Globaler Kampf um weibliche Talente

von Redaktion LZ
Freitag, 15. Oktober 2010
LZnet. Fachkräftemangel und Talent-Management stehen für Unternehmen ganz oben auf der Agenda. Das zeigte auch das Programm der Messe Zukunft Personal.
"Junge Frauen werden zur begehrtesten Ressource der Zukunft", behauptet Frank Schirrmacher. Was sich im ersten Moment anzüglich anhört, entpuppt sich bei genauer Überlegung als absolut zutreffend. "Sie sind bestens ausgebildet, können Kinder bekommen, also die Gesellschaft fortpflanzen", erklärt der FAZ-Herausgeber und Buchautor weiter. Damit sind sie für die alternden Volkswirtschaften von größter Bedeutung. "Und sie ziehen in die die Welt", stellt der Demografie-Experte mit Blick auf Ostdeutschland fest, wo sich Männer als wesentlich unflexibler erwiesen als Frauen.

Länder werben um junge Frauen

Der globale Kampf um die weibliche Klientel sei bereits entbrannt. Denn es gibt Länder, die erkannt haben, wie wichtig junge, hochqualifizierte Frauen für ihre weitere Entwicklung sind und sie mit besten Arbeitsbedingungen locken. Für Schirrmacher, dessen Vortrag zu den Höhepunkten des ersten Messetags zählte, steht fest, dass sich die Situation sehr bald völlig umdrehen wird.

Nicht die Unternehmen prüfen weibliche High Potentials auf Herz und Nieren, sondern ihre Personalchefs werben damit, was ihnen die Firma zu bieten hat. "Dann erledigt sich die Forderung nach familienfreundlichen Betrieben von alleine", erwartet er als Konsequenz, weil nur solche Organisationen Chancen in diesem Wettbewerb haben werden.

Demografischer Wandel und drohender Personalengpass zählten zu den Topthemen, die Besucher wie Aussteller in Köln beschäftigten. "Es war klar, der Fachkräftemangel wird kommen", sagte Alexander Petsch auf der Eröffnungspressekonferenz.

Der Geschäftsführer des HRM Research Instituts und Veranstalter der Messe geht davon aus, dass Wissen zum entscheidenden Faktor wird, wie auch die Studie des HRM Instituts "Weiterbildungstrends 2010" belegt. Und je schwieriger die Rekrutierung, umso dringender die Frage, wie sich Kernwissen im Unternehmen halten und ausbauen lässt.

Das Problem bescherte den Anbietern auf dem HR-Markt laut Petsch gute Geschäfte. Er bescheinigt seiner Zunft beste Performance, auch während der Krise. So habe die deutsche Wirtschaft in der zurückliegenden schwierigen Zeit wenig Personal ab- und damit vorgebaut.

Mehr Aussteller als im Vorjahr

Die Kölner Messe wertete er als "Spiegel der Branche". In diesem Jahr präsentierten 532 Aussteller ihre Lösungen und Dienstleistungen. In 2009 war ihre Zahl leicht zurückgegangen und lag bei 505. Das Spektrum des Angebots reichte von beruflicher Bildung über Recruiting und Zeitarbeit bis hin zu Prozessoptimierung und Softwareunterstützung. Auf dem Gebiet Weiterbildung und Wissensmanagement verzeichnete der Veranstalter den deutlichsten Zuwachs.

Außerdem konnten die mehr als 11000 Besucher aus einem breiten Programm von 200 Vorträgen und Diskussionen wählen, darunter Lernen im Internetzeitalter oder Gesundheit im Betrieb. Erstmals fand parallel zur Messe der Kongress "Professional Learning Europe" statt, der sich intensiv mit E-Learning beschäftigte.

Mit den Schattenseiten der schönen neuen Welt des Internets konfrontierte wiederum Frank Schirrmacher die Messebesucher. Er warnte vor der Überforderung der Menschen durch digitale Medien. Deren Durchdringung aller Lebensbereiche ginge einher mit einer fast pathologischen Zunahme von Konzentrationsstörungen. Und tatsächlich zähle der Satz "Was zum Teufel wollte ich gerade tun" zu den meist gehörten in amerikanischen Büros.

Mensch und Maschine passen nicht zusammen

Obwohl Menschen mehr denn je wissen, fürchten sie sich unaufhörlich, das Wichtigste zu verpassen". Die Auswirkungen auf die Arbeitswelt seien eklatant. Das nicht perfekte Zusammenspiel von Mensch und Maschine führe zu hohen Ausfällen und schade der Volkswirschaft.

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