Suche nach der Fachkraft Chef

von Silke Biester
Freitag, 18. November 2011
Hemmnisse bei der Übergabe
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Hemmnisse bei der Übergabe
Die "Kampagne für Weitermacher" hilft bei der Übergabeplanung. Beim Jahreskongress der Initiative wurden erste Erkenntnisse einer begleitenden Studie vorgestellt.
Ein Drittel der Einzelhändler in Hessen hat sich noch keine Gedanken über einen Nachfolger gemacht. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die der Handelsverband Mitte gemeinsam mit der Unternehmensberatung Hessen für Handel und Dienstleistung (UHD) und dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) durchgeführt hat.

Sie ist eingebunden in die "Kampagne für Weitermacher", die kleine und mittlere Betriebe für das Thema sensibilisiert. Der Projektleiter, Elmar Wendland, berichtet, dass sich viele Inhaber aus zeitlichen Gründen erst dann mit der Notwendigkeit auseinandersetzen, "wenn es bereits brennt".

Die aktuelle Umfrage bei rund 600 hessischen Händlern ergab, dass 54 Prozent sich über eine Nachfolgeregelung zumindest Gedanken machen. Aber nur bei 13 Prozent ist eine geregelte Übergabe vorbereitet. Weitere 22 Prozent haben jemanden in Aussicht, der das Geschäft übernehmen möchte. "Es ist schockierend", sagt der Wissenschaftler Nils Beckmann vom IWAK, "dass selbst bei zeitnah geplantem Inhaberwechsel zumeist kein konkreter Zeitplan vorliegt."

In einer aktuellen Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) heißt es, die "Fachkraft Chef wird zum Engpass beim Generationswechsel". Sie zeigt, dass auch die potenziellen Nachfolger Probleme mitbringen: Angefangen bei fehlender Qualifikation über eine falsche Einschätzung der Anforderungen der Unternehmensübergabe bis hin zur Finanzierung.

Preisvorstellungen schrecken ab

Abschreckend wirke oft die Preisvorstellung der Senioren. "Wirtschaft und Politik müssen die Selbstständigkeit als berufliche Alternative zur Anstellung ins Bewusstsein junger Leute bringen", mahnt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Das Thema muss in Lehrplänen verankert werden, bürokratische Hürden gilt es abzubauen."

Probleme der Nachfolger
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Seit Beginn der "Kampagne für Weitermacher" vor einem Jahr hat die UHD rund 60 Betriebe bei der Suche nach einem neuen Chef unterstützt. Dazu gehört die Beratung, wie die Übergabe rechtlich und finanziell abgewickelnt wird. "Die Situation im Unternehmen ist individuell sehr unterschiedlich", berichtet Wendland. Während bei einem innerfamiliären Wechsel emotionale Konflikte auftauchen, geht es in anderen Fällen darum, interessierte Kandidaten zu finden oder den Betrieb zu bewerten.

Notfallkoffer mit wichtigen Daten

Wendland betont, dass Nachfolgeregelungen nicht nur aus Altersgründen dringend notwendig sind: "In jedem Betrieb sollte ein Notfallkoffer gepackt sein." Eine klare Stellvertreterregelung, Konten-Vollmachten und eine Liste mit den Kontaktdaten der wichtigsten Geschäftspartner sind ein Minimum. "Auch florierende, noch junge Unternehmen können andernfalls etwa durch einen Unfall des Chefs in Existenznot geraten." (sb)

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