HR-Arbeit im Umbruch

von Judit Hillemeyer
Freitag, 15. September 2006
Die Personalabteilungen sind bis heute weitestgehend noch klassisch organisiert. Zu diesem Ergebnis kommt die "Personalleiterbefragung 2006", die im Sommer im deutschsprachigen Raum durchgeführt wurde.



Die Untersuchung fokussiert mit den Bereichen Personalbeschaffung, Weiterbildung und Personalabrechnung einerseits Kernthemen der Personalabteilungen. Andererseits wurden weitere Teilaspekte, wie Mitarbeiterbefragungen, -beteiligungsmodelle, betriebliche Altersversorgung sowie Betriebssport und Gesundheit untersucht.

Befragt wurden branchenübergreifend 310 Personalleiter - 6 Prozent gehören zum Handel, 4 Prozent zur Nahrungsmittelindustrie.

Die Organisation der Personalarbeit findet bei den befragten Unternehmen noch weitgehend in klassischer Form statt. Neuere beziehungsweise innovativere Formen wie das so genannte "Shared Service Center" finden sich nur in größeren Organisationen.

Zentrale Personalbeschaffung

Die Einrichtung von Shared Service Centern ist eine Form der Zentralisierung. Bestimmte Aufgaben, Funktionen oder Tätigkeiten, die bislang in gleicher oder ähnlicher Form an mehreren Stellen im Unternehmen durchgeführt wurden, werden an einer gebündelt.

Im Wesentlichen sind damit administrative Aufgaben gemeint wie Abrechnung, Vergütung, Reisekosten. Diese Organisationsform lohne sich jedoch nur für Konzerne und große Unternehmen, so Dr. Wolfgang Jäger, Professor für Betriebeswirtschaftslehre an der FH Wiesbaden und einer der drei Kooperationspartner der Studie.

Personalbeschaffung und Weiterbildung sind in der Regel zentral organisiert. Das sagen zumindest 60 Prozent der Befragten. Der Grad der "Eigenerstellung der Leistungen" ist bei der Personalbeschaffung mit rund 71 Prozent wesentlich höher als bei der Weiterbildung mit 33 Prozent.

Offshoring, die Verlagerung bestimmter Funktionen der Personalabteilung an Tochtergesellschaften ins Ausland, spiele keine Rolle in den befragten Personalabteilungen, so Jäger. Auch Outsourcing, die Vergabe von Leistungen an einen Dienstleister, sei noch nicht weit verbreitet. Drei Viertel aller Unternehmen führen die "klassische" Personalabrechnung noch selbst durch.

Feedback durch Mitarbeiter

Laut der Untersuchung haben mittlerweile rund 70 Prozent der Unternehmen eine Recruiting-Website und über 40 Prozent nutzen ein Bewerbermanagementsystem (BMS). Das System bezieht alle Rekrutierungsprozesse ein.

Gut 22 Prozent der Befragten, die eine solche Lösung nicht nutzen, würden darin auch keinen Nutzen sehen. Bei den Gewinnungswegen der Personalbeschaffung liegt die Print-Anzeige mit rund 70 Prozent vor eigenen Firmen-Websites (zirka 56 Prozent) und den externen Jobbörsen (ungefähr 40 Prozent).

Erfahrungen mit Mitarbeiterbefragungen haben mittlerweile mit 58 Prozent fast zwei Drittel der Unternehmen. Betriebsklimaanalysen und Führungsfeedback (rund 42 Prozent) sind die häufigsten Anwendungsformen.

Sport im Betrieb

Rund 57 Prozent beteiligen ihre Mitarbeiter am Erfolg und/oder Kapital ihres Unternehmens. Bonuszahlungen, Tantiemen und Provisionen sind mit zirka 65 Prozent die häufigste Anwendungsform. Kapitalbeteiligungen wie Mitarbeiteraktien oder Mitarbeiterdarlehen sind bei 12 Prozent insgesamt, aber vor allem bei größeren Aktiengesellschaften zu finden.

Bei den Durchführungswegen der betrieblichen Altersversorgung führen die Pensionskassen knapp vor den Direktversicherungen und den Direktzusagen. Eine betriebliche Direktzusage stellt das Versprechen eines Unternehmens dar, versorgungsberechtigten Arbeitnehmern, dazu zählen auch mitarbeitende Gesellschafter und Geschäftsführer einer GmbH, im Versorgungsfall (Rente, Alter, Tod oder Invalidität) Kapital- oder Rentenleistung zu gewähren.

Für rund zwei Drittel der Geschäftsführungen in den Unternehmen hat das Thema Gesundheit der Mitarbeiter nach eigenen Angaben einen "hohen" beziehungsweise "sehr hohen" Stellenwert. Etwa jedes zweite Unternehmen bietet demnach ein Betriebssportprogramm an. Ebenso beschäftigt sich jedes zweite Unternehmen mit den Folgen des demographischen Wandels. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats