocke formulierte.

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