"Bilde, Künstler, rede nicht"

von Judit Hillemeyer
Freitag, 25. Januar 2008
Diskussionsrunde in Alfter an der Alanus Hochschule
Diskussionsrunde in Alfter an der Alanus Hochschule
"Management ist die Fähigkeit, Mitarbeiter produktiv zu machen". Unter diesem Motto veranstaltete die Alanus Hochschule ihren dritten Unternehmertag. Referenten aus dem Einzelhandel berichteten über ihre Erfahrungen und Strategien in der Personalpolitik.



"Personalführung ist in der wissenschaftlichen Ausbildung unterrepräsentiert, obwohl sie in jedem Unternehmen gebraucht wird", sagte Prof. Markus Mau, Fachbereichsleiter Wirtschaft an der Alanus Hochschule und Moderator der Veranstaltung. Nach dem Kunden rücke nun der Mitarbeiter ins Blickfeld.

"Wir müssen uns vom handelnden Händler zum reflektierenden Praktiker" entwickeln." Damit unterstrich Rewe-Managerin Dr. Ursula Schütze-Kreilkamp die Strategiebemühungen des Kölner Konzerns. Organisatorisch stellt das Unternehmen die ersten Weichen für eine neue Bildungspolitik.

Interkulturelle Kompetenz sei bei einem internationalen Handelshaus wie der Rewe Group notwenig, sagte sie vergangene Woche den rund 100 Tagungsteilnehmern. Gefördert und gefordert werde der Paradigmenwechsel durch den französischen CEO Alain Caparros und durch das unternehmerische Wachstum im Ausland. Die Rewe Group beschäftigt insgesamt rund 270 000 Menschen.

"Demografieprobleme haben wir schon heute in Deutschland", betonte die Referentin. "2013 scheiden in Deutschland 330.000 Akademiker aus Altersgründen aus dem Berufsleben aus," fuhr sie fort. "Das ist ein sensibles Thema, dass uns alle vital betrifft." Aktuell habe jedes sechste Unternehmen hierzulande Schwierigkeiten, Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Betroffen sei auch die Lebensmittelbranche.

Weiterbildung der Mitarbeiter

Um dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, startet Rewe ihre Bildungsoffensive Campus, die sich aus den Bausteinen eines klassischen Seminarprogramms, Lehrgängen für Führungskräfte und Kaminabenden für Topmanager zusammensetzt.

Schütze-Kreilkamp sprach sich auch für berufliche Quereinsteiger und Querdenker aus. Querdenken bedarf einer entsprechenden Unternehmenskultur, so Thomas Bruch, geschäftsführender Gesellschafter der Globus Holding GmbH & Co KG. "Wir wollen ein Unternehmen sein, in dem nicht nur an der Spitze gedacht wird", sagte er.

"Die Mitarbeiter auf der Fläche prägen die Erfahrung der Kunden und das öffentliche Image eines jeden Händlers", betonte Bruch. Das erfordere soziale Kompetenz und Kreativität. Unter dieser Prämisse verbringen alle Auszubildenden eine Woche in der Globus-Kulturwerkstatt, wo Skulpturen, Theater und Bilder entstehen. Bruch sprach sich für einen "fließenden Wissensaustausch" aus.

In einer Gemeinschaft sollte sich jeder aktiv und gestaltend einbringen, ergänzte Prof. Götz Werner, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der dm-Drogeriemarkt GmbH, denn "wir leben in einer Fremd- und nicht Selbstversorgergesellschaft". Diesen Prozess zu fördern, ist für Bruch eine kontinuierliche Aufgabe der Führungskräfte.

"Bilde, Künstler, rede nicht." Mit dem Goethe-Zitat traf Thomas Egelkamp, Künstler und Dozent an der Alanus Hochschule, den Kern des Unternehmertages. Zur Förderung des kreativen Potenzials müsse sich ein Arbeitgeber auf eine produktive Unruhe einlassen. Organisatorisch werde sich dieser Ansatz jedoch erst in den nächsten Jahren durchsetzen, prognostiziert Markus Mau.



Zahlen und Fakten

Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft bietet ein praxisorientiertes Wirtschaftsstudium in Verbindung mit Kunst an. Derzeit wird ein Bachelor-Abschluss erworben. Zu den Partnerunternehmen gehören u.a. Alnatura, Biogarten, dm, Globus, Budnikowski, Rewe, Tegut, Weleda. (juh)

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