Demographie in Deutschland

von Redaktion LZ
Freitag, 22. Dezember 2006
LZ|NET. Die Diskussion um die demographische Entwicklung Deutschlands und Europas bewegt die Gemüter der Personaletagen vieler Unternehmen. Die Altersstruktur verschiebt sich. Doch nicht nur in der Zukunft, sondern schon heute hat die Konsumgüterbranche Nachwuchssorgen.



Die Demoskopie malt ein düsteres Bild. Für das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag der Frankfurter Deka-Bank eine Verschiebung in den Altersstrukturen bis zum Jahr 2050 berechnet.

Demnach steigt zwar der Anteil der 45- bis 59-Jährigen am Erwerbspotenzial von derzeit 33 Prozent bis 2050 auf zirka 37 Prozent. Gleichzeitig bricht aber die Proportion der 30- bis 44-Jährigen um 5 Prozentpunkte auf knapp 36 Prozent ein. Auch der Anteil junger Arbeitnehmer bis 29 Jahre sinkt laut der Analyse um 1,7 Prozentpunkte von 21,2 auf 19,5 Prozent.

Prognostiziert wird in der Deka-Studie, die im November veröffentlicht wurde, dass die Betriebe immer weniger geeignete Auszubildende und Fachkräfte finden und daher verstärkt auf ältere Beschäftigte angewiesen sein werden. In der EU ist hier die Altergruppe der 55 bis 64-Jährigen gemeint.

Der Mangel an qualifizierten Arbeitnehmern wird regional sehr unterschiedlich sein. So hat Baden Württemberg im Jahr 2050 mit einem Minus von 9 Prozent den geringsten und Sachsen-Anhalt mit -24,4 Prozent den stärksten Bevölkerungsschwund zu verzeichnen. Insgesamt ist bis 2050 die Zahl der potenziellen Erwerbespersonen von rund 39 Millionen auf 28 Millionen gesunken.

Personelles Defizit wird sukzessive spürbar

Es handelt sich hier nicht um eine Hauruck-Bewegung. Das personelle Defizit wird sukzessive spürbar. Das IZA (Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit, Bonn) hat berechnet, dass der Rückgang des Angebotes an Fach- und Führungskräften bereits 2015 wahrnehmbar sein wird.

Die erste größere Lücke tue sich 2025 mit fehlenden 350.000 Menschen auf. Weitere 25 Jahre später fehlen insgesamt eine Million Personen fehlen.

Vor allem, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der 50er- und 60er-Jahre aus dem aktiven Berufsleben ausscheiden, müsse mit einem erheblichen Fachkräftemangel gerechnet werden - insbesondere auf dem Akademikermarkt.

Bereits heute leiden bestimmte Berufszweige in der Konsumgüterbranche an Fachkräftemangel. Dazu gehören der Einzelhandel ebenso wie das Lebensmittelhandwerk.

Trotz des immer noch akuten Lehrstellenmangels können Ausbildungsplätze nicht belegt werden, insbesondere in der Fleisch- und Milchindustrie. Begründet wird das mit ungenügender Qualität der Beweber. Handels- und Handwerksberufe sind zweite Wahl.

Ursache ist das angeschlagene Image der Konsumgüterbranche. Das bestätigt eine empirische Untersuchung der European Business School (ebs). Lediglich Aldi wird demnach im Vergleich mit anderen Branchen wie Automobil, Banken und Dienstleistung in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen.

Eigeninitiative ist gefragt. Mit Personalmarketing will die Handelsbranche Akademiker wie Schulabgänger für sich gewinnen. Geworben wird dafür in TV-Spots, auf verschiedenen Messen, in Schulen und eigenen Veranstaltungen. Image ist entscheidend#/ZT# Das Image ist ein entscheidender Faktor bei der Personalrekrutierung. Vor diesem Hintergrund wurde im August dieses Jahres in Berlin die Deutsche Employer Branding Akademie ins Leben gerufen.

Die Einrichtung will Unternehmen aller Branchen auf dem Weg zur "Arbeitgebermarke" beraten und qualifizieren. Ein professionelles Employer Branding positioniert ein Unternehmen als Arbeitgeber erster Wahl.

Hinter dem angelsächsischen Begriff verbirgt sich ein ganzheitlicher Ansatz. Ziel ist es, Unternehmen wie ein Markenprodukt in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern.

Um die Wirkungsdimension des Employer Branding in vollem Umfang nutzbar zu machen, sollten Unternehmensmarke und Personalmanagement eine Symbiose eingehen. Ein enges Zusammenspiel sorgt für eine optimale und nachhaltige Erschließung aller Effekte.

Der deutsche Einzelhandel hat als Arbeitgebermarke noch Nachholbedarf. Wunscharbeitgeber viele Wirtschaftsstudenten sind immer noch BMW und Porsche, ermittelte das schwedische Marktforschungsinstitut Universum.

Einen öffentlichkeitswirksamen Knüller im Personalmarketing landete im Oktober Aldi-Süd. An der Würzburger Fachhochschule gibt es seit Oktober einen gleichnamigen Hörsaal. Zuvor trug er den schnörkellosen Namen "Z02". Der Discounter hat die Namensrechte für den Hörsaal gekauft und heißt von nun an offiziell "Aldi-Süd-Hörsaal".

Mit den Sponsorengeldern soll der renovierungsbedürftige Hörsaal, der vor allem von Studenten wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge benutzt wird, instand gesetzt werden.

Das bayrische Wirtschaftsministerium sieht angesichts leerer Kassen keine "grundsätzlichen rechtlichen Bedenken". Aldi-Süd beteuert, keinen Einfluss auf die Lehre nehmen zu wollen. Viele Unternehmen unterstützen Universitäten finanziell. Nur nicht jeder Mäzen macht dabei so viel von sich reden.

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