Jeder Vierte ist richtig frustriert

von Redaktion LZ
Freitag, 13. Juli 2012
Engagement deutscher Mitarbeiter
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Engagement deutscher Mitarbeiter
LZnet. Deutsche Arbeitnehmer sind im europäischen Vergleich sehr motiviert, zeigt die aktuelle "Global Workforce Study" von Towers Watson. 22 Prozent jedoch schieben Dienst nach Vorschrift – und ein Viertel der Beschäftigten fällt unter die Rubrik "ungenutztes Potenzial".
Wer in Deutschland einen Job sucht, sehnt sich vor allem nach Sicherheit. Sogar High-Potentials, die leicht eine Stelle finden, nennen dieses Kriterium an erster Stelle. Bei den ebenfalls begehrten Top-Leistungsträgern rangiert es auf dem zweiten Platz.

"Das hat uns angesichts der positiven Stimmung am Arbeitsmarkt überrascht", sagt Studienautor Bernd Süßmuth. Offensichtlich reagieren die Befragten durch die Bank auf den volatileren Konjunkturverlauf der letzten Zeit.

Harte Faktoren geben den Ton an

Insgesamt stehen harte Faktoren bei der aktuellen "Global Workforce Study" des Personalberatungsunternehmens Towers Watson höher im Kurs als bei der Vorgängererhebung 2010. Damals war der Wunsch nach einer herausfordernden Tätigkeit Spitzenreiter.

Heute dagegen folgt auf den Wunsch nach Sicherheit die marktgerechte Vergütung. Bei den für die Bindung der Mitarbeiter verantwortlichen Faktoren steht das Gehalt sogar an erster Stelle.

Einstellung der Mitarbeiter gegenüber dem Top-Management
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"Viele Arbeitgeber jedoch vernachlässigen dies in ihrer Darstellung nach außen", sagt Towers-Watson-Managerin Heike Ballhausen und rät den Unternehmen zu mehr Transparenz mit Blick auf Entgeltstrukturen.

32.000 Mitarbeiter in 28 Ländern hat Towers Watson für die Studie zu ihrem beruflichen Umfeld und ihrer individuellen Einstellung zur Arbeit befragt. In Deutschland sind drei von zehn Beschäftigten "nachhaltig engagiert".

Engagement steigert die Rendite

Darunter versteht das Beratungshaus nicht nur "die grundsätzliche Bereitschaft der Mitarbeiter, für ihre Organisation die Extra-Meile zu gehen". Sie müssten darüber hinaus "die entsprechenden Arbeitsmittel vorfinden, um ihren Job ausführen zu können und ein Arbeitsumfeld, das sie physisch, emotional und sozial unterstützt".

Solche Beschäftigten seien für Arbeitgeber bares Geld wert: Unternehmen mit einem hohen Anteil nachhaltig engagierter Kollegen erzielen "eine dreimal höhere Umsatzrendite".

Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland recht gut ab. In Nordamerika und einigen asiatischen Ländern jedoch werden höhere Engagement-Werte erzielt. Und: Frauen sind insgesamt deutlich engagierter als Männer.

Frauen sind engagierter als Männer

23 Prozent der hiesigen Befragten seien zwar engagiert, würden aber durch ihre Arbeitsumstände ausgebremst. "Das ist so, als wollten Sie ein Loch ausheben, haben aber keine Schaufel", veranschaulicht Süßmuth. Fast ebenso viele machen "Dienst nach Vorschrift". 26 Prozent fallen unter die Kategorie "ungenutztes Potenzial". "Ein Viertel der Mitarbeiter in Deutschland ist total frustriert", formuliert es Ballhausen.

Der Vergleich von besonders erfolgreichen mit durchschnittlich erfolgreichen Unternehmen habe zudem ergeben, dass Top-Management und Vorgesetzte großen Einfluss auf die Motivation haben. So zeigen nur 11 Prozent der Unengagierten Vertrauen in die Führungsriege, aber beinahe drei Viertel der nachhaltig Engagierten. Diese beurteilen auch zum Großteil (75 Prozent) die Arbeit ihres direkten Vorgesetzten positiv; bei den Unengagierten sind es nur 14 Prozent.

Es kommt auf die Führungskräfte an

Gerade Top-Perfomer, also eine Klientel, die jeder Arbeitgeber unbedingt im Unternehmen halten will, legen großen Wert auf Glaubwürdigkeit und Effektivität der Führungsspitze. Bei den Nachwuchskräften indes steht die Möglichkeit, ihre Karriere nach vorn zu treiben, ganz oben auf der Prioritätenliste – sowohl bei der Wahl des Arbeitgebers als auch bei der Entscheidung, ihm treu zu bleiben.

Für alle aber gilt: "Mitarbeiter wollen stolz sein auf ihr Management und sich nicht schämen müssen, weil etwas Negatives über ihren Arbeitgeber in der Zeitung steht."

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