Mitarbeiterbeteiligung steht im Fokus

von Redaktion LZ
Freitag, 13. Januar 2006
Die Bremer Chocolade-Fabrik Hachez und der Getränkehersteller Berentzen gehen bei der Beteiligung der Mitarbeiter an der Unternehmensentwicklung neue Wege. Erstmals haben die Mittelständler das Grundniveau des Weihnachtsgeldes 2005 um rund 20 Prozentpunkte gesenkt.



Entwickeln sich das Geschäft positiv, wird die Sonderzuwendung aufgestockt. Was viele Großkonzerne bereits vor Jahren umgesetzt haben, gewinnt nun zunehmend auch bei den Mittelständlern der Nahrungsmittelindustrie an Bedeutung: Die Arbeitnehmer sollen stärker an der Entwicklung des Unternehmens beteiligt werden. Erst kürzlich hatte Bundespräsident Horst Köhler die alt bekannte Debatte um eine Gesellschaft der Teilhaber neu entfacht.

"Die Beteiligung der Mitarbeiter am Ergebnis eines Unternehmens bekommt einen immer höheren Stellenwert", bestätigt auch der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss e.V. (ANG), Michael Andritzky. Dennoch scheuten sich viele Mittelständler in der Branche, das Thema anzugehen.

Mehr Dynamik erhofft

Ein Grund sei die Tatsache, dass sie in einem solchen Fall ihre Zahlen offen legen müssten. "Wir haben uns bei der Mitarbeiterbeteiligung mehr Dynamik erhofft", räumt Andritzky ein und verweist auf eine gemeinsame Rahmenvereinbarung mit der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) aus dem Jahr 2004.

Von den darin ermöglichten Öffnungsklauseln zur Flexibilisierung der Sonderzuwendungen haben die Chocolade Fabrik Hachez GmbH & Co. KG und der Berentzen-Gruppe AG nun erstmals Gebrauch gemacht. "Wir haben bei den tariflich Angestellten das Grundniveau des Weihnachtsgeldes im Jahr 2005 von 95 Prozent eines Monatsgehaltes auf 75 Prozent abgesenkt", erklärt Berentzen-Personalleiterin Lydia Thole.

Gegebenenfalls wird nachgezahlt

Diesen Abschlag habe der Hersteller den Mitarbeitern im November gezahlt. "Im März, wenn die Unternehmenszahlen vorliegen, wird gegebenenfalls nachgezahlt", so Thole. Insgesamt sei dabei eine Erhöhung von bis zu 20 Prozentpunkten gemessen am ursprünglichen Weihnachtsgeld denkbar, also bis zu 115 Prozent.

Einen Korridor von 80 bis 120 Prozent beim Weihnachtsgeld hat auch Hachez 2005 erstmals realisiert. Zugrunde legt das Unternehmen hierbei nach eigenen Angaben sowohl Produktivitätskennziffern als auch Umsatzwachstumszahlen.

Diese Umwandlung von Einmalzahlungen in erfolgsabhängige Zuwendungen ist nur eine Spielart, die Mitarbeiter am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Börsennotierte Großkonzerne wie die Henkel KGaA bieten ihren Angestellten beispielsweise besondere Konditionen beim Kauf von Unternehmensanteilen: Die Düsseldorfer steuern jedem Mitarbeiter, der 3 Euro in Henkel-Aktien investiert, einen zusätzlichen Euro bei.

Ziel sei es, die Aktionärsdichte der Mitarbeiter zu erhöhen und einen Leistungsanreiz zu setzen, heißt es in der Henkel-Zentrale. Auch bei Procter & Gamble können die Mitarbeiter an einem internationalen Aktienkaufplan teilnehmen. Nach Unternehmensangaben besitzen mittlerweile nahezu 90 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland Aktien.

Die Beiersdorf AG zahlt der Belegschaft zum Jahresende einen Bonus, der von der individuellen Leistung und der Unternehmensentwicklung abhängig ist. Vereinzelt gibt es auch im Mittelstand bereits Erfolgsbeteiligungen: Beim Ulmer Nussspezialisten Seeberger etwa können die Mitarbeiter seit 1984 Genussscheine des Unternehmens erwerben. Sie haben damit Anspruch darauf, am Gewinn beteiligt zu werden.

NGG fordert Steueranreize

Um Mitarbeiterbeteiligungen weiter zu fördern, hat die Gewerkschaft NGG jüngst einen konkreten Vorschlag unterbreitet: Der NGG-Vorsitzende Franz-Josef Möllenberg hat angeregt, die steuerliche Begünstigung für eine Beteiligung - sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber - von derzeit 135 auf 500 Euro anzuheben. So könnten jährlich bis zu 1000 Euro in eine Kapitalbeteiligung fließen, erklärt er.

Auch die Bundesregierung hat in diesem Zusammenhang die Steuerpolitik erneut auf ihre Agenda gesetzt und die Schaffung stärkerer Anreize in Aussicht gestellt. NGG-Chef Möllenberg betont jedoch, eine Kapitalbeteiligung der Arbeitnehmer dürfe nur zusätzlich zu den normalen Lohnerhöhungen umgesetzt werden.

Zudem müssten die Arbeitnehmer gegen das Insolvenzrisiko abgesichert sein. Im Zuge der aktuellen Debatte räumt Möllenberg allerdings ein, dass eine stärkere Beteiligung von Mitarbeitern an der Unternehmensentwicklung in Gewerkschaftskreisen nicht immer mit Beifall aufgenommen werde. (sha/tt)

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