Mitarbeiter dürfen auch mal abschalten

von Christiane Düthmann
Freitag, 20. Juli 2012
Als eine Ursache für Stress wird die permanente Erreichbarkeit der Beschäftigten genannt. Schon fordert Arbeitsministerin Ursula von der Leyen "glasklare Regeln" für Handykultur und Mailverkehr. Handel und Industrie finden das überflüssig.
"Grundsätzlich sind unsere Mitarbeiter nicht verpflichtet, in ihrer Freizeit für Mails, SMS oder Anrufe zur Verfügung zu stehen", sagt etwa Werner Hagedorn, Hauptabteilungsleiter Personal und Organisation bei Dr. Oetker. Gleichzeitig will man deren Leistungsbereitschaft aber auch nicht "zwangsweise einschränken".

Hagedorn sieht es als Teil der Eigenverantwortung und Eigenvorsorge der Mitarbeiter, "die nötige Balance zwischen Leistung und Entspannung, Arbeitszeit und Freizeit zu finden und zu wahren".

Auch dm-Geschäftsführer Christian Harms stellt klar: "Ständig erreichbar muss niemand sein." Wie die gegenseitige Erreichbarkeit geregelt ist, hänge individuell von der Situation und von der Zusammenarbeit der Kollegen ab. Klagen über medialen Dauerstress seien ihm nicht bekannt. Interne Regulierungen für den Umgang mit Mails & Co in der Freizeit gibt es bei dm nicht.

Führungskräfte spielen Schlüsselrolle

Wichtigste Vorsorge-Maßnahme gegen Stress und Burn-out ist für die Metro das Verantwortungsbewusstsein der Führungskräfte für ihre Mitarbeiter. Um Gesundheitsthemen in der Führungskultur weiter zu verankern, seien Workshops für Vorgesetzte in Planung. Henkel macht die Erfahrung, "dass Mitarbeiter verantwortungsbewusst mit dem Thema umgehen und sich mit Vorgesetzten und Kollegen abstimmen."

Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass Maßnahmen zur Erhaltung der psychischen und physischen Gesundheit der Beschäftigten immer wichtiger werden. Auch Kraft Foods hat bisher keine Regeln zur Erreichbarkeit von Mitarbeitern aufstellen müssen. Jeder ziehe eigenverantwortlich seine Grenze.

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird wichtiger

Nicolas Pauthier, Personaldirektor L’Oréal Deutschland, wünscht sich, "dass Mitarbeiter in ihrer Freizeit Kraft und neue Eindrücke sammeln können. Dazu gehört auch ein Abstand zum Job." Jeder gehe anders mit Belastungen um, also gelte es, individuelle Lösungen zu finden. Für persönliche, berufliche oder gesundheitliche Fragen stünden externe Fachberater zur Verfügung. Vorgesetzte sollten "Ruhezeiten vorleben und zeigen, dass Job und Privatleben in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen können." Procter & Gamble befragt seine Mitarbeiter regelmäßig. "Insbesondere das Angebot, von zu Hause zu arbeiten, wird geschätzt und trägt dazu bei, Beruf und Freizeit in Einklang zu bringen." (cd)

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