Leerlauf im Tagesgeschäft ausgeschlossen

von Redaktion LZ
Freitag, 17. März 2006
Foto: Markant Nordwest
Foto: Markant Nordwest
LZ|NET. Die systematische Personaleinsatzplanung gewinnt langsam aber stetig an Bedeutung. Markant Nordwest, Kaes sowie Famila Süd entscheiden sich für die Lösung von PEP Fechtig. Das System wird noch in diesem Jahr implementiert.



"Lebensmittelmärkte müssen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien organisiert werden und das bedeutet eine Optimierung der Arbeitsabläufe und Prozesse", sagt Bernhard Christians, Kaufmännischer Leiter und Prokurist der Markant Nordwest Handels-GmbH & Co. KG, Leer.

Eine solche Anforderung an Effizienz lasse sich im Einzelhandel kaum mehr ohne eine IT-gestützte Personaleinsatzplanung realisieren. Noch unterschätzten viele Einzelhändler das Thema, weil sich das Einsparpotenzial nicht auf Anhieb erschließe - vor allem im Hinblick auf Leerläufe und personelle Überkapazitäten. Dabei sei das Personal der größte Kostenblock im Einzelhandel.

Die Markant Nordwest entschied sich mit Unterstützung der BBE Handelsberatung, Münster, für das PEP-Fechtig-Konzept. Dreizehn Händler werden in diesem Jahr unter BBE-Regie das Personaleinsatzplanungsprogramm implementieren. Die Märkte haben eine Größe zwischen 800 und 1.500 qm.

"Unser Wunsch ist es natürlich, dass alle Markant-Kaufleute mit dieser Lösung arbeiten", so Christians. In den Testmärkten konnten die Personalkosten mit PEP Fechtig zwischen 8 und 9 Prozent gesenkt werden, so Claus Holtmann, BBE-Unternehmensberater. Die Amortisation des Programms liege zwischen zwei und fünf Monaten.

Das Konzept sieht keine herkömmliche Arbeitszeiterfassung vor. "Wir haben darauf verzichtet, weil sie rein administrativ ist", so Christians. "Uns kommt es in erster Linie auf eine effiziente und transparente Arbeitsorganisation an."

Der tägliche Personaleinsatzplan dokumentiere pro Mitarbeiter aktuelle Tätigkeiten, mit klaren Zeitvorgaben. Diese Detaildarstellung wird automatisch erstellt. Leerläufe im täglichen Prozess seien damit transparent.

Auch Aldi Süd verteilt alle Aufgaben im Markt über getaktete Zeitfenster mit Unterstützung einer Atoss-Lösung. Der Unterschied ist, dass die Arbeitsanforderungen eines Discounters übersichtlicher strukturiert sind.

Foto: Markant Nordwest
Häufig leitet der Einzelhandel seinen Personalbedarf von Umsatzvolumen und Kundenfrequenz ab. Das sind nicht die primären Systemtreiber der PEP-Fechtig-Lösung. Sie greift vielmehr direkt in die Arbeitsorganisation ein.

Das Programm kombiniert Kundenfrequenz mit Arbeitsanforderungen und Mitarbeiterqualifikation inklusive Zeitfenstern. Jeder erhalte seinen persönlichen Fahrplan mit exakten Tätigkeits- und Zeitvorgaben sowie dem Verantwortungsbereich inklusive Pausen und Ablösung. Definiert werden auch Mischaufgaben.

In Deutschland gibt es ein halbes Dutzend PEP-Systemhäuser für den Einzelhandel. Markant Nordwest und die BBE profitierten bei der Systemwahl von den Erfahrungen des Einzelhändlers Michael Krummenerl, Hamm, von der Rewe-Dortmund.

Der Inhaber zweier Märkte setzt die PEP-Fechtig-Lösung bereits seit 2002 ein. Mittlerweile organisiert er damit den Einsatz von insgesamt 100 Mitarbeitern.

Foto: Krummenerl
"Das Einsparpotenzial lag pro Markt bei rund 30.000 Euro innerhalb eines Jahres", so Krummenerl. Reduziert wurden Überstunden, frei gewordene Stellen nicht mehr besetzt. Der selbstständige Einzelhändler betont, dass bei der Programmimplementierung grundsätzlich die Mitarbeiter "mit ins Boot genommen werden sollten", damit keine irrationalen Widerstände entstehen.

"Deren Arbeits- und Freizeitwünsche können wir heute besser berücksichtigen." Das Konzept verlange jedoch, dass Führungskräfte einen Teil der Verantwortung delegieren.

In Süddeutschland wollen Famila Süd und die Georg Jos. Kaes GmbH, Mauerstetten, PEP Fechtig in ihren Märkten einführen. "Uns geht es im Wesentlichen um eine Effizienzsteigerung im Service", sagt Kaes-Personalchef Johannes Moser.

Das System wird 2006 in zwölf Märkten implementiert. Ziel ist es, künftig auf die elektronische Zeiterfassung zu verzichten. Bei einer Größe von 30 bis 160 Mitarbeitern pro Markt, müsse das individuell entschieden werden.

"Unsere Devise lautet: weg vom Anwesenheitsdenken, hin zum Tätigkeitsdenken - weg von Arbeitsorganisation auf Zuruf und hin zu detaillierten Einsatzplänen", so Hans Matuschek, Vertriebsleiter bei PEP Fechtig in Waldshut.

Unter dieser Prämisse könne ein Kosten- und Ertragsbewusstsein entwickelt werden bei gleichzeitiger Entlastung von der täglichen Grundorganisation. Die präzisen Einsatzpläne ermöglichen zudem eine genaue Aufteilung der Lohnkosten auf alle Abteilungen.

Eine abteilungsgenaue Kosten- und Ertragsrechnung ist integriert. Markt- und Abteilungsleiter erhalten wöchentlich ihre Soll- und Ist-Zahlen. Das beschränke sich nicht nur auf Umsätze und Produktivität, sondern auch auf Deckungsbeträge bei Strom, Wasser und Miete. Damit sei die tatsächliche Produktivität aller Abteilungen auch im Vergleich zu anderen Märkten messbar.

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