Azubi-Recruiting-Trends Online-Generation bewirbt sich gern offline

von Christiane Düthmann
Donnerstag, 07. Mai 2015
Während viele Arbeitgeber im Recruiting-Prozess Papierberge zugunsten digitaler Verfahren zurückdrängen wollen, ticken angehende Azubis erstaunlich traditionell: Sie bevorzugen die klassische Bewerbungsmappe.
Digital Natives, die gerne Papierbewerbungen schreiben? Dieses scheinbare Paradox hat die Studie "Azubi-Recruitingtrends" des Ausbildungsspezialisten U-Form Testsysteme zutage gefördert.

71 Prozent der Azubis bewerben sich demnach am liebsten traditionell. Und das, obwohl aus ihrem Alltag Smartphone und Internet kaum mehr wegzudenken sind. Gleichzeitig sieht nur noch gut jeder zweite Betrieb die klassische Form besonders gern.

Auf dem zweiten Platz der bevorzugten Kanäle liegt die E-Mail-Bewerbung, die sechs von zehn jungen Menschen schätzen, gefolgt von der Online-Bewerbung mittels Formular oder hinterlegtem System, die jeder Zweite vorrangig in Betracht zieht.

Papier wird als verlässlich eingeschätzt

"Eine schriftliche Bewerbung kann viel mehr von einer Person zeigen", begründet ein Studienteilnehmer seine Präferenz. Hier sei der erste Eindruck "ganz anders als bei einer Online-Bewerbung". Auch eine gehörige Portion Skepsis lässt viele Jugendliche lieber zu Mappe und Anschreiben als zur Maus greifen. So könne man sicher sein, dass das Ganze auch ankommt. "E-Mails oder Online-Bewerbungen verschwinden eventuell im Web", befürchtet ein Teilnehmer.

Wer allerdings sehr viele Bewerbungen verfasst, weiß die geringeren Kosten von Online-Verfahren zu schätzen: "Ich habe 200 Bewerbungen geschrieben. Auf dem Postweg hätten mich die Kosten erschlagen!"

Mobile Verfahren spielen noch kaum eine Rolle

Die Akzeptanz mobiler Verfahren ist noch sehr gering: Sie gelten als nachlässig und wenig wertig. Nur 11 Prozent würden "gerne" oder "sehr gerne" auf diese Weise mit einem potenziellen Arbeitgeber in Kontakt treten. Zitat eines Azubis: "Wer mit dem Handy eine Bewerbung schreibt, hat keine Lust auf Arbeiten."

Die Studienmacher sehen demzufolge für Unternehmen keinen Handlungsdruck beim Thema mobile Bewerbung, sofern darunter verstanden wird, den Gesamtprozess mobil abzubilden. Dennoch sollten Ausbildungsangebote für die Suche mobil verfügbar sein, denn seit kurzem ist die Mobiloptimierung ein hartes Kriterium für das Ranking von Google-Suchergebnissen.

"Die Betriebe sollten besonders bei knappen Azubi-Zielgruppen verschiedene Verfahren zulassen und persönliche Darstellungsmöglichkeiten beim Online-Weg bieten", raten die Autoren.

Junge Leute treten selbstbewusster auf

Azubis sehen sich heute eher als "Kunden" denn als "Bittsteller" und stellen Ansprüche, etwa mit Blick auf die Transparenz von Auswahlverfahren. Das zeigen ihre Empfehlungen für potenzielle Arbeitgeber, etwa: "mit offenen Karten spielen, nicht lange auf Antworten warten lassen, realistische Einschätzungen mit auf den Weg geben." Auch Infos zum Beruf und den konkreten Anforderungen stehen hoch im Kurs.

Von Helikopter-Eltern mit ihrer übertriebenen Fürsorge sind etliche Ausbildungsverantwortliche genervt. Häufig würden Väter und Mütter ihren Nachwuchs auf Schritt und Tritt begleiten und sich sogar persönlich über den Stand der Dinge im Bewerbungsprozess erkundigen.

Unselbständig durch Helikopter-Eltern

Von Eltern derart "gelenkte Bewerber" jedoch tauchen später als "unselbstständige Azubis" in den Betrieben auf, zitiert die Studie teilnehmende Personaler.

Auf der anderen Seite ließen immer mehr desinteressierte Erziehungsberechtigte ihren Nachwuchs mit der schwierigen Thematik komplett allein, was sich an den vielen Fehlern in Bewerbungsschreiben ablesen lasse. "In den meisten Fallen gibt es nur Extreme", fasst ein Ausbildungsprofi zusammen.

(cd)

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