Betriebliches Gesundheitsmanagement Mitarbeiter brauchen Handlungsspielraum

von Redaktion LZ
Freitag, 23. Mai 2014
Zu enger Fokus: Viele Unternehmen schauen beim Thema Gesundheit nur auf ältere Mitarbeiter, beobachtet Jochen Prümper. Doch auch Mid Ager gehören in nicht allzu ferner Zukunft zu den Beschäftigten „50 plus“.
Franz Pfluegl
Zu enger Fokus: Viele Unternehmen schauen beim Thema Gesundheit nur auf ältere Mitarbeiter, beobachtet Jochen Prümper. Doch auch Mid Ager gehören in nicht allzu ferner Zukunft zu den Beschäftigten „50 plus“.
Im betrieblichen Gesundheitsmanagement kümmern sich Arbeitgeber statt um Nachsorge mittlerweile verstärkt um Prävention. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung, die Prof. Jochen Prümper von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin im Rahmen der Fachmesse "Personal Süd" vorstellte.
43 Prozent der Unternehmen haben bereits ein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) eingeführt. "Erstaunlich viele", sagt Jochen Prümper bei der Vorstellung der Ergebnisse seiner Trendstudie, für die mehr als 500 Personalexperten befragt wurden.

Dabei stehen nicht mehr nur "verhaltensbezogene Maßnahmen" wie Unterweisungen zum Arbeitsschutz, Angebote zur Stressbewältigung und zu gesunder Ernährung im Fokus. Ebenso häufig kommen "verhältnisbezogene Maßnahmen" zum Einsatz – vor allem ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, flexible Arbeitszeitmodelle oder Initiativen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

"Damit zeigt sich im betrieblichen Gesundheitsmanagement eine Trendwende von der Nachsorge zu Prävention, die uns positiv überrascht", so der Wissenschaftler.

Wenig Angebote für Jüngere

Kritisch findet er indes die von den Unternehmen bevorzugte Zielgruppe: Älteren Beschäftigten werde das Gros der Aufmerksamkeit zuteil. Dabei sollten sich die BGM-Verantwortlichen "um Youngster und Mid Ager ebenso intensiv bemühen wie um ihre Silver Ager".

Angebote speziell für Ältere erreichen diese Zielgruppe oft nicht. Das zeigt das Beispiel SAP. "Trainings mit Altersangabe im Titel werden von ihnen nicht in Anspruch genommen", berichtet Personalerin Heidrun Kleefeld aus dem Projekt "Mature Talents", das sie leitet. SAP spricht deshalb lieber von erfahrenen oder langjährigen Mitarbeitern oder schreibt etwa ein Laufseminar "für Wiedereinsteiger" aus.

Führungskräfte als Sozialmanager

Insgesamt bietet der Softwarekonzern mehr als 80 Kurse pro Woche an, die vor allem auf die "Selbstverantwortung" der Beschäftigten abzielen. Fitte und motivierte Mitarbeiter seien eine Grundvoraussetzung für ein innovatives Unternehmen, so Kleefeld. Spezielle Workshops richten sich an Führungskräfte, die als "Gatekeeper" großen Einfluss auf die Mitarbeiter haben. "Wir wollen sie befähigen, Rahmenbedingungen für ein gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen."

Dazu zählt auch deren Rolle als "Sozialmanager", fügt Prümper mit Blick auf psychische Belastungen hinzu. Die Arbeitsverdichtung steige, gleichzeitig mangele es an Zusammenhalt unter den Kollegen und "Fürsorge" durch die Vorgesetzten. "Diese Kombination ist Fatal", so der Forscher.

Die Belastung an sich sei nicht das Problem, sofern die sozialen Ressourcen stimmen. "Mitarbeiter brauchen Handlungsspielräume und Unterstützung durch ihre Kollegen und Vorgesetzten." Letztere hätten für diese Funktion jedoch immer weniger Zeit.

42 Prozent der Frühverrentungen seien heute auf psychische Erkrankungen zurückzuführen, Tendenz steigend. Und es dauere im Schnitt sieben Jahre, bis eine psychische Erkrankung überhaupt als solche erkannt werde. Höchste Zeit für die Betriebe, sich dem Thema zu stellen, findet Prümper, denn: "Was wir heute sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs."

 

(C. Düthmann)

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