Otto-Personalchefin Sabine Josch im Gespräch "Mut zu neuen Arbeitsweisen"

von Redaktion LZ
Donnerstag, 23. Juli 2015
Plante die Kampagne: Sabine Josch, Otto Personaldirektorin
Otto
Plante die Kampagne: Sabine Josch, Otto Personaldirektorin
LZnet/Christiane Düthmann. Otto powert in Sachen Arbeitgeberimage. Mit "Rot4" macht das Unternehmen seit diesem Monat in Print und online auf sich aufmerksam, vor allem, um IT-Fachkräfte anzulocken (lz 29-15). Rund 300 Stellen sollen allein 2015 neu besetzt werden. Konzept und Hintergründe erläutert Otto-Personaldirektorin Sabine Josch, die mit ihrem Team Internetauftritt und Kampagne erarbeitete.
Frau Josch, die neue Arbeitgeberkampagne "Rot4" soll anders sein als andere. Otto als Absender hält sich zurück. Nehmen Sie in Kauf, Bewerber zu verwirren?

Es ist Absicht, ein bisschen Verwirrung zu stiften. Wir wollen neugierig machen und Aufmerksamkeit erregen. Zunächst war nur Rot4 online, inzwischen zeigt sich Otto als Absender. In einer dritten Phase ab August gibt es dann den finalen Auftritt inklusive konkreter Stellenausschreibungen. Das wird dann die Mystik lüften.





 

Wen wollen Sie ansprechen?

Wir suchen top ausgebildete Fachkräfte, um die Digitalisierung von Otto weiter zu beschleunigen. Deshalb zeigen wir auf der neuen Site echte Mitarbeiter, und die Recruiter werden mit Foto und Telefonnummer als Ansprechpartner hinterlegt. Wir sind über alle digitalen Kanäle erreichbar und wollen es dem Bewerber so einfach wie möglich machen. Rot4 soll damit auch zeigen, dass Otto über 360 Grad kommuniziert, ehrlich und authentisch ist.

Wie kommunizieren Sie das Ganze nach innen?

Wir haben die Mitarbeiter natürlich mitgenommen. Es wurde sehr umfangreich und gründlich über Kampagnenmotive und Hintergründe informiert, im Intranet und in unserem Format "Lunch & Learn" in der Mittagspause, zu dem alle Beschäftigten eingeladen waren. Die Resonanz war riesig.



In welchem Zusammenhang steht die Kampagne mit dem neuen Führungsleitbild, das sich Otto gegeben hat?

Beides ist miteinander verzahnt und steht unter dem Leitmotiv "Veränderung von Arbeitswelten". Wenn sich Jobprofile verändern, braucht man neue, anders denkende Kollegen. Das versuchen wir in der Tat mit der Kampagne Rot4 abzudecken. Zugleich wollen wir uns mit unserer strategischen Initiative "Führung und Zusammenarbeit" so modern und zeitgemäß aufstellen, dass wir auch für nachwachsende Generationen attraktiv sind. Das erfordert den Mut, uns an neue Arbeitsweisen heranzutrauen.

Die Zukunft des E-Commerce gestalten: Otto will sowohl Einsteiger als auch Professionals mit seinem neuen Arbeitgeberauftritt ansprechen.
LZ-Screenshot
Können Sie das konkretisieren?


Agiles Arbeiten beispielsweise ist für IT-Experten selbstverständlich, um große Projekte erfolgreich umzusetzen. So etwas braucht auch einen Rahmen in der Organisation. Den haben wir über unser neues Führungsverständnis hergestellt. Das heißt, wir schaffen in der Führung den Freiraum für flexibles und agiles Arbeiten. Das bedeutet an manchen Stellen ein Loslassen von Hierarchie.



Welche neuen Kompetenz- und Rollenmodelle gibt es?

Unser neues Führungsverständnis wird in sieben Rollen aggregiert, die wir bereits ausdefiniert haben. Da gibt es zum Beispiel die Führungskraft als Talent-Manager oder Komplexitätsmanager oder als Vorbild. Diese Rollen sind auch in die Gestaltung unserer Leadership-Programme und die Kompetenzprofile für die Besetzung von Führungspositionen eingeflossen.



Hierarchie oder Netzwerkstruktur: Wie soll Arbeiten bei Otto zukünftig funktionieren?

Wir wollen beides intelligent miteinander verweben. Je nach Kontext ist eher hierarchisches oder eher vernetztes Führungsverhalten angebracht. Das flexibel auszutarieren, wird der Kunstgriff der Zukunft sein.



Welche Zielmarken für weibliche Teilhabe an Führung setzt sich Otto?

Auf der ersten und zweiten Führungsebene haben wir mehr als 20 Prozent Frauen. Wir sind also ein gutes Stück vorangekommen, aber sicher noch nicht am Ende. Ich betrachte es als personalpolitische Aufgabe der Zukunft, gerade in traditionell männlich dominierten Aufgabengebieten wie dem E-Commerce den Anteil von Frauen zu erhöhen.



Was tun Sie dafür?

Wir haben interne Programme auf die Beine gestellt. Eines ist "Boost your Career", eine konzernübergreifende Veranstaltungsreihe für junge ambitionierte Kolleginnen. Sie besteht aus mehreren Modulen und unterstützt das Networking. Zudem stärken wir die Sichtbarkeit von Mitarbeiterinnen mit diversen Initiativen und stellen ihnen Mentoren an die Seite. Last but not least haben wir seit dem 1. Juni mit meiner Chefin Katy Roewer einen neuen weiblichen Bereichsvorstand.



Sie sprechen sich für ein "Generationenmanagement" aus, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. Welche Instrumente probieren Sie aus?

Es gibt zum Beispiel das Programm "Junge Leute treffen alte Hasen" – ein Generations-Speed-Dating, das Jung und Alt zusammenbringt. Die Idee ist, dass jeder vom anderen profitiert. Die Jungen erfahren, wie Otto tickt und welche Kniffe es in puncto Karriere gibt. Die älteren Mitarbeiter eignen sich Know-how über neue Technologien an. So können sich die Generationen gegenseitig befruchten. Und natürlich versuchen wir, möglichst heterogene Teams zusammenzustellen.

Neue Wege in den Job Otto hat seine Karriereseiten überarbeitet und will den Bewerbern die Kontaktaufnahme so einfach wie möglich machen. Die Benutzerführung wurde überarbeitet. Jobs können jetzt favorisiert werden. Die mobile Site hat mehr Inhalte. Eine mobile Bewerbung ist direkt aus dem Xing-Profil des Bewerbers möglich. Um die Kontaktaufnahme zu erleichtern, wird der Ansprechpartner im Recruiting mit Namen, Foto und Kontaktdaten gezeigt. Eine Infografik zeigt den aktuellen Stand der Onlinebewerbung – vergleichbar der Sendungsverfolgung bei Paketen.



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