Manager aller Nationen bauen neue Märkte auf

von Judit Hillemeyer
Freitag, 23. Juni 2006
Wer Wirtschaftsmärkte im Ausland erobern will, braucht kein Heer nationaler Truppen, sondern eine Gruppe "International Assignees". Sie bauen fern der Heimat neue Handelsmärkte auf und überlassen dann das Terrain Managern vor Ort.



Der Düsseldorfer Konzern Metro gehört mit zu den aktivsten im Ausland. Er beschäftigt derzeit weltweit 283 International Assignees (Entsandte) für einen befristeten Zeitraum fernab ihrer Heimat. "Wir greifen auf Fachpersonal und Managementressourcen in 27 Ländern zurück", sagt Dr. Stephan Körkemeyer, Leiter des Personalbereichs Compensation & Benefits. Mit 115 Entsandten bilden die Deutschen die stärkste Fraktion.

Die Musik spielt in der Vertriebssparte Cash + Carry. Für sie sind 212 Manager weltweit im Einsatz. Zwischen 2000 und 2005 wuchs die Zahl der C+C-Expatriotes um fast 400 Prozent. Real hat international 31 Manager entsandt - vor allem nach Rumänien und Russland. Bei Media-Saturn sind es nur sechs. "Dort werden Mitarbeiter in der Regel lokal angestellt", sagt Körkemeyer. Lokale und internationale Manager #/ZT# Mit dem wachsenden Auslandsgeschäft wuchs auch die Komplexität der Personalarbeit. Die Entsendeten stehen spiegelbildlich für die Konzernstrategie. Mit 50 Assignees befindet sich die größte Gruppe derzeit in Russland, gefolgt von China (42) und Rumänien (23). "Gerade am Anfang einer Expansion brauchen wir diese Managementressourcen", so Körkemeyer. Verschickt werden nicht nur Manager aus Deutschland, sondern aus allen Länden, in denen der Konzern aktiv ist.

Wenn sich die Aktivitäten im Ausland gut entwickelt und stabilisiert haben, "dann reduzieren wir die Anzahl der International Assignees und arbeiten mit lokalen Managern". Um den internationalen Konzern-Geist zu bewahren bleiben jedoch ein bis zwei Managementpositionen mit Ausländern besetzt. "Wir versuchen eine gute Mischung aus Landsleuten und internationalen Managern," so Körkemeyer.

Jeder Auslandsaufenthalt ist zunächst auf drei Jahre befristet. Der Vertrag kann allerdings verlängert werden. Darauf vorbereitet werden die Manager vorab durch ein interkulturelles Training und Sprachunterricht. Einbezogen werden mitreisende Familienangehörige und Lebenspartner. Konzernsprache ist Englisch. Doch gerade in operativen Funktionen ist es nützlich, sich mit Mitarbeitern, die wenig Englisch können, in der Landessprache zu verständigen.

Jeder der Entsandten ist mit dem Business-Modell seiner Metro-Vertriebslinie so gut vertraut, dass er es im Ausland umsetzen kann. "Conditio sine qua non sind Erfahrung und Fachwissen," sagt Körkemeyer. Darüber hinaus sind interkulturelle Kompetenz und Führungsqualität gefragt. "Man muss in seinem Job bewiesen haben, Mitarbeiter erfolgreich führen zu können". Wer das im Heimatland nicht bewiesen habe, könne es im Ausland erst recht nicht.

Verschickt wird quer Beet. So übernehmen Bulgaren und Rumänen Aufgaben in Russland oder in der Ukraine, Franzosen in China. Wie in einem Kaleidoskop finden sich in allen Metro-Märkten immer wieder neu international zusammengesetzte Führungscrews. Reintegration vertraglich geregelt #/ZT# Ein Auslandseinsatz kann langfristig im Metro-Konzern der Karriere behilflich sein. Das Alter, um ins Ausland zu gehen, spiele überhaupt keine Rolle. In der Regel sind die Manager zwischen 35 und 45 Jahre alt. Gerade mal 12 Prozent der Metro-Expatriates sind allerdings Frauen. "Wir bemühen uns darum, dass sie solche Positionen im Ausland besetzen", so Körkemeyer. Es sei ein generelles Problem. Erschwerend komme hinzu, dass es für die mitreisenden Männer kaum qualifizierte Arbeitsplätze gibt.

