Grüne Ziele allein genügen nicht

von Redaktion LZ
Freitag, 22. Oktober 2010
Energetisch sauber: Viele Handelsunternehmen haben wie die Edeka Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt und grüne Pilotmärkte gebaut.
S&F
Energetisch sauber: Viele Handelsunternehmen haben wie die Edeka Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt und grüne Pilotmärkte gebaut.
LZnet. Deutsche Unternehmen haben die Bedeutung von nachhaltigem Wirtschaften erkannt. Doch die Umsetzung steckt noch in den Kinderschuhen.
Kürzlich präsentierte Aldi seinen klimaneutralen Pilotstore in Rastatt. Zahlreiche Details tragen zum radikalen Energiesparen bei. Edeka und Rewe haben ebenfalls grüne Vorzeigeprojekte eröffnet. Kaum ein Vorstand lässt das Thema aus, wenn er sich öffentlich äußert: Nachhaltigkeit ist zur Chefsache geworden.

Doch von einer durchgängigen Verankerung dieser Leitidee in den Unternehmen sind die meisten noch weit entfernt, wie die Kienbaum-Studie "Chancen und Herausforderungen der nachhaltigen Unternehmensführung" zeigt.
 

Umfrage bei den Top-50-Playern

"Das Nachhaltigkeitsmanagement ist bei einem Großteil der Firmen noch in der Findungsphase", sagt Alexander von Preen, Geschäftsführer bei Kienbaum. Das Beratungsteam hat eine Umfrage unter den Top-50-Unternehmen in Deutschland gemacht, an der sich rund die Hälfte beteiligten.

Nachhaltiges Studium

Nachhaltiges Studium

In der Ausbildung von Nachwuchsmanagern ist das Thema ebenfalls angekommen. Zumindest in den USA. Innerhalb weniger Jahre sind dort zahlreiche Green-MBA-Studiengänge entstanden. Das renommierte Aspen-Institut hat ein Ranking erstellt und die Schulich School of Business an der York University in Toronto an die Spitze gesetzt. Als bestes europäisches Institut wird die Rotterdam School of Management genannt, gefolgt von der IE Business School in Madrid. Eine deutsche Institution taucht in diesem Ranking nicht auf. Dabei hat man sich auch im Lüneburg Center for Sustainability Management dem Thema verschrieben. In einem MBA-Studiengang werden alle Lehrinhalte um ökologische und ethische Fragestellungen ergänzt. Quelle: Aspen/FAZ


Demnach klafft bei vielen Big Playern eine beträchtliche Lücke zwischen selbstdefiniertem Anspruch und den aktuellen organisatorischen Strukturen. Mittelfristig sei das insbesondere nach außen eine erhebliche Gefahr für die Glaubwürdigkeit und damit auch ein wirtschaftliches Risiko, mahnt die Kienbaum-Studie.

In der Regel ist das Thema Chefsache: Nahezu alle (94 Prozent) Organisationseinheiten, die sich damit beschäftigen, berichten an einen Vorstand. 82 Prozent der Gremien, die mit der strategischen Entwicklung sowie der Koordination des Nachhaltigkeitsmanagements im Gesamtunternehmen beauftragt sind, werden zudem von einem Vorstand geleitet.

Und in mehr als 60 Prozent der Unternehmen vertritt der Vorstandsvorsitzende diesen Bereich auch nach außen. Jedoch ist die Organisationseinheit Nachhaltigkeit nur in 41 Prozent der befragten Firmen dem Vorstand direkt disziplinarisch zugeordnet. Das kann diesen zwar entlasten, wird der Bedeutung des Themas aber nicht gerecht.
 

Kommunikation birgt Gefahr von Greenwashing

Die Verankerung in der Konzernkommunikation – das ist in gut einem Drittel der Unternehmen der Fall – birgt zudem die Gefahr des so genannten Greenwashing. Dabei dient Nachhaltigkeit überwiegend als Kommunikationsstrategie nach außen und schlägt sich nicht im Handeln nieder.

Die Organisationseinheit Nachhaltigkeitsmanagement wiederum dem Umweltressort zuzuordnen, was derzeit knapp ein Viertel der Unternehmen tut, verhindert Chancen bezüglich der Öffnung hin zu den Themenfeldern Soziales und Ökonomie.

Zwar sind die Ziele in mehr als der Hälfte der Betriebe expliziter Bestandteil der Konzernstrategie, jedoch nur in elf Prozent der Fälle auch des Steuerungs- und Anreizsystems. Bei acht Prozent der Befragten wird Nachhaltigkeit lediglich im Leitbild, in 27 Prozent gar nicht explizit in den Unternehmenszielen genannt.

Fast alle Unternehmen bemühen sich um Transparenz. Operative Ziele und Maßnahmen jedoch kommunizieren nur 46 Prozent der Befragten auch nach außen. Rund 15 Prozent informieren die Öffentlichkeit überhaupt nicht über ihre Ziele.

Dabei würde das die Glaubwürdigkeit erheblich steigern. "So können sie der Öffentlichkeit glaubhaft machen, dass ihre grüne Strategie mehr ist als ein Mode-Thema", sagt der Kienbaum-Geschäftsführer. "Um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, bedarf es in Zukunft deshalb vermehrter Anstrengungen", schlußfolgert er, damit der Transfer in operative Prozesse und Projekte sichergestellt ist.

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