Interview "Nicht nur durch die Brille des eigenen Unternehmen gucken"

von Christiane Düthmann
Freitag, 04. Oktober 2013
Günter Fergen, Schwarz-Gruppe
Schwarz-Gruppe
Günter Fergen, Schwarz-Gruppe
Günter Fergen, Generalbevollmächtigter der Schwarz-Gruppe, über sein Engagement beim Retailmaster, die Notwendigkeit der Akademisierung in der Handelsbranche und die Verzahnung mit der Praxis.




Herr Fergen, was hat Sie bewogen, im Rahmen des Retail-Masterstudiengangs Ihre Erfahrungen mit den jungen Kollegen zu teilen?

Ich finde es sehr erfreulich, dass es diesen Studiengang gibt, weil er die Tätigkeiten im Handel sichtbar macht und Nachwuchskräften Orientierung bietet. Es ist wichtig für die jungen Leute, dass sie nicht nur durch die Brille ihres eigenen Unternehmens gucken, sondern auch mitbekommen, wie andere das Geschäft betreiben. Über die einzelnen Module findet eine gezielte, berufsbegleitende Qualifizierung statt.

Was braucht der Einkäufer der Zukunft?

Das Berufsbild des Einkäufers wird sich durch die Bedürfnisse und Wünsche des Verbrauchers zwangsläufig verändern. Das erfordert die Auseinandersetzung mit Themen wie Demografie, Migration, Mobilität und neuen Beschaffungswegen wie zum Beispiel Online-Shopping. Hinzu kommen neue gesetzliche Vorgaben. So denkt man in Brüssel darüber nach, das Eigenmarkengeschäft der Händler einzuschränken. Auch geplante Werbeeinschränkungen gehören in diesen Zusammenhang. All das beeinflusst die Tätigkeit des Einkäufers.

Werden Nachwuchseinkäufer durch die Uni auf den Beruf richtig vorbereitet?

Für bestimmte Geschäftsprozesse ist die wissenschaftliche Basis unverzichtbar. Aber die Ausbildungseinrichtungen können in der Regel nicht vermitteln, was in den Unternehmen selbst vor sich geht und wie man das Geschäft betreibt. Das kann man nur in der lebendigen Praxis lernen. Um zu erkennen, was der Kunde will, muss man mit Herzblut Händler sein.

Wie dringend benötigt der Handel Akademiker?

Da wird viel übertrieben. Es gibt eine Reihe von Beispielen, wo Akademiker sich mit Vorgängen im Handel auseinandergesetzt haben und keinen Erfolg hatten. Man kann Einkaufsverhandlungen nicht am Reißbrett führen. Wir sollten deshalb das Handwerkliche stärker in den Vordergrund rücken. Reine Theorie führt zu nichts – die Verzahnung mit der Praxis ist das A und O.

Sie selbst sind gelernter Großhandelskaufmann. Kann man im Handel nach wie vor auch ohne Studium bis ganz an die Spitze kommen?

Das ist ungleich schwieriger geworden. Schon bei der Einstellung wird zu stark darauf geschielt, was jemand studiert hat oder wie sein Abiturzeugnis aussieht. Haudegen, die noch wissen, wie man einen Karton anfasst, sind heute weniger gefragt.

Finden Sie in der Schwarz-Gruppe genügend Nachwuchsführungskräfte oder spüren Sie den Fachkräftemangel bereits?

Wir haben keinen Fachkräftemangel, weder im Einkauf noch bei den Marktleitern. Wenn wir Leute haben wollen, kriegen wir die auch. Zudem haben wir immer schon auf Führungskräfteentwicklung aus eigenen Reihen gesetzt – und das zahlt sich aus.

(cd)

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