Demokratie im Unternehmen Mitarbeiter wählen ihre Chefs

von Christiane Düthmann
Freitag, 20. Dezember 2013
Der Anbieter von Talent-Management-Lösungen Haufe-Umantis setzt auf demokratische Personalentscheidungen. Nachdem im Sommer dieses Jahres der CEO von den Mitarbeitern gewählt wurde, stellen sich nun auch alle weiteren Führungskräfte zur Wahl.
Marc Stoffel ist der erste demokratisch bestimmte CEO bei Haufe-Umantis. Der Anbieter von Talent-Management-Lösungen geht bewusst neue Wege bei den Personalentscheidungen. "Wir verfolgen den Ansatz, Mitarbeitern Vertrauen zu schenken und sie in Entscheidungen einzubeziehen", sagt Stoffel. Der gewählte Chef sieht sein Unternehmen mit diesem Experiment durchaus in einer Vorreiterrolle.

Alle Mitarbeiter sind wahlberechtigt

Der Ablauf gestaltete sich unspektakulär: Der bisherige Geschäftsführer und Mitgründer des Unternehmens, Hermann Arnold, legte sein Mandat nieder und leitete die Wahl seines Nachfolgers ein. Wahlberechtigt waren alle Mitarbeiter auf der Payroll – vom Praktikanten bis zum Manager.

Mit einer Zustimmungsrate von 80 Prozent wurde Stoffel in die Chefposition gewählt. Zuvor hatte er bereits verschiedene Positionen inne, seit er 2005 zu Haufe kam: Software-Entwicklung, Produktmanagement, Vertrieb und Marketing.

Demokratische Prozesse haben bei Haufe-Umatis bereits Tradition. "Schon vor sechs Jahren wurden unser Strategieprozess und unsere Unternehmensziele demokratisch erarbeitet", berichtet Stoffel. Vor zwei, drei Jahren begann das Beratungshaus damit, auch die eigene Rekrutierung zu demokratisieren.

Das Ergebnis: "Die Teams, nicht die Vorgesetzten oder die HR-Abteilung, entscheiden darüber, wer eingestellt wird." Eine neue Situation – nicht nur für die Kollegen, sondern auch für die Kandidaten. Die überwiegende Mehrheit begrüße die neue Art der Entscheidungsfindung. Doch es gebe auch eher traditionell eingestellte Bewerber, die damit nicht zurechtkommen. Alles in allem habe die Qualität der Einstellungen "ganz klar zugenommen", resümiert Stoffel.

Das Modell sei sicherlich nicht eins zu eins auf jedes Unternehmen zu übertragen. "Es braucht eine demokratische Kultur, um damit verantwortlich umzugehen." Jeder Mitarbeiter müsse seine Ideen und Vorstellungen, aber auch seine Meinung und Beschwerden einbringen können. Genau das werde gerade von jüngeren Menschen gefordert. Stoffel ist sicher: "Ein autoritärer Führungsstil nach Top-Down-Prinzip ist nicht mehr zeitgemäß.

Manager bewerben sich beim Team

Seit dem vergangenen Monat werden auch alle 15 Vorgesetzten von der rund hundertköpfigen Belegschaft in "anonymen und demokratischen Wahlen" bestimmt beziehungsweise im Amt bestätigt. Jeder Manager bewirbt sich dazu bei seinem Team.

Es gibt zudem neue Nominierungen – jeder Mitarbeiter kann auch sich selbst oder einen Kollegen für Führungspositionen vorschlagen. Wahlberechtigt sind in diesem ersten Durchgang jeweils die Teammitglieder. Die "Legislaturperiode" dauert ein Jahr, auch für den CEO. "Dann werden wir sehen, ob ich meine ‚Probezeit‘ überstanden habe oder nicht", so Stoffel.

Haufe-Umantis werde noch manchen Lernprozess durchlaufen, ist Stoffel überzeugt. Beispielsweise müsse man noch Erfahrungen sammeln bezüglich der möglichen Abwahl von Verantwortlichen. "Diese Personen sollen schließlich ohne Gesichtsverlust weiter im Unternehmen arbeiten können." Und manche Dinge bleiben ohnehin erst mal beim Alten: Über Kündigungen und Gehälter entscheidet nach wie vor ganz klassisch die Führungsriege.

(cd)

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