Einsatz für eine weibliche Elite

von Redaktion LZ
Freitag, 27. August 2010
Vielseitig: Ulrike Detmers (r.), Unternehmerin, Wirtschaftsprofessorin, Frauenrechtlerin, neben Publizistin Bascha Mika beim diesjährigen Mestemacher-Zukunftsforum.
Mestemacher
Vielseitig: Ulrike Detmers (r.), Unternehmerin, Wirtschaftsprofessorin, Frauenrechtlerin, neben Publizistin Bascha Mika beim diesjährigen Mestemacher-Zukunftsforum.
LZnet. Die Professorin im Chefsessel engagiert sich seit Jahren für weibliche Karrieren. Aktuell ist sie als Expertin auf diesem Gebiet äußerst gefragt. Und auch als Geschäftsfrau. Gleich viermal hätte sich Ulrike Detmers in jüngster Zeit als Aufsichtsrätin verdingen können. Einen Posten im Beirat einer Bank hat sie schließlich angenommen. Seit die Debatte über weibliche Führungskräfte losgetreten ist, bleibt der Gesellschafterin von Mestemacher noch weniger freie Zeit. Presseanfragen und Termine häufen sich. Denn die Unternehmerin aus Gütersloh setzt sich nicht erst seit dem Frühsommer für Frauenpower in Führungsetagen ein. Sie ist eine Expertin auf dem Gebiet. So rief sie vor knapp einer Dekade den Preis "Managerin des Jahres" ins Leben.
Er zeichnet Chefinnen aus, die sich durch kompetentes Handeln als weibliche Vorbilder eignen. 2009 zum Beispiel Angelika Gifford, Leitungsmitglied von Microsoft, oder drei Jahre zuvor Martina Sandrock, heute Geschäftsführerin von Iglo, damals bei Sara Lee.

Alle Talente für die Volkswirtschaft nutzen

"Deutschland kann es sich nicht leisten, weiterhin auf einen Großteil seiner Talente zu verzichten", verdeutlicht Detmers ein wesentliches Motiv. "Es geht darum, alle Begabungen für die Volkswirtschaft zu nutzen." Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen, die jetzt auf die Freiwilligkeit der Wirtschaft in dieser Angelegenheit pochen, hat sie ihre Hausaufgaben in Gütersloh gemacht.
Vier von zehn ranghohen Posten bei der auf SB-Brot spezialisierten Gruppe besetzen Frauen.

"Nur eine Verpflichtung kann die männliche Monokultur aufweichen, die allenthalben weibliche Karrieren behindert", plädiert Detmers für die Frauenquote. Ihrer Meinung nach hat sich in der Vergangenheit zu wenig bewegt, um die Politik von Zwangsvorgaben abzuhalten.

Die deutsche Wirtschaft habe schließlich zehn Jahre verschlafen. So lange ist es her, seit die Spitzenverbände eine Selbstverpflichtungserklärung noch unter Renate Schmidt, Familienministerin a. D., unterschrieben.

Und obwohl sie selbst nicht weniger arbeitet, fragt die Mestemacher-Chefin: "Sind Führungskräfte wirklich gezwungen, 60 Stunden die Woche im Job zu verbringen?" Sie mahnt zielstrebiges und effizientes Verhalten an und bemängelt männliches Machtgebaren, was Konferenzen oft unnötig in die Länge ziehe.

"Manche Topmanager schmücken sich damit, angeblich unverzichtbar zu sein und setzen deshalb ihre Gesundheit aufs Spiel." Detmers verweist auf Skandinavien, wo Teilzeit in Topetagen kein Tabu darstellt und Zeiten wesentlich flexibler gehandhabt werden. Auch hierzulande gebe es Gestaltungsspielraum, um Beruf und Familie zu vereinbaren.

So könne man beispielsweise nachmittags früher gehen, um den Nachwuchs vom Kindergarten abzuholen, und abends, wenn die Kleinen schlafen, per Homeoffice Dinge erledigen. "Gerade die neuen Technologien ermöglichen eine wesentlich freiere Zeiteinteilung, was noch viel zu selten für Familien genutzt wird."

Bei aller Kritik spürt sie einen Wertewandel unter den nachwachsenden männlichen Führungskräften. Vater zu sein, steht bei ihnen hoch im Kurs. Nicht als Statussymbol, sondern als aktives Kümmern um die Kinder. Die neue Generation verlangt immer häufiger den nötigen Freiraum dafür.

Detmers hat auch für diesen Part der Frauenfrage ein Projekt ins Leben gerufen. Seit fünf Jahren werden engagierte Männer für ihren familiären Einsatz belobigt. Interessanterweise findet sie viele Kandidaten für den "Spitzenvater des Jahres", so der Name der Auszeichnung, in der Informationstechnologie. Und im wirtschaftlich starken Südwesten der Republik, im Stuttgarter und Münchner Raum.

Nicht nur als Unternehmerin tätig

Seit 1994 arbeitet die 54-Jährige, bei Mestemacher für Markenmanagement und Social Marketing zuständig, zudem als Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Bielefeld. Inzwischen ist sie Trägerin des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2007 erhielt sie den German Women Entrepreneurs Award.

Im Herbst könnte ein weiterer Preis hinzukommen. Detmers ist nominiert für den Entrepreneur des Jahres 2010. Diese Ehrung erhielten bisher zwei Manager der Branche, Wolfgang Gutberlet und Götz Werner. Ohne dem Ergebnis der Jury vorgreifen zu können: Eine Frau stünde dieser bisher sehr männerlastigen Auswahl gut zu Gesicht.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats