Einzelhandel braucht Minijobber

von Judit Hillemeyer
Freitag, 10. Dezember 2004
Im Einzelhandel gibt es keine Aufspaltung von Vollzeitstellen in geringfügige Beschäftigungsverhältnisse. Anderslautende Behauptungen von DGB und Verdi hat heute in Berlin der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Holger Wenzel zurückgewiesen.



Dass es keine Aufspaltung gebe, zeige schon der erste Blick auf die Entwicklung der rückläufigen Mitarbeiterzahlen. Eine Aufspaltung hätte dagegen zwingend zu einer größeren Kopfzahl führen müssen.

"Geringfügig Beschäftigte sind die Flexibilitätsreserve des Einzelhandels und dienen letztlich auch der Sicherung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse", hob Wenzel hervor.

"Wichtige Serviceleistungen wie das Einpacken der Geschenke könnten die Geschäfte ohne die über 120.000 befristet Beschäftigen Aushilfen zum Beispiel jetzt im Weihnachtsgeschäft gar nicht erbringen", so Wenzel weiter.

In den meisten Fällen würden die Aushilfen nicht nur mit Billigung sondern auf ausdrücklichen Wunsch der Betriebsräte eingesetzt, um nach der Verlängerung der Ladenöffnungszeiten wichtige Aufgaben zu übernehmen.

"Ohne 400-Euro-Kräfte müssten viele Geschäfte ihre Öffnungszeiten wieder einschränken. Das wäre das falsche Signal an die Kunden, um ihre Ausgabebereitschaft zu erhöhen". Statt dessen forderte Wenzel die Gewerkschaften auf, längere Arbeitszeiten ohne teure Mehrarbeitszuschläge zuzulassen.

Der Einzelhandel verspürt nach Aussage des HDE eine "große Nachfrage" nach geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen. Viele ehemalige Verkäuferinnen würden über einen Mini-Job neben der Kindererziehung die Verbindung zu ihrem Beruf halten und die Familienkasse aufbessern.

Ein weiterer Personenkreis seien Studenten, die mit einer 400-Euro-Tätigkeit im Einzelhandel ihr Studium weitgehend selbst finanzieren müssten. Auch die Betroffenen, die eine Doppelbelastung auf sich nähmen und unter Umständen auf staatliche Unterstützung verzichten, würden von der Gewerkschaftskampagne gegen die Minijobs diskreditiert. (juh)

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