Minijobs bieten mehr Potenzial

von Judit Hillemeyer
Freitag, 10. Dezember 2004
Vieles sei bereits geschafft, vieles bleibe aber auch noch zu tun. Dies ist der Tenor einer Studie des RWI Essen zur Entwicklung der Minijobs- gut ein Jahr nach deren Einführung.



Zwar seien viele neue Beschäftigungsmöglichkeiten entstanden, die Integration von Arbeitslosen zurück in ersten den Arbeitsmarkt sei durch die Minijobs jedoch nicht in großem Ausmaß gelungen.

Eingeführt wurden die Minijobs zum im April vergangenen Jahres. Hier Ziel, zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, hätten sie erreicht. Allerdings hätten sie bisher kaum dazu geführt, dass Arbeitslose über Minijobs in den ersten Arbeitsmarkt finden. Dies geht aus der Studie hervor, die das RWI Essen im Auftrag der Minijob-Zentrale durchgeführt hat.

Die Auswertung einer Befragung von rund 2 500 Minijobbern zeigte, dass rund 40 Prozent von ihnen erst nach der Reform eine geringfügige Beschäftigung in Form eines Minijobs aufgenommen haben. Es gäbe Indizien dafür, dass zum Teil sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse in Minijobs umgewandelt worden sind.

Der Bestand an Minijob-Inhabern setze sich allerdings vor allem aus Schülern, Studenten, Auszubildenden, Hausfrauen und Rentnern zusammen. Nur knapp 8 Prozent derjenigen, die im April 2004 einen Minijob hatten, waren unmittelbar vor der Reform arbeitslos gemeldet. Dagegen waren 15 Prozent zuvor sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Zahl der Stellen ist stabil

Zudem ergibt die Untersuchung, dass die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse offenbar sehr stabil sind. Sie werden vor allem dann aufgegeben, wenn ein attraktiverer Minijob gefunden wird.

Nur rund 4 Prozent dieser Arbeitnehmer beenden laut der Studie ihren Minijob, weil sie eine nicht geringfügige Beschäftigung aufgenommen haben. Gleichzeitig sehen jedoch knapp 25 Prozent ihre berufliche Perspektive innerhalb des nächsten Jahres in der Suche nach nicht-geringfügiger Beschäftigung.

Bei diesen Ergebnissen sei jedoch zu beachten, dass der in dieser Untersuchung betrachtete Zeitraum seit Umsetzung der Reform mit rund einem Jahr relativ kurz ist. Es sei daher nicht auszuschließen, dass sich an diesen Befunden mittel- bis langfristig etwas ändern könnte.

Die Untersuchung ist die erste wissenschaftliche Momentaufnahme der Minijobs in Deutschland. Von den rund 2 500 Befragten verfügt rund die Hälfte über einen Hauptschulabschluss oder weniger. Fast 75 Prozent haben einen beruflichen Abschluss.

Ungefähr ebenso viele gehen ihrem Minijob in einer ländlichen oder kleinstädtischen Gegend nach. Im März 2004 hatten etwas mehr als 16 Prozent der Befragten ein weiteres Beschäftigungsverhältnis, die Hälfte von ihnen war dort Vollzeit beschäftigt. Etwa ein Drittel arbeitet durchschnittlich 16 bis 30 Stunden im Monat, nur 3 Prozent mehr als 60 Stunden.

Hinsichtlich der Bezahlung ergaben sich vor allem Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland: Während in Westdeutschland rund 53 Prozent der Minijobber einen Stundenlohn von 8 Euro oder mehr erhalten, tun dies in den neuen Bundesländern nur 16 Prozent.

Um die Minijobs für Arbeitslose attraktiver zu machen, schlägt das RWI Essen einen "erweiterten Minijob für Arbeitslose" vor. Dabei soll für diese die Einkommensgrenze für Minijobs für insgesamt bis zu 24 Monate auf 800 Euro im Monat verdoppelt werden.

Befristete Arbeitsverhältnisse

Diese Regelung soll jedoch nur für Personen gelten, die seit mindestens sechs Monaten bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitslos oder arbeitsuchend gemeldet sind. Gleichzeitig sollten die Anrechnungsregelungen für den Hinzuverdienst bei Arbeitslosigkeit deutlich generöser gestaltet werden. Durch den starken Nettozugewinn an Einkommen würden hierdurch Minijobs für viele Arbeitslose wesentlich attraktiver.

Die zeitliche Befristung der Regelung würde gleichzeitig dafür sorgen, dass die Minijobber weiterhin nach nicht-geringfügiger Beschäftigung suchen. Das RWI Essen schätzt, dass durch ein solches Programm bis zu 500 000 Arbeitslose zusätzlich Minijobs aufnehmen würden.

Da diese durch die zeitliche Befristung erheblich stärker als bisher motiviert wären, nach sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung zu streben, könnten so mittelfristig bis zu 240 000 neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse entstehen.

Durch die damit verbundenen zusätzlichen Einnahmen aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen sowie eingesparte Entgeltersatzleistungen könnte die Staatskasse um bis zu 170 Millionen Euro monatlich entlastet werden.

Die meisten Minijobs sind laut RWI im Dienstleistungssektor, Einzelhandel (ohne KFZ-Handel und Tankstellen), Reparaturservice, Gesundheits- und Sozialservice sowie in der Handelsvermittlung und Großhandel (ohne KFZ-Handel) sowie im Wohnungswesen zu finden. (juh)

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