Nonfood-Geschäft Strategien gegen die Onlinekonkurrenz

von Tassilo Zimmermann
Donnerstag, 17. August 2017
Discountformate für Nonfood wie Hema aus den Niederlanden sind in Deutschland expansiv unterwegs. Sie zeigen, dass sich der stationäre Handel nicht grundsätzlich im Sinkflug befindet.
Hema
Discountformate für Nonfood wie Hema aus den Niederlanden sind in Deutschland expansiv unterwegs. Sie zeigen, dass sich der stationäre Handel nicht grundsätzlich im Sinkflug befindet.
Starke Onlinehändler und sinkende Kundenfrequenzen setzen Nonfoodanbieter unter Druck. Dass im stationären Geschäft gleichwohl Chancen liegen, zeigen der jüngste Zukauf von Drogeriefilialist Müller sowie die Expansion einiger Discount-Spezialisten. Und auch im LEH wird weiter an Konzepten gefeilt.

Selten war die Kauflaune in Deutschland so gut wie in diesen Monaten. Der private Konsum ist auch 2017 die wesentliche Stütze der Konjunktur. Es bleibt allerdings auch dabei, dass nicht alle Vertriebslinien von der Konsumfreude profitieren. Der Trend aus dem vergangenen Jahr setzt sich fort: Nonfood verzeichnet leichte Wachstumsraten. Der stationäre Handel verliert aber erneut, der eigentliche Schub kommt aus dem Online-Geschäft. 2016 wuchs Nonfood nach GfK-Zahlen um 0,6 Prozent auf 169 Mio. Euro. Der stationäre Handel ging um 1,1 Prozent auf 132,6 Mrd. Euro zurück, die Online-Erlöse legten um 7,4 Prozent auf 36,4 Mrd. Euro zu. Nach den bisher vorliegenden Zahlen wird auch in diesem Jahr der Internet-Handel der Umsatztreiber bleiben.

Der Bereinigungsdruck im stationären Handel ist hoch. Gerade die Geschäftsaufgaben bei inhabergeführten Läden setzen sich unvermindert fort. Das Fachhandelssterben hat allerdings schon zu Zeiten eingesetzt, als es das Internet noch gar nicht gab. Wie prekär allerdings die aktuelle Situation ist, zeigt sich daran, dass selbst profilierte Einzelhändler aufgeben. Jüngstes Beispiel ist Hermann Hutter, Inhaber des Ulmer Kaufhauses Abt, der zu den kreativsten Branchenvertretern gehört. Nicht nur als Kaufmann, sondern auch als Präsident des Einzelhandelsverbands Baden-Württemberg und als Vizepräsident des Bundesverbands Küche und Tischkultur.


Immerhin verschwindet der Ulmer Standort nicht. Übernommen hat ihn Drogeriefilialist Müller, der schon immer einen Blick für interessante Fachhändler hatte. So wurde zum Beispiel 1997 der führende Münchener Spielwarenhändler Obletter erworben. Müller setzt unverändert stark auf das stationäre Geschäft und hat sich längst als Nahversorger profiliert. Neben seinem Stammsortiment gehört der Drogeriefilialist zu den führenden Anbietern von Spielzeug, Haushaltswaren sowie Papier-, Büro- und Schreibwaren.

Nonfood-Discounter weiter expansiv

Dass sich das stationäre Geschäft nicht grundsätzlich im Sinkflug befindet, zeigt auch die Expansion der Nonfood-Discounter. Mittlerweile hat sich in Deutschland eine Vielzahl an Anbietern wie Tedi, Action, Hema oder Black.de etabliert und es ist derzeit noch kein Ende abzusehen. Dass nun auch skandinavische Filialisten wie Tiger, Clas Ohlson oder Rusta den deutschen Markt erobern wollen, erhöht den Konkurrenzkampf deutlich. Branchenkenner rechnen damit, dass es über kurz oder lang zu einer Bereinigung der Strukturen kommen wird.

Durch das Fachhandelssterben haben viele Markenartikler im Nonfood-Bereich zunehmende Distributionsprobleme. Weil sie auf eine breite Vertriebsstruktur angewiesen sind, um als Marke sichtbar zu bleiben, gewinnen Filialisten wie Müller an Bedeutung. Genauso aber auch die Elektrofachmärkte Media Markt und Saturn, wo Haushaltswarenabteilungen schon lange eine strategische Rolle spielen.

Auch wenn der LEH rückläufige Kundenzahlen registriert, gilt er bei vielen Markenartiklern nach wie vor als frequenzstarke Vertriebsform, die unverzichtbar ist. Bemängelt wird allerdings, dass oft genug Nonfood ein Mauerblümchendasein fristet, weil Investitionen an erster Stelle in den Food-Bereich fließen. Das führe dazu, dass Potenziale zu wenig genutzt würden. Dies gelte beispielsweise für Verbundplatzierungen, auf denen passende Food- und Nonfood-Sortimente gemeinsam präsentiert werden.

Unbehagen über hohen Online-Anteil

Vertriebslinien wie der LEH bleiben strategisch wichtige Verkaufs-Plattformen. Denn zunehmend breitet sich bei Markenartiklern ein gewisses Unbehagen aus, wenn sie auf ihre hohen Umsatzanteile im Online-Geschäft sehen. Es gibt mittlerweile führende Hersteller, die eine Reduktion anstreben, um nicht von E-Commerce-Anbietern abhängig zu werden.

Welche bislang ungenutzten Potentiale in Nonfood stecken, zeigt übrigens der Erfolg des vom TV-Sender Vox ausgestrahlten Formats "Die Höhle der Löwen". Die Vermarktung der dort von den Investoren ausgewählten Geschäftsideen läuft sehr erfolgreich. Die im September beginnende vierte Staffel mit 12 Folgen wird sehr breit im Handel aufgegriffen. Das Format ist zum verkaufsfördernden Markenzeichen geworden.

Über die Marktentwicklung und viele relevante Themen berichtet die neue Ausgabe des Magazins Nonfood Trends 2/2017.

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