Personalarbeit ist ein steiniger Weg

von Judit Hillemeyer
Freitag, 27