Auch die eigenen Mitarbeiter finden Otto gut

von Redaktion LZ
Freitag, 03. September 2004
LZ|NET. Im Bereich Personalentwicklung gilt die Hamburger Otto-Gruppe schon lange als Vorzeigeunternehmen. Einen Preis nach dem anderen räumt der Konzern für innovative und außergewöhnliche Konzepte ab. Der eigentliche Preis dafür ist eine enge Mitarbeiterbindung und ein exzellenter Ruf bei der Aus- und Weiterbildung.



Im Januar dieses Jahres kündigte Dr. Michael Otto an, dass rund 500 Mitarbeiter von Einsparungen im Zuge der Geschäftsprozess-Optimierung in der Hamburger Unternehmenszentrale betroffen sein werden.

In die Otto-Mitarbeiter, die eine starke Bindung an das Unternehmen haben, wird dennoch weiter investiert. "Am wichtigsten sind die Menschen in einem Unternehmen. Sie müssen sich wohl fühlen", war schon das Motto von Firmengründer Werner Otto. Für seinen Sohn, den Vorstandsvorsitzenden Michael Otto, gilt das auch für die 500 Mitarbeiter, die das Unternehmen im Zuge strategischer Veränderungen verlassen müssen.

"Wir wollen großzügig und vor allem menschlich mit den Mitarbeitern umgehen, die gehen müssen", so Jürgen Bock, verantwortlich für die Personalentwicklung bei Otto. Um diesen Prozess so sanft wie möglich für den einzelnen zu gestalten, führen leitende Angestellte derzeit Gespräche, wie es für jeden persönlich weitergehen könnte.

Auf jeden Fall wird jeder Mitarbeiter dabei begleitet, wieder Fuß zu fassen, so Bock, "und dafür wird auch Geld in die Hand genommen." Die personellen Veränderungen sollen bis Februar 2006 abgeschlossen sein.

Mitarbeiterförderung ist zentrales Anliegen

Dass die Mitarbeiter "eine spezielle Bindung" zu ihrem Arbeitgeber haben - dazu trägt auch die Personalentwicklung bei, die dank Dr. Michael Ottos Unterstützung einen hohen Stellenwert innehat.

Für Auszubildende, "High Potentials" und Führungskräfte, selbst für Geschäftsführer der einzelnen Tochtergesellschaften gilt dasselbe: Alle Mitarbeiter des Konzerns werden auf ihre Aufgabe vorbereitet, begleitet und gefördert. Laut Bock "so zentral wie nötig und so dezentral, wie möglich".

Die Ausbildung bei Otto ist breit gefächert: Sie steht Informatikern, Betriebswirten, Groß- und Außenhandelskaufleuten, Bürokauffrauen/-männern in verschiedenen Kundenzentren und Warenverteilzentren offen. Genauso werden aber Fotografen, Köche, Mediengestalter und Fachkräfte für Lagerlogistik und für Schutz und Sicherheit ausgebildet.

> Jedes Jahr Bewerbungssturm

Vor Bewerbungen kann man sich am Standort Hamburg kaum retten: 3500 gingen jedes Jahr ein, und das "ohne Anzeige", stellt Jürgen Bock stolz heraus. Die Auswahl erfolgt anhand von Zeugnissen und Gesprächsrunden mit zehn Kandidaten und einem Assessment, an dem auch "ältere Azubis" mit ihrer Einschätzung beteiligt sind.

"Wir brauchen Menschen, die frisch sind, aufgeschlossen, die etwas bewegen wollen und Eigeninitiative zeigen", formuliert Bock den Anspruch von Otto an seine Mitarbeiter. Dabei hilft die Personalentwicklung, die für jeden Mitarbeiter ein "maßgeschneidertes Fortbildungsprogramm" bietet.

So gibt es ein allgemeines Weiterbildungsprogramm für alle, ein Integrationsprogramm für neue Mitarbeiter, das eine Betriebsbesichtigung, ein Logistik-Kolloquium, das Seminar "Zwei Tage mit dem Kunden" , ein einwöchiges Seminar "Network for Newcomer" mit Vorträgen und Planspiel, ein 3-tägiges Seminar "Softskills for Newcomer" sowie den Ausblick auf persönliche Entwicklungsmöglichkeiten bei Otto - "Network for the future" - beinhaltet.

Das Aufbauprogramm für qualifizierte Nachwuchsmitarbeiter verfolgt die Ziele, Klarheit über persönliche Stärken und Schwächen zu gewinnen, eigene Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen, sicher zu präsentieren und zu kommunizieren sowie komplexe Themen team- und ergebnisorientiert zu bearbeiten.

Interesse an persönlicher Entwicklung der Führungskräfte

Zudem lernen die Teilnehmer, wie man Konflikte personen- und sachgerecht löst, Gruppenprozesse steuert und Projekte strukturiert und durchführt.

Für neu ernannte Führungskräfte dagegen stellt das Führungskräfteprogramm die fünf Seminarbausteine Grundlagen der Führung, Handwerkszeug der Personalführung, Einstellungs- und Mitarbeitergespräche professionell führen sowie moderiertes Führungs- Feedback nach dem ersten Jahr bereit. Das Programm soll die Mitarbeiter mit den Führungsinstrumenten von Otto vertraut machen und die Führungsleitlinien vermitteln.

> Das Management-Entwicklungs-Programm ist für Führungskräfte mit Potenzial zur Übernahme eines größeren Verantwortungsbereiches gedacht. Im Rahmen eines persönlichen Entwicklungsprojektes geht es hier, je nach Projektwahl, um die Weiterentwicklung der interkulturellen Kompetenz und Sprachfähigkeit, des Improvisationsvermögens, der Kommunikation in schwierigen Situationen und um Einfühlungsvermögen und Kreativität.

Zudem wird die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und des individuellen Führungsverhaltens überprüft und soll positiv weiterentwickelt werden. Darüber hinaus sollen die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit gesteigert sowie das "Networking" verstärkt werden.

Zusätzlich können sich die leitenden Angestellten Seminare und Vorträge zusammenstellen, die beispielsweise auch eine Gesprächsrunde mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Michael Otto beinhalten.

Expertenwissen im Austausch

"Modernes Wissensmanagement erfolgt bei uns hierarchieübergreifend", so Jürgen Bock. Expertenwissen auf der Top-Management-Ebene wird im Rahmen der Otto International Academy ausgetauscht und in Netzwerken weiterentwickelt.

Die Mitglieder kommen virtuell und real zusammen und sind zugleich die Multiplikatoren für "Best Practices" in ihrem jeweiligen Fachbereich. Bereits 1998 hat das Hamburger Versandhaus die internationale Akademie ins Leben gerufen, um dem Handels- und Dienstleistungskonzern mit 90 Tochtergesellschaften in 21 Ländern Europas, Nordamerikas und Asiens eine Plattform für eine einheitliche Unternehmenskultur zu geben.

"Die Identität der Otto-Gruppe sollte neu definiert, neue Visionen und Markenwerte entwickelt werden", so der Bereichsleiter Personalentwicklung. Dieses Ziel verfolgend, treffen sich heute jedes Jahr 15 vom Personalvorstand und Dr. Michael Otto ausgewählte Geschäftsführer in International-General-Management-Programmen.

Jede Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit zentralen Fragen des Konzerns und entwickelt die Ergebnisse der Vorgänger weiter. Die Möglichkeit, Grenzen zu überschreiten und voneinander zu lernen, bietet das Projekt "Seitenwechsel" der Otto Management Akademie: Statt sich um ihre normale Führungsaufgabe zu kümmern, gehen die Manager eine Woche in eine soziale Institution.

Sie übernehmen beispielsweise die Pflege von Menschen mit Behinderungen, begleiten Wohnungslose zum Sozialamt, machen Hausaufgaben mit minderjährigen Flüchtlingen und lernen die Welt von Jugendlichen in sozialen Brennpunkten kennen. "Die dabei gemachten Erfahrungen führen zu neuen Erkenntnissen und zur Überprüfung der eigenen Werte und Verhaltensmuster", weiß Jürgen Bock.

Otto-Akademie

Die jüngste Errungenschaft des Hamburger Konzerns ist der Einstieg in den Weiterbildungsmarkt: Unter dem Titel "Otto Akademie" bietet sie in diesem Jahr erstmals ein Paket von 65 öffentli- chen Seminaren aus den Bereichen Führung, Kommunikation, Datenverarbeitung und Selbstmanagement an.

Intention dafür ist unter anderem, dass man sich einen fruchtbaren Erfahrungsaustausch von Otto-Mitarbeitern mit Teilnehmern anderer Unternehmen verspricht. Darüber hinaus geht es auch um einen finanziellen Gewinn.

Die Teilnahmegebühren für die Veranstaltungen liegen laut Jürgen Bock bis zu 40 Prozent unter dem durchschnittlichen Marktniveau.

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