Stammpersonal und Leiharbeiter koordinieren

von Redaktion LZ
Freitag, 14. September 2007
LZ|NET. Steigender Wettbewerbsdruck erforderte, dass sich die Unternehmen während der letzen Jahre im Produktionsbereich gesund und schlank schrumpften. Sie verfügen jetzt zwar über schlanke Strukturen und Prozesse, stehen dafür aber bei steigender Nachfrage und vollen Auftragsbüchern in Sachen Personaleinsatz vor neuen organisatorischen Herausforderungen.



Wie lässt sich meine aus Stammpersonal und Leiharbeitnehmern zusammengesetzte Belegschaft optimal steuern? Das ist die Frage, die sich heute stellt. Herausgebildet haben sich kleine und flexible Kernteams, die über die entsprechenden Kompetenzen, Fähigkeiten und Qualifikationen des Kernprozesses verfügen und diesen ständig in Qualität, Menge und Zeit absichern, und eine variierende und fluktuierende Anzahl von Leiharbeitnehmern.

Die Kernteams sind so aufgebaut, dass die Mitglieder in der Regel über Mehrfachqualifikationen verfügen, so dass im Falle eines Mitarbeiterausfalls (z.B. Krankheit) flexibel und schnell reagiert werden kann.

Der Bedarf an Leiharbeitnehmern richtet sich nach einer Vielzahl von Variablen, wie Fehlzeiten, Arbeitszeitmodelle, Mengenanforderungen oder Varianten in der Fertigung. Für den Bereich Produktion sind die Arbeitsplatzstruktur, die aktuelle Produktnachfrage in Menge und Struktur sowie die mittelfristige Auslastungsprognose die Hauptkriterien für den Einsatz von Leiharbeitnehmern.

Bedarfe ermitteln

Während eines Jahres können in einem Unternehmen, je nach Produkt und Produktionseinheit, verschiedene Bedarfe an Leiharbeitnehmern existieren. Diese lassen sich in kontinuierliche, vorhersehbar saisonale und unvorhersehbar hochvolatile Bedarfe differenzieren.

Besonders schwierig gestaltet sich die Steuerung der Leiharbeiter im Bereich des unvorhersehbaren, hochvolatilen Bedarfs, der beispielsweise durch plötzliche Produktabrufe des Handels und somit durch eine abrupt steigende Auftragslage gekennzeichnet ist.

Sind die verfügbaren Arbeitszeitmodelle des eigenen Personals bereits ausgereizt, stehen die Unternehmen vor der Herausforderung, die Produktivität sowie die Produktqualität mit einem höheren Leiharbeitnehmeranteil abzusichern. Prozess kann erhebliche Einflüsse auf die Organisations- und Unternehmenskultur, Produktqualität und Produktivität des Unternehmens haben.

Leiharbeiter verfügen, aufgrund häufig wechselnder Einsatzorte, nicht über gewachsene Verbindungen oder ein hohes Maß an Identifikation mit dem Unternehmen. Nicht selten spiegelt sich das im Arbeits- und Leistungsprozess, im Innovationspotenzial sowie in der Sorgfaltspflicht und Wertschätzung wider.

Unternehmenskultur wahren

Gleichzeitig besitzen sie kaum die gleichen Kompetenzen, Fähigkeiten und Erfahrungswerte, wie verwurzelte Mitarbeiter. Je höher der Anteil an Leiharbeitern ist, desto eher werden gewachsene Werte und Einstellungen der eigenen Organisations- und Unternehmenskultur verdrängt.

Eine einfache Grundregel lautet: Qualifizierte Tätigkeiten, welche die Kernkompetenzen des Unternehmens definieren und die Qualität des Produktes signifikant beeinflussen, müssen jederzeit mit eigenen Mitarbeitern bewältigt werden können. Für alle anderen Arbeiten kann, zumindest in der Theorie, externes Personal eingesetzt werden.

Betrachtet man beispielsweise den Produktionsbereich eines Massenfertigers mit breitem Produktspektrum lassen sich hier erfahrungsgemäß drei Bereiche unterscheiden. Bis zu einem Leiharbeitnehmeranteil von 20 Prozent können die Externen integrativ gesteuert werden (integrativer Regelbetrieb).

Der Aufwand für die Planung und Steuerung der Leiharbeitnehmer im integrativen Regelbetrieb ist überschaubar und kann durch eigene Mitarbeiter (Kernteam) erfolgen. Die Einflüsse auf Produktivität, Produktqualität und Arbeitsprozess sind für die Verantwortlichen im Prozess (Team- bzw. Schichtleiter) steuerbar.

Liegt der Leiharbeitnehmeranteil eines Massenproduzenten mit breitem Produktspektrum zwischen 20 und 30 Prozent (kritische Schwelle), kann ein Team- bzw. Schichtleiter nur noch kurzfristig seine Einheit mit angemessenen Ergebnissen steuern.

Bei einem Leiharbeitnehmeranteil von mehr als 30 Prozent kann die Steuerung der Leiharbeitnehmer nur mit einem intensiven Aufwand aufrechterhalten werden und ist in der Regel nicht mehr innerhalb der eigenen Produktionseinheit effizient zu realisieren.

Kernprozesse der Produktion

Eine integrative Steuerung ist zwar allgemein möglich, aber mit Hinblick auf den eigentlichen Kernprozess der Produktion und mögliche Störfaktoren auf den eigenen Personalstamm nicht ratsam und sollte daher organisatorisch entkoppelt und somit separiert erfolgen.

Unsere Erfahrungen und Ergebnisse aus einer Vielzahl von branchenübergreifenden Projekten zeigen, dass ein aktives und erfolgreiches Leiharbeitnehmermanagement ohne klare Strategien nicht möglich ist. Die Integration einer hohen Quote von Leiharbeitnehmern in den Produktionsprozess ist sicherlich alles andere als einfach.

Mit den genauen konzeptionellen Vorüberlegungen und richtigen Strategien lassen sich allerdings die Einflüsse auf den Produktionsprozess sowie die Produktqualität minimieren und der Leiharbeitereinsatz effektiv und effizient steuern.

Der Autor Nick Brehmer ist Geschäftsführer der M-BIS Mobile Business and Innovative Solutions GmbH.

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