Anerkennung steigert das Engagement

von Judit Hillemeyer
Freitag, 24. April 2009
Markus Junginger
Markus Junginger
Die demografische Entwicklung fordert dem Personalmanagement neue Perspektiven und Strategien ab. Vor allem emotionale Faktoren eröffnen neue Handlungsspielräume. Darüber diskutierten vergangene Woche rund dreißig Personalverantwortliche aus dem Handel auf dem 27. Berufsbildungsforum der MediaDidact des Deutschen Fachverlags.



Markus Jungiger

"Manager glaubten lange, Wachstum lässt sich kaufen. Menschen sind emotionale Wesen. Sie werden von Marken angezogen und von Führungskräften enttäuscht werden." So umreißt Dr. Markus Junginger, Geschäftsführer und Partner der Gallup Deutschland GmbH, die Situation in der Welt des Handels. "Mitarbeiter und Kunden haben eine gemeinsame emotionale Schnittstelle, an der Werte geschaffen oder vernichtet werden", fährt er fort.

An dieser Stelle müsse das Management ansetzen. Wer engagierte Mitarbeiter wolle, müsse nicht nur Arbeitsmittel zur Verfügung stellen, sondern auch Leistung anerkennen und Eigenverantwortung ermöglichen. Diese Form der Führungskompetenz steigere die Leistungsbereitschaft.

Michael Harenberg
Michael Harenberg

Diese These bestätigten die Personalverantwortlichen in ihrer praktischen Erfahrung: "Kundenorientierung heißt Mitarbeiterorientierung", betont Michael Harenberg, Leiter Aus- und Weiterbildung bei Globus-Handelshof. Der Einzelhändler misst regelmäßig die emotionale Bindung seiner Beschäftigten mit der Q12-Befragungs-Methode von Gallup. Der Bindungsgrad konnte zwischen 2007 und 2008 signifikant gesteigert werden. Der Anteil derjenigen ohne Bindung an Globus sei gesunken.

Gelungen sei das durch Maßnahmen wie dem Stärkenmanagement, verbindlichen Leitlinien, der Förderung fachlicher und persönlicher Kompetenzen sowie der Schaffung von größerem Spielraum für selbstständiges Handeln. So darf jeder Mitarbeiter Reklamationen und Beschwerden im Wert von bis zu 500 Euro eigenständig bearbeiten. Ein kritischer Punkt sei, so Harenberg, dass Führungskräfte Kommunikation unterschätzen. Sie sei eben mehr als nur die Mitteilung von Informationen und Ergebnissen.

Stefan Grubendorfer
Stefan Grubendorfer

Ein Paradebeispiel für Engagement von Azubis schildert Stefan Grubendorfer. Der Rewe-Einzelhändler machte sich 2001 selbstständig. Trotz beachtlicher Investitionen in den Ladenumbau kam kaum Bewegung in den Markt. Die übernommenen Beschäftigten zeigten wenig Interesse.

Zusammen mit den Auszubildenden entwicklte Grubendorfer verschiedene Aktionen, die erfolgreich umgesetzt wurden. "So wurden aus Kunden Fans", beschreibt er die Entwicklung. Der Rewe-Händler agierte beispielsweise als Weihnachtswunschvermittler zwischen Kindern von Harz-IV-Empfängern und Kunden. Mehr als 400 Paten wurde gefunden. "Seitdem verdoppelte sich der Umsatz", freut sich Grubendorfer. Von den meisten seiner einst übernommenen Mitarbeiter trennte er sich.

Martina Walter
Martina Walter

Martina Walter, selbstständige Edeka-Einzelhändlerin, trennt sich heute nicht mehr von schwierigen Angestellten und geht neue Wege. Sie ermöglicht fünf ungelernten Mitarbeiterinnen eine qualifizierte Ausbildung. Die gezielt für Frauen eröffnete Chance auf eine berufliche Perspektive wird Walter mit Engagement gedankt. Vier von fünf Führungspositionen hat sie mit weiblichen Kräften besetzt. "Wer an den Frauen vorbeigeht, geht am Erfolg vorbei", lautet ihre Devise.

Erfolgreich ist das Modellprojekt "Vamb" (Verzahnte Ausbildung mit Berufsbildungswerken), eine der größten Initiativen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Ziel ist es, behinderten Menschen eine vollwertige Berufsausbildung zu ermöglichen.

Stefan Noppenberger
Stefan Noppenberger

Für das triale Vamb-System zwischen Berufsbildungswerk, Ausbildungsbetrieb und Berufsschule haben Metro und Edeka Südhessen ihre Tore geöffnet. "Diese Form der verzahnten Ausbildung integriert lern- und körperbehinderte Menschen in unsere Gesellschaft", betont Stefan Noppenberger, zuständig für die Kooperation Berufsbildung bei Metro.

Ausgebildet werden die Jugendlichen im Wesentlichen zu Verkäufern mit IHK-Abschluss. "Natürlich müssen sich Ausbilder auf die besondere Situation einstellen", unterstreicht Manfred Retzlaff vom Bildungswesen der Edeka-Handelsgesellschaft Südwest. Zusätzlich garantiere das Berufsbildungswerk individuelle Betreuung, die das Ausbildungsunternehmen nicht leisten könne.

Manfred Retzlaff
Manfred Retzlaff

Die Anforderungen an die "Gestreckte Prüfung" erläuterte Monika Robertz, Ausbildungsberaterin bei der IHK Düsseldorf. Die entsprechende Verordnung gilt ab dem 1. Juli 2009. Betroffen sind Ausbildungsverhältnisse für den Beruf "Kaufmann im Einzelhandel".

Die Prüfungen werden demnach neu strukturiert, die Prüfungsbereiche anders gewichtet. Nach zwei Jahren wird die schriftliche Prüfung Teil 1 abgelegt. Inhalte und Aufgabenstellungen sollen identisch zu denen der zeitgleich stattfindenden Verkäuferprüfung sein. Diese wird bei einer Anschlussausbildung zum Einzelhandelskaufmann angerechnet.

Am Ende des dritten Ausbildungsjahres steht Prüfungsteil 2. Schriftlich werden Geschäftsprozesse im Einzelhandel abgefragt und mündlich ein fallbezogenes Fachgespräch durchgeführt. Ziel der neuen Verordnung ist es, Doppelprüfungen für Verkäufer bei Ausbildungsfortsetzung zu vermeiden. (juh)

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