Nachwuchs für den E-Commerce Start-up-Uni für digitale Talente

von Silke Biester
Donnerstag, 07. Dezember 2017
Gründer in Serie: Thomas Bachem kennt die Herausforderungen der Wirtschaft.
Code University
Gründer in Serie: Thomas Bachem kennt die Herausforderungen der Wirtschaft.
Die private Hochschule Code University will die digitalen Pioniere von morgen ausbilden. Das ungewöhnliche Konzept setzt statt auf theoretisches Wissen, verstärkt auf projektbezogene Praxis. Code kooperiert mit Zalando, Facebook, Trivago und Xing. Neu im Partnernetzwerk: Metro.

Thomas Bachem ist einer der erfolgreichen Autodidakten der New Economy. Schon als Kind baute der heutige Millionär Webseiten, dann gründete er Sevenload – das deutsche Youtube im Online-Boom. Es folgten weitere Firmen. Und jetzt eine Universität: die Code University of Applied Science. Warum? "Ich habe die Hochschule gegründet, an der ich selbst gerne studiert hätte", sagt Bachem im LZ-Gespräch. "Es gibt in der bestehenden Hochschullandschaft nichts Vergleichbares."

Die drei Studiengänge "Software Engineering", "Interaction Design" und "Product Management" sollen nicht nur junge Menschen für die digitale Zukunft qualifizieren. Bachem betont, wie sehr ihm die Praxis am Herzen liegt. Statt auf theoretisches Wissen setzt er auf Erfahrungslernen. Die Studenten arbeiten an real existierenden Projekten. Die Aufgabenstellung wird kooperativ mit den Partnerunternehmen entwickelt. "Das kann eine App oder Website sein, die ein spezifisches Kundenbedürfnis ins Visier nimmt."

Die Theorie fließe in dem Maße ein, wie sie zur Problemlösung notwendig ist. Und die Ergebnisse finden den Weg wieder in die Unternehmen zurück. "Die Erfahrung im Projekt und der Kontakt zur Wirtschaft motivieren nicht nur", sagt der Uni-Kanzler, "sondern fördern die Kreativität, das kritische Denken und die Kommunikationsfähigkeit." Die Studierenden bewerben sich proaktiv auf einzelne Projekte. Dies stelle die Motivation sicher, sich das Wissen anzueignen.

Bachem will das Vorurteil ausräumen, IT-Talente seien einsame Nerds. An der Code, die er bewusst als Präsenz-Uni konzipiert hat, würden sie Teil einer Community. Persönlicher Austausch, Diskussion im Projekt-Team, mit den Professoren und der Umgang mit Unternehmen seien wesentliches Element des Studiums. Neben fachlichen Kompetenzen stünden Persönlichkeitsentwicklung und Reflexionsfähigkeit im Vordergrund.

Es mangelt der staatlich anerkannten Fachhochschule nicht an Bewerbern: Aus rund 2 000 Interessierten hat das Code-Team sich 88 Kandidaten für den ersten Jahrgang ausgewählt, der erst vor wenigen Wochen gestartet ist. Im nächsten und im darauf folgenden Herbst sollen je 150 Bachelor-Studenten hinzu kommen. 24 Internet-Unternehmer wie Benjamin Otto, die Gründer von Check24 und der Online-Pionier Stephan Schambach haben in Code investiert.

"E-Commerce ist Deutschlands erfolgreichster Start-up-Bereich", begründet Bachem die Nähe zur Branche. Zalando, Facebook, Trivago und Xing heißen die ersten Partner. Neu dabei ist die Metro AG. Chief Information Officer Timo Salzsieder hofft durch die Kooperation, IT-Nachwuchs für E-Commerce und sonstige IT-Projekte gewinnen zu können (siehe Interview). "Das Konzept unterscheidet sich signifikant von anderen IT-Studiengängen", lobt er. "Es trifft genau die Themen, die wir bei Metro suc hen."

Timo Salzsieder: Chief Information Officer, Metro.
Sabine Grothues/Metro

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Bachem hat sich sein IT-Knowhow selbst beigebracht. Als junger Erwachsener wollte er dann studieren und entschied sich für BWL, weil er glaubte, bei einem Informatikstudium könne er kaum etwas dazulernen. Zudem empfindet er die Softwareentwicklung als ausgesprochen kreativen Akt, der Kompetenzen weit ab der Mathematik zugrunde legt. Auch als Arbeitgeber habe er aber festgestellt, dass Fähigkeiten, die das Unternehmen sucht, im Informatikstudium nicht vermittelt werden.

Das will er mit der Start-up-Uni ändern. Die Zusammenarbeit mit Partnern soll helfen, am Puls der Zeit zu lehren und den Studenten ein realistisches Abbild der Wirtschaft zu bieten. "Metro hat erfolgreiche Schritte in Richtung Digitalisierung gemacht", erläutert er. "Die Projekte spiegeln, woran im Unternehmen gearbeitet wird." Allerdings sei der Mangel an Entwicklern eine Engstelle auf dem Weg in die Zukunft. "Wir müssen in Deutschland etwas tun, um den digitalen Anschluss nicht zu verpassen", sagt er entschieden. Die Code Universitiy könne jedoch nur die Speerspitze der Bewegung sein.

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