Deutschkurse Müller setzt auf Integration

von Redaktion LZ
Donnerstag, 11. September 2014
Antwort auf den Fachkräftemangel: Der Drogeriefilialist Müller investiert in Sprachkurse. Allein in der Ulmer Logistik arbeiten Mitarbeiter aus 73 Ländern.
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Antwort auf den Fachkräftemangel: Der Drogeriefilialist Müller investiert in Sprachkurse. Allein in der Ulmer Logistik arbeiten Mitarbeiter aus 73 Ländern.
LZnet/Silke Biester. Die Unternehmensgruppe Müller fördert die Integration fremdsprachiger Mitarbeiter. Sprachunterricht soll dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
Der Drogeriemarktfilialist Müller bietet am Standort Ulm Sprachkurse für Mitarbeiter an, die keine oder nur geringe Deutschkenntnisse haben. "Wir verstehen die Integration von Zuwanderern als eine soziale Aufgabe. Die deutsche Sprache hat dabei eine Schlüsselfunktion", erläutert Geschäftsführerin Elke Menold. "Als Unternehmen mit deutschen Wurzeln, das europaweit in sieben Ländern Filialen unterhält, ist es unser Ziel, Sprachbarrieren abzubauen, um die Zusammenarbeit am Arbeitsplatz zu fördern."

Mit der Investition in das neue Schulungsangebot reagiert Müller auch auf den Stopp der finanziellen Unterstützung für Sprachkurse vonseiten des Bundesarbeitsministeriums im Frühjahr 2014. In Anbetracht des Fachkräftemangels, der hierzulande im Handel, insbesondere in der Logistik bereits spürbar ist, wird es für die Branche immer wichtiger, gewonnene Mitarbeiter auch zu binden.

Dabei geht es nicht ausschließlich um die langfristige Beziehung zum Unternehmen, ist man sich bei Müller bewusst, sondern darüber hinaus müssen die Menschen sich in der neuen Heimat wohlfühlen. Wer aber die Sprache nicht beherrscht, laufe Gefahr, hierzulande zu vereinsamen und in sein Herkunftsland zurückzukehren.

Sprachkenntnisse sind auch ein Wohlfühlfaktor

Noch gelingt es dem Unternehmen, offene Stellen zu besetzen. Die Beschäftigung nicht-deutscher und auch nicht-deutschsprachiger Menschen spielt dabei eine wachsende Rolle. Allein in der Ulmer Logistik arbeiten 1.605 Mitarbeiter aus Deutschland mit 973 Angestellten mit Migrationshintergrund aus 73 verschiedenen Ländern zusammen. Bei Bedarf unterstützt der Drogeriemarktbetreiber neu beschäftigte Zuwanderer auch bei der Wohnungssuche oder ähnlichen Problemen.

Die ersten Kurse sind bereits angelaufen. Die Kosten trägt das Unternehmen. Der Unterricht wird von Dozenten der ortsansässigen Volkshochschule durchgeführt und findet auf dem Betriebsgelände statt, um die Hemmschwelle, daran teilzunehmen, und die Fahrzeiten gering zu halten. Er kann von den Mitarbeitern in Abstimmung mit der Arbeitszeit wahrgenommen werden und dauert etliche Wochen bis Monate.

Da die Teilnahme nicht verpflichtend ist, sondern auf freiwilliger Basis stattfindet, gibt es keine genaue Planung, wieviele Mitarbeiter das Angebot nutzen. Fest steht für die Ulmer: Niemand soll das Unternehmen aufgrund von Sprachproblemen verlassen.

Die Teilnahme ist freiwillig

Müller sieht die Fähigkeit zum Informationsaustausch als Basis für das Zugehörigkeitsgefühl. Diese Denke spiegelt sich auch in der internen Unternehmenskommunikation. So wird beispielsweise das 32-Seiten starke Mitarbeitermagazin "Wir" seit dem Relaunch vor einigen Monaten in sechs weitere Sprachen übersetzt: Kroatisch, Slowenisch, Ungarisch, Spanisch, Französisch und Italienisch.

Dass Kommunikationsfähigkeit eine zentrale Voraussetzung für die Integration ausländischer Mitarbeiter ist, haben auch andere Händler erkannt. Beispielsweise arbeitet die Rewe Group mit den Carl Duisberg Centren zusammen, um in den Logistikzentren gezielt die Deutschkenntnisse der Mitarbeiter unterschiedlichster Nationalität zu fördern. Und auch die Initiative einiger Edeka-Regionen sowie von Lidl, Jugendliche aus Spanien und Portugal in Deutschland auszubilden, beginnen mit einem mehrmonatigen Sprachtraining.

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