Vom Kapuzenschnitt bis zur Altersvorsorge

von Judit Hillemeyer
Freitag, 18. August 2006
Auzubis bei Nüsken, Foto: Nüsken
Auzubis bei Nüsken, Foto: Nüsken
Das Prinzip des "Soft Opening" - bekannt von Theatern oder Einkaufszentren hat das Handelsunternehmen Nüsken auf den Ausbildungsstart der eigenen Lehrlinge übertragen.



Nüsken ist ein inhabergeführtes Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen mit sechs Märkten in Soest und Kamen sowie rund 250 Mitarbeitern. Im neuen Ausbildungsjahr werden neun Lehrlinge eingestellt. Über alle Jahrgänge verteilt, bildet das mittelständische Unternehmen 15 Azubis in sechs Filialen aus.

Der Mittelständler praktiziert die "Ausbildung vor der Ausbildung". Sie dauert drei Tage und startet mit einer Ersthelferausbildung am 28. August.

Am darauf folgenden Tag geht es mit einer Tour d'horizon zum Thema "Fachbegriffe im Einzelhandel" weiter. Am letzten Augusttag stehen "weiche Faktoren" des Betriebslebens im Mittelpunkt.

Die Angst nehmen

Der Sinn dieses Vorgehens ist ein psychologischer. "Wir wollen den Jungs und Mädels, die da von der Schule kommen, die Angst vor der Praxis nehmen.

Deswegen bieten wir am ersten Tag etwas an, das vor allen Dingen die Führerscheinanwärter dringend benötigen, nämlich die Ersthelferausbildung", so Marcus Nüsken, der im Unternehmen schwerpunktmäßig für das Personalwesen zuständig ist. Bei der Gelegenheit lernen sich die Mitglieder des neuen Azubi-Jahrgangs gegenseitig kennen.

Traditionell gibt es für die Neueinsteiger bei Nüsken eine Schultüte, in der dann aber neben Süßigkeiten auch ein Fitnessbuch und ein Terminplaner zu finden sind - ein Hinweis auf die eigenverantwortliche Planung und Gestaltung des beruflichen und privaten Lebens der Lehrlinge.

Dieser Gedanke wird am zweiten Tag der "Vor-"Ausbildung" noch vertieft durch IHK-Trainer Gerd Willbrink. Er führt die jungen Erwachsenen an Themen wie Reklamationsmanagement, Umgang mit Kunden und eben auch "Lebenszielplanung" heran.

Persönliche Ziele abstecken

"Sie sollen sich sehr wohl Gedanken darüber machen, welche Schulnoten sie am Ende des Jahres in den betreffenden Fächern haben wollen", meint Willbrink.

Daneben werden Fachbegriffe des Handelsalltags eingeübt: Wenn künftig der Marktleiter etwa von "Vorziehen" spricht, meint er, dass die Restware im Regal bis an die Regal-Vorderkante gezogen werden soll, damit wieder ein geschlossenes Bild entsteht.

Wenn jemand den Kapuzenschnitt machen soll, muss er wissen, dass er einen Pappkarton so aufschneidet, dass die eine Hälfte in die andere gesteckt wird, so dass die darin befindliche Ware mehr Stabilität erhält.

Am dritten Tag geht es unter anderem um den Umgang mit Geld, Banken und Behörden. Thematisiert wird beispielsweise die private Altersvorsorge.

Das Konzept des "weichen Ausbildungsstarts" hat sich bei Nüsken seit über drei Jahren so gut bewährt, dass es erstmals auf drei Tage ausgedehnt wird.

(juh)

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