Nach spätestens zwei Perioden im Ausland folgt die Versetzung. In seltenen Fällen wird ein Manager im Ausland "lokalisiert". Das geschieht dann immer auf eigenen Wunsch und hat familiäre Gründe. In allen anderen Fällen steht eine vergleichbare Position in einem anderen Land oder in der Heimat auf dem Plan. Nicht zugesichert wird eine Rückkehr auf die alte Heimatposition. Vertraglich geregelt ist eine Reintegration, gemäß den Erfahrungen und Fähigkeiten.

So übernimmt beispielsweise der Leiter Controlling einer Auslandstochter eine vergleichbare Position in einer deutschen Tochtergesellschaft oder er erhält eine Geschäftsführungsfunktion in einer kleineren Gesellschaft im In- oder Ausland als "Administration Director". Diese Position entspricht einem Karriereschritt.

Der Gang ins Ausland ist nicht gänzlich risikofrei. Für die persönliche Entwicklung, den Karriereweg und das Unternehmen ist er aber von Vorteil. Bisher haben sich in unterschiedlicher Gewichtung drei verschiedene Typen herausgebildet. Einer davon ist sehr stark international orientiert. Er wechselt von Land zu Land. Noch sei diese Gruppe klein, aber sie wachse stetig. Zur nächsten Gruppe gehören diejenigen, die den Auslandsaufenthalt für einen Karrieresprung nutzen. Der dritte Kreis, setzt sich aus Managern zusammen, die nach drei Jahren in eine vergleichbare Position in ihr Heimatland zurückkehren.

Entrepreneur-Spielraum im Ausland

"Wir suchen eigentlich Leute, die eher eine internationale Ausrichtung haben und das nicht nur für drei Jahre machen", so Körkemeyer. Internationalisierung sei eine der Metro-Kernstrategien. "Wir wollen in jedem Jahr mindestens 40 neue Märkte eröffnen - allein bei C+C." Außerdem soll die Vertriebsschiene stärker internationalisiert werden.

Dass langfristig Managementpositionen im Ausland mit Landeskindern besetzt werden, hat nicht nur Kostengründe, sondern ist auch eine Form der Personalpolitik. Denn auch die lokalen Manager brauchen Karriereperspektiven und Entwicklungschancen bei Metro. Deshalb rekrutieren die ausländischen Manager vor Ort den eigenen Nachwuchs.

Natürlich könne eine Reintegration in der Heimat ebenso scheitern, wie Karrieren überhaupt misslingen können. Die Rückkehr will jedenfalls vorbereitet sein. Sie wird frühzeitig von Gesprächen mit den betroffenen Managern und dessen künftigen Vorgesetzten flankiert. Die Schwierigkeiten können vielfältig sein. "In Düsseldorf ist man näher an den Konzernregularien als beispielsweise in Bulgarien", weiß Körkemeyer, "und da hat es schon das eine oder andere mühsame Gespräch gegeben".

Und es gibt diejenigen, die nach ihrer Rückkehr feststellen, dass es ihnen in Deutschland keinen Spaß macht zu arbeiten. Dann wechseln sie wieder ins Ausland. Der größere Handlungsspielraum in der Fremde ist für viele Assignees ein wichtiger Beweggrund, um überhaupt von zu Hause wegzugehen: "Man hat einen Entrepreneur-Spielraum im Ausland."

Um Hin- und Rückführung und die Zeit während des Auslandsaufenthaltes professionell zu begleiten, wurde das Personalwesen entsprechend strukturiert. Der Bereich International Compensation & Benefits gliedert sich in vier Bereiche. Neben administrativen und strategischen Aufgaben widmet sich das Service-Center mit persönlichen Betreuern den Belangen ausländischer Manager. (juh)

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