Nachhaltigkeit in der Personalarbeit

von Judit Hillemeyer
Freitag, 28. November 2008
Klimawandel und Finanzkrise haben spürbare Konsequenzen auf Wirtschaftssysteme. Ihr folgen Instabilität und Unproduktivität. Ein Panorama der Nachhaltigkeit im Handel zeichneten Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Forum Europrofession.



Wenn ökologische und ökonomische Systeme kippen, geraten Sozialstrukturen aus den Fugen. Der Druck in der Arbeitswelt steigt. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft wird 2009 jedes dritte Unternehmen Stellen abbauen.

Die Folge ist eine sinkende Arbeitsproduktivität, erläutert Christian Scholz, Professor an der Universität des Saarlandes. Die Krisenbewältigung liege nicht nur in der Verantwortung von Staat und Gesellschaft, sondern auch bei jedem einzelnen.

Laut "Arbeitsmonitor 07" kommen lediglich 35 Prozent der Deutschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Unter dieser Prämisse, sollten die Personalabteilungen, im Sinne einer ökologischen Nachhaltigkeit, in den Wirtschaftsunternehmen den CO{-2}-Ausstoß ihrer Arbeitnehmer bilanzieren, so Scholz. Und wenn Sozialsysteme drohen zu brechen, müsse aus ökonomischer Perspektive ein öffentlicher Diskurs über Gehältergerechtigkeit in Deutschland geführt werden, fordert Scholz.

Die Weltbevölkerung wächst

Alles steht zur Disposition. "Unser bisheriger westliche Lebensstil gilt in der ganzen Welt als erstrebenswert, aber er reicht vielleicht für maximal 700 bis 800 Millionen Menschen auf der Erde", erläutert Klaus Wiegandt. Er war Vorstandsprecher des Metro-Konzerns und beschäftigt sich heute seit seinem Ausscheiden 1998 mit seiner Stiftung "Forum für Verantwortung".

2050 wächst die Weltbevölkerung auf 9 Milliarden Menschen an - vor allem in den Ballungsgebieten der Entwicklungsländer." Der steigende Verbrauch von Rohstoffen wird die natürlichen Ressourcen erheblich belasten.

Insbesondere der Handel hätte mit einer massiven Verteuerung von Rohmaterialien zu rechnen, was die Märkte belastet. "Die Folge ist eine erhebliche Verschärfung des Wettbewerbs", sagte Bernd Meyer, Professor an der Universität Osnabrück.

Aus betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit gelte es, Wachstum und Ressourcenverbrauch zu entkoppeln, so Meyer. Das erfordere eine Korrektur der Güterpreise. Auch Wiegandt plädierte für mehr Qualität und eine längere Lebensdauer von Konsumgütern. Dabei räumte er ein, einst als Metro-Chef eine entgegengesetzte Praxis ausgeübt zu haben, und erinnerte an den Glykolwein aus Österreich.

Preiswettbewerb und Qualität

Qualität hat seinen Preis. Ein Forumsteilnehmer aus dem Baumarkthandel warf ein, sein Arbeitgeber verkaufe Natursteine aus China und Indien für 1,50 Euro das Stück. Das nicht nachwachsende Naturprodukt müsste eigentlich 16 Euro kosten. "Doch bei diesem Preisniveau sind wir nicht wettbewerbsfähig", sagte er.

Für ein internationales "Global Monitoring", einem Netzwerk zur Erfassung und Auswertung von Umweltdaten, warb Bernd Hallier, Geschäftsführer des EHI Retail Institute. Auf der operativen Ebene wurde 2008 ein Flow-Chart entwickelt, in dem sämtliche veröffentlichte Aktivitäten und Projekte des Handels zum Thema "Nachhaltigkeit" dokumentiert werden.

Das erlaube eine durchgehende Sichtweise entlang der Supply Chain und verhindere Insellösungen, so Hallier. Das Qualitätsmanagement für Lebensmittel Global GAP, stellte Sibyl Anwander Phan-Huy von der Schweizer Coop vor.

Alle Referenten forderten einen Paradigmenwechsel vom Umweltschutz zu einer Nachhaltigkeitsstrategie. Das bedarf einer Bildungsoffensive, die technische Innovationen und Alternativen erst ermöglicht (juh)

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