Berufliche Perspektiven in der Modewelt

von Redaktion LZ
Freitag, 11. Juni 2004
LZ|NET. Die Fachzeitschrift "TextilWirtschaft" des Deutschen Fachverlages lud vergangene Woche Studenten, Auszubildende und Berufsanfänger in die Frankfurter Universität. Rund 300 Teilnehmer informierten sich über "die neuen Aufgaben im Modebusiness".



"Ich hab' keine Lust, als Verkäuferin im Laden rum zu stehen und zu warten, bis eine Kundin aus der Umkleidekabine ruft: Ich brauche die Hose in Größe 38! Ich will lieber Einkäuferin werden." "Mein Traumjob ist Designerin."

Ein Pausen-Zwiegespräch zwischen zwei Studentinnen, mit deren Vorstellungen die "TextilWirtschaft" auf ihrer Tagung "TW Young Professionals' Day" aufräumte. Auf dem Podium saßen Geschäftsführer, Manager, Personalvermittler, Verkäufer, Einkäufer, Produktmanager, Vertriebsleute und Designer.

Sie schilderten ihre Erfahrungen und Anforderungen an das Geschäft mit der Mode. Dabei wurde klar: Das Verkäuferleben ist anspruchsvoller und das Leben des Designers weniger glamourös, als die beiden Studentinnen vermuten.

Die Welt der Mode gilt als eine der schönsten, doch die Zeiten sind hart. Die Branche leidet unter einem harten Wettbewerb und einer starken Konzentration.

Rund 40.000 Initiativ-Bewerbungen registriere der Textilfilialist H & M jährlich, so die Personalerin Hanne Strolka-Echols von Hennes & Mauritz. Auf eine ausgeschriebene Führungsposition kämen bis zu 2.000 Bewerbungen.

Gefordert sind unternehmerisches Denken und Handeln. Gefragt sind charismatisch Führungspersönlichkeiten. "Unsere Storemanager müssen jeden Tag kundenorientiert arbeiten", sagt Hanne Strolka-Echols.

Sortiment, Warenpräsentation, Ambiente und Atmosphäre vor Ort müssen die Bedürfnisse der "emotionalen wie der rationalen Kunden" gleichermaßen befriedigen, ergänzt Kaufhof-Vorstand Ralf Pütmann.

Karriere frühzeitig planen

Wer engagiert und produktiv arbeitet, kann gut verdienen. Das Einkommen eines 40-jährigen Geschäftsführers einer mittleren Kaufhof-Filiale, die gute Ergebnisse erziele, liege zwischen 100.000 und 120.000 Euro, verriet Pütmann.

Doch der Weg bis dahin ist nicht einfach. Studenten sollten frühzeitig ihre Karriere planen. Selbst wenn die erste Stelle nicht der Traumjob sei, sollte man fünf Jahre durchhalten, rät Einar Leichsenring, geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Perricon Textil-Jobs.

Die Funktion des Verkäufers dürfe im Handelsgeschäft nicht unterschätzt werden. Es nutze nichts, ein sehr gutes Sortiment zu haben, wenn sich die Erwartungen am POS nicht erfüllen. Händler müssen sich profiliert am Markt darstellen und behaupten.

Frank Laue, Regionalleiter Südwest bei Esprit, sieht sich als Bindeglied zwischen 21 Märkten, die er betreut, und der Zentrale. Anke Arnold, Filial- und Regionalleiterin bei Marc O'Polo, bedauert, dass sie kaum noch Zeit findet, auf der Fläche zu stehen, denn der Kontakt zum Kunden sei unerlässlich.

Einkauf und Verkauf müssen eng gekoppelt sein, findet Katharina Kienle, Abteilungsleiterin/Einkäuferin bei Konen in München. Um diesen Spagat hinzubekommen, versucht sie einige Stunden in der Woche im Verkauf zu arbeiten.

Dass der Einkauf nichts mit exklusiven Showrooms zu tun hat, schilderte Helen Billkrantz, Assistant Category Manager bei Metro Buying Group: "Als ich die ersten Patchwork-Mokkasins, die eher von älteren Herren getragen werden, orderte, glaubte ich 'zu sterben', aber der Geschmack des Kunden hat den absoluten Vorrang."

Wenn beides zusammenfalle, eigener Geschmack und Verkaufserfolg, dann sei das "einfach toll", freut sich Sabine Schilling, Senior Buyer bei Karstadt in Essen, doch schlussendlich zähle die Rentabilität. Sie reist rund vier mal im Jahr nach Fernost und ist alle zwei Monate für eine Woche in der Türkei.

Das Reisen ist es, was Peter Wolff, Einkaufsleiter bei Wormland, an seinem Job reizt. Doch die Gegenden seien gelegentlich unangenehm, räumt er ein.

Reisefreudigkeit und Fremdsprachenkenntnisse sind in der Textilbranche zwingend. So ist Christian Kötterheinrich, Geschäftführer von Bianca Moden, nach seiner Ausbildung zum Handelsfachwirt für ein Jahr nach London aufgebrochen und hat es geschafft, einen Job bei Burberry im Verkauf zu ergattern.

Die Notwendigkeit von Fremdsprachen und Auslandserfahrungen betonte auch Martin Seitz, Geschäftsführer von Mexx Deutschland. Schulenglisch reiche da nicht aus. Das unterstrich auch Konrad Jud von der Unternehmensberatung Neuhaus + Partner. Für eine Karriere in der Textilindustrie reiche nur eine Fremdsprache nicht aus.

Neben den klassischen Berufen entwickeln sich auch neue. Weiter ausgebaut werden müsse die Aufgabe des NOS-(Never-out-of-Stocks)-Managers. Es gehe nicht nur darum, Basisartikel permanent auf Lager zu haben. Auch das Lizenzgeschäft sollte stärker ausgebaut werden, erläuterte Martin Klöters, Geschäftsführer von KM Management.

Ziel ist es, dass Potenzial einer Marke vollständig auszuschöpfen. Im Produktmanagement wird das größte Zukunftspotenzial gesehen. Hier müssen Marken, Designer, Firmenphilosophie und Kommerz unter einen Hut gebracht werden.

"In miserablen Zeiten wie diesen, müssen Sie angreifen", riet Escada-Unternehmensgründer Wolfgang Ley den jungen angehenden Designern. "Machen Sie ungewöhnliche Dinge, die den Verbraucher ansprechen und sich international verkaufen lassen."

Die harte Realität am Anfang ihrer Kariere schilderten vier Designer: kaum Geld, keine Infrastruktur, keine Erfahrungen. Das Einzige, worauf sie bauen konnten, waren ihre Kreativität und Energie.

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