Frauenförderung Otto klopft an die gläserne Decke

von Redaktion LZ
Donnerstag, 05. September 2013
Aufbruch: Personal-Direktorin Sandra Widmaier macht Karrierefrauen Mut.
Otto
Aufbruch: Personal-Direktorin Sandra Widmaier macht Karrierefrauen Mut.
LZnet. Mehr als hundert Managerinnen der Otto Group diskutieren beim ersten Diversity-Tag über Karrierechancen von Frauen bei dem Versandhandelsunternehmen.
"Zerstören männliche Seilschaften weibliche Karrieren?" lautet die provokante Frage, mit der sich mehr als hundert Führungsfrauen und einige wenige Männer bei dem Treffen in Hamburg beschäftigen. Inspiriert durch die Vorträge von Managementberatern wie Sabine Asgodom und Dr. Reinhard Sprenger, analysieren sie die Ursachen und suchen nach Lösungsansätzen für die Zukunft.

Die anwesenden Managerinnen haben es auf Positionen der zweiten und dritten Führungsebene des Konzerns geschafft. Doch wie in den meisten Unternehmen zeigt sich auch bei Otto das weit verbreitete Phänomen, dass Frauen zwar bei Einstiegspositionen die Mehrheit bilden, im Top-Management jedoch zur Ausnahme werden.

Aktuell stellen sie im Durchschnitt 65 Prozent der Otto-Beschäftigten. Auf Bereichsleitungsebene sind es 38 Prozent, auf Direktoren- und Geschäftsführungsebene finden sie sich nur noch zu 19 Prozent. Und die sieben Vorstandsposten sind allesamt männlich besetzt.

Klare Ziele für die nächsten Jahre

Das soll sich in Zukunft ändern. Hans-Otto Schrader, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, stellt unmissverständlich klar, dass er sich mehr Frauen im Top-Management wünscht. 25 Prozent im Direktoren- und Geschäftsführungsbereich gibt er als Zielmarke für die nächsten Jahre vor.

In der Vergangenheit sei jedoch manche Stellenbesetzung bereits daran gescheitert, dass auch auf der darunterliegenden Ebene kaum Frauen angekommen waren, die die formulierten Anforderungen erfüllen. "Wenn wir jemanden suchen, der mit 35 Jahren mehrjährige Führungs- und Auslandserfahrung mitbringt, stehen fast nur Männer zur Auswahl." Inzwischen zeige sich zwar eine positive Entwicklung. Grundsätzlich müsse man jedoch auch die Anforderungsprofile überdenken, meint Schrader.

Im Alter zwischen 30 und 40, wenn männliche Karrieren sich deutlich entwickeln, scheitern viele weibliche an der Familiengründung. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bildet denn auch einen wesentlichen Punkt bei den Gesprächsrunden des Tages.

Führungskräfte brauchen Flexibilität

Insbesondere für Führungskräfte gelte es, mehr Flexibilität zu ermöglichen, sind sich viele Teilnehmerinnen einig. Als einzige Karrierebremse sehen sie Kinder jedoch nicht. Schließlich gebe es rund 30 Prozent Frauen, die gar keine Kinder haben. "Dennoch sind die Führungsebenen keineswegs zu dreißig Prozent mit Frauen besetzt", so ein Diskussionsbeitrag.

Auch Vorstandschef Schrader gibt zu bedenken, dass es nicht ausreiche, die Rahmenbedingungen zu verändern. Bei Otto habe man bereits etliche Modelle für mehr Flexibilität eingeführt. In der Praxis würden diese aber nur wenig genutzt. Sein Fazit: "Wir brauchen einen Kulturwandel."

Um die Veränderung zu beschleunigen, hat Sandra Widmaier, Direktorin Konzern Personal, zusammen mit 14 Frauen das interne Netzwerk "Power of Diversity" ins Leben gerufen. Seit rund einem Jahr triff sich die Gruppe von Top-Managerinnen. Aus dieser Runde ist auch die Idee zu dem Diversity-Tag entstanden.

Mentoring unterstützt Talente

Eines der Ziele sei es, erfolgreiche Frauenkarrieren sichtbarer zu machen, damit sie jüngeren Mitarbeiterinnen als Vorbild dienen, erklärt Petra Scharner-Wolf, die selbst als Bereichsvorstand Personal ein solches Beispiel ist. Wie einige ihrer Kolleginnen versucht sie zudem, jüngere Talente per Mentoring zu unterstützen.

Ihr liegt es am Herzen, dass mehr Mitarbeiterinnen in die Pipeline für künftige Führungskräfte kommen. Deshalb unterstützt sie auch das Programm "Boost your Career", das jetzt bei Otto an den Start geht, um gezielt junge Frauen voranzubringen.

Die Verantwortlichen in Hamburg sind sich einig: Frauen führen nicht besser und nicht schlechter als Männer, sondern anders. Personalvorstand Dr. Winfried Zimmermann rechnet vor, warum es für das Unternehmen deshalb von Vorteil ist, beide Geschlechter zu fördern: "Wir wollen die besten Leute. Und wenn wir die zehn besten Männer und die zehn besten Frauen für Top-Positionen gewinnen, dann ist das Ergebnis besser, als wenn wir die 20 besten Männer auswählen."

Für seine Kollegin Widmaier ist Frauenförderung zudem eine "Notwendigkeit personalpolitischer Weitsicht": Wenn in rund 15 Jahren ein großer Teil der Belegschaft ins Rentenalter kommt, müssen etliche Führungspositionen neu besetzt werden. Dafür gelte es, das Potenzial aller Mitarbeiter optimal zu nutzen.

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