Senioren im Unternehmen Otto beschäftigt Rentner weiter

von Redaktion LZ
Donnerstag, 09. Januar 2014
LZnet/Silke Biester. Die Otto Group bereitet sich auf die Veränderungen am Arbeitsmarkt durch den demografischen Wandel vor. Seit gut einem Jahr sammelt der Versender Erfahrungen mit der Beschäftigung von Mitarbeitern im Rentenalter.
Wenn der verschärfte Fachkräftemangel den Arbeitsalltag erreicht, will die Versandhandelsgruppe Otto vorbereitet sein: Die Hamburger rekrutieren nicht mehr nur junge Menschen und Professionals, sondern auch Rentner. Um lange Einarbeitungszeiten zu vermeiden, werden aber ausschließlich Pensionäre angesprochen, die zuvor bereits in dem Konzern gearbeitet haben.

Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Fortführung des bisherigen Arbeitsverhältnisses. Denn es gilt, einige Arbeits- und Sozialversicherungsrechtliche Besonderheiten zu beachten.

Um Noch-Mitarbeiter und Ex-Mitarbeiter nach dem Renteneintritt beschäftigen zu können, hat der Konzern Mitte 2012 das Tochterunternehmen "Otto Group Senior Expert Consultancy GmbH" gegründet. Senioren, die bereits Rente bekommen, erhalten einen neuen Arbeitsvertrag über diese Tochter.

Die Konstruktion unterstützt die Möglichkeit, Rentner befristet zu beschäftigen. "Wir möchten verhindern, dass Pensionäre Rechte einfordern, die zulasten der Belegschaft gehen könnten", erklärt Christoph Ebeling, der das Personalmanagement der Senior Expert Consultancy verantwortet.

Verwendung in allen Konzernbereichen

Verwendung finden sie theoretisch in allen Bereichen des Konzerns. Ein typischer Einsatz hat eher Projekt-Charakter mit bis zu 50 geplanten Arbeitstagen. Die Details hängen von den Bedürfnissen des Unternehmens sowie den Möglichkeiten und Erfahrungen des Seniors ab.

Rentner im Einsatz: Der IT-Fachmann Manfred Wolf bringt sein Knowhow weiterhin bei Otto ein.
Axel Kirchhof, Carsten Milbret, Otto, Axel Kirchhof
"Es kann sein, dass ein ehemaliger IT-Spezialist sein Wissen in ein aktuelles Projekt einbringt", erläutert Ebeling. "Aber auch eine Urlaubs- oder Krankheitsvertretung ist denkbar." Theoretisch seien den Einsatzbereichen keine Grenzen gesetzt.

In der Praxis gebe es dennoch einiges zu beachten. Natürlich habe man sich bei Otto im Vorfeld mit den rechtlichen Rahmenbedingungen vertraut gemacht. "Viel wichtiger sind aber die kulturellen Aspekte", betont Ebeling. Deshalb will er das Thema nachhaltig voranbringen. "Mit den Einsätzen sollen alle Beteiligten zufrieden sein – Senioren wie auch die anderen Team-Mitglieder und die Vorgesetzten", sagt er.

Einsätze mit Projektcharakter

Gerade zu Beginn müsse die Offenheit gegenüber dem Wiedereintritt in die Arbeit gefördert werden. Die Belegschaft müsse unbedingt dahinter stehen. Deshalb lege man Wert darauf, dass die Senioren eine Lücke schließen, aber keineswegs eine reguläre Stelle besetzen, die man ebenso gut einem jüngeren Mitarbeiter anbieten könnte.

Nachdem Otto sowohl über die Mitarbeiterzeitschrift, die auch von Pensionären gelesen wird, als auch direkt über die neue Möglichkeit zum Wiedereintritt informiert hatte, haben sich in der Personalabteilung deutlich mehr Interessierte gemeldet, als Ebeling unterbringen kann. Derzeit bestünden gerade mal vier Verträge mit Rentnern, während 50 weitere vorgemerkt seien. "Das hat durchaus zu Enttäuschungen geführt", weiß der Personaler. Mancher Anrufer habe geglaubt, er könne sofort wieder loslegen.

Die Belegschaft muss dahinterstehen

„Sehr gute Erfahrungen“: Otto-Personaler Christoph Ebeling
Daraus habe man gelernt: "Jetzt sprechen wir gleich ganz offen darüber, dass es nicht sicher ist, ob ein Einsatz zustande kommt." Schließlich gehe es nicht darum, alle Interessierten intern zu vermitteln, sondern um den Bedarf im Unternehmen.

Die bisherigen Erfahrungen mit der Wiedereinstellung seien sehr gut, berichtet Ebeling. Da die Senioren noch nicht sehr lange aus dem Berufsleben ausgetreten waren, verfügten sie über gute Netzwerke im Unternehmen, so dass die Integration unproblematisch gewesen sei. Er geht davon aus, dass die Beschäftigung von Rentnern im Konzern kontinuierlich zunehmen wird.

Noch bestehe aber keine Notwendigkeit die Strategie zu forcieren. "Wir führen lieber fünf erfolgreiche Einsätze durch als 20 unbefriedigende." Die Senior Expert Consultancy sei wie ein Start-Up im Konzern, das für mehr Flexibilität sorge.

 

 

 

 

 

 

 

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