Optik von Mitarbeitern birgt Konflikte

von Silke Biester
Freitag, 10. Mai 2013
Allzu deutliche Regeln für das Aussehen der Mitarbeiter können zu Auseinadersetzungen führen. Die meisten Handelsunternehmen setzen auf Berufsbekleidung und das persönliche Gespräch.
Über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Wenn Arbeitgeber und Mitarbeiter unterschiedliche Ansichten vertreten, ist es mitunter schwierig, über ein so persönliches Thema eine sachliche Auseinandersetzung zu führen. Schnell schlagen die Wellen höher, als es der Situation angemessen wäre.

Als kürzlich eine Hamburger Zeitung behauptete, das Drogerieunternehmen Budnikowsky würde seinen Mitarbeitern sehr weitreichende Vorschriften machen, wie sie ihr Aussehen zu gestalten haben, sorgte das für reichlich Aufregung – bei Mitarbeitern, Kunden und in den Medien.

Das Thema taugt bestens für Empörungen. Auch wenn es "keine konkrete Grundlage" hatte, wie man bei Budnikowsky versichert. Denn offizielle Bekleidungsempfehlungen sind bei dem Händler bereits 2008 abgeschafft worden.

"Vielfalt empfinden wir als Bereicherung"

Dennoch sei "ein gepflegtes Äußeres für uns und unsere Kunden selbstverständlich", erklärt Julia Wöhlke, die in der Geschäftsführung für Personalthemen verantwortlich ist. "Schließlich verkaufen wir Körperpflegeprodukte und Waschmittel." Es gehe aber keineswegs darum, die Beschäftigten zu gängeln. "Im Gegenteil: Vielfalt empfinden wir als Bereicherung."

Ähnlich reagieren andere Unternehmen auf Anfrage der LZ. "Unsere Mitarbeiter sind die Botschafter des Unternehmens", betont man bei Douglas. Dabei gibt es keine Unterschiede, zwischen Mitarbeitern in der Zentrale oder in einer Filiale.

Auf den Verkaufsflächen sorgt bei vielen Filialisten zudem Berufsbekleidung für ein einheitliches Bild. Im Lebensmittelhandel spielen darüber hinaus die Hygiene-Vorschriften an manchen Arbeitsplätzen eine Rolle. "Daran orientieren sich die Empfehlungen für den professionellen Auftritt", bekundet man bei Edeka-Südwest.

Keine sichtbaren Tatoos und Piercings

Aldi Süd hat Regeln für das Erscheinungsbild der Mitarbeiter in den hauseigenen "Standard-Vereinbarungen" festgelegt. "Wichtig sind uns etwa eine saubere Gesamterscheinung, gepflegte Haare und Nägel sowie keine sichtbaren Piercings oder Tätowierungen", teilt eine Sprecherin mit und verweist zudem auf Sicherheitsvorschriften. In der Verwaltung gelte der "Kleidungsstil Business Casual".

Basisregeln von Anfang an

Basisregeln von Anfang an

Die Grundlage für einen angemessenen Auftritt wird am erfolgreichsten zu Anfang der Zusammenarbeit gelegt. Speziell für Auszubildende im Handel bietet der Spezialist für Aus- und Weiterbildungsmaterialien im Deutschen Fachverlag, Mediadidact, die Broschüre "Take off" mit Regeln zum gepflegten Äußeren und Tipps zum richtigen Umgang mit Kunden und Kollegen. www.mediadidact.de

Wohl wissend, dass es beim Auftritt der Mitarbeiter um die Balance zwischen Arbeitgeberinteresse und dem individuellen Persönlichkeitsrecht geht, werden Fehltritte in der Regel im persönlichen Gespräch mit dem Vorgesetzten besprochen. "Wenn ein Problem auftritt, ist es wichtig, dieses im offenen Dialog und mit dem nötigen Respekt für alle Beteiligten beizulegen", heißt es bei Douglas.

Schriftlich fixierte Richtlinien gibt es auch bei Rossmann nicht. Fingerspitzengefühl ist gefragt: "Im Zweifelsfall entscheidet der jeweilige Vorgesetzte, wie weit die Toleranzgrenzen gehen", berichtet ein Sprecher des Unternehmens. "Das mag in einer Verkaufsstelle in Berlin-Kreuzberg anders aussehen als in einem Markt in Hamburg-Blankenese." (sb)

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