Nettos geringfügig Beschäftigte im Fokus

von Jan Mende
Freitag, 01. April 2011
Vor einem Jahr hat Netto Markendiscount die Tarifbindung für seine Mitarbeiter anerkannt. Trotzdem gibt es immer wieder Konflikte mit der Gewerkschaft Verdi. Das Management geht deshalb auf die Arbeitnehmer zu. Die Löhne für geringfügig Beschäftigte werden auf 7,50 Euro erhöht.
Bei Verdi in Berlin heißt es, dass sich die Situation generell deutlich verbessert habe. Das gelte jedenfalls für die Voll- und Teilzeitbeschäftigten. Netto halte sich in der Regel an die Vereinbarungen und reagiere im Konfliktfall auch auf Kritik der Arbeitnehmer. Das Unternehmen signalisiere Gesprächsbereitschaft und wolle offene Konflikte möglichst vermeiden. Trotzdem gebe es noch Fälle, in denen Mitarbeiter nicht nach Tarif bezahlt würden.

Der Fokus der Arbeitnehmervertreter hat sich verlagert auf den Einsatz und die Bezahlung der geringfügig Beschäftigten, die bei Netto einen hohen Anteil an der Belegschaft in den Filialen ausmachen. Und auch hier scheint die Netto-Führung auf Betreiben von Edeka-Vorstandschef Markus Mosa auf die Arbeitnehmervertreter zuzugehen.

Netto geht auf Verdi zu

Von 1. April an wird es eine für die Arbeitnehmer vorteilhaftere Regelung als bisher geben, verlautet aus unternehmensnahen Kreisen. Demnach seien 7,50 Euro nun die unterste Lohngrenze, weitere Leistungen kämen hinzu.

Bis dato zahlte Netto einem Teil seiner geringfügig Beschäftigten nach LZ-Recherchen 5,50 Euro pro Stunde zuzüglich zweier Zulagen von je 50 Cent pro Stunde. Die beiden Zulagen schlossen alle weiteren Ansprüche wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld ein.

Ein Gerichtsurteil über die Löhne des Textildiscounters Kik hat die Netto-Führung offenbar weiter für das Thema sensibilisiert. Auf keinen Fall will man sich dem Vorwurf aussetzen, man zahle "sittenwidrige Löhne". Die Verbesserung auf 7,50 Euro wird vor allem in Regionen zum Tragen kommen, in denen ein niedriges Lohnniveau herrscht. In den Ballungsräumen zahlt Netto nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen ohnehin höhere Stundenlöhne, weil es die Situation am Arbeitsmarkt erforderte.

Mit dem Aufbau eines eigenen Netto-Teams und der Äußerung in diversen Medien hat die Gewerkschaft Verdi im vergangenen Jahr immer wieder Druck auf den Discounter aufgebaut. Die ganz große Medienattacke, wie etwa gegen Lidl, haben die Arbeitnehmer Netto bislang erspart.

Knapp kalkulierte Stundenvorgaben

Die Edeka-Tochter steht immer noch vor der schwierigen Aufgabe, bei im Discount-Vergleich geringen Filialumsätzen die Personalkosten im Griff zu behalten. Und da wird nach wie vor mit sehr knapp kalkulierten Stundenvorgaben gearbeitet. Eine Entwicklung, die vor allem die Filialleiter belastet, die nach Recherchen dieser Zeitung für eine Zulage zwischen 150 und 300 Euro viele Überstunden leisten.

Zumindest auf der Umsatzseite dürfte das vergangene Geschäftsjahr den Druck etwas gemindert haben. Denn Netto hat nach LZ-Informationen ein Umsatzplus von rund 4 Prozent erzielt. (men)

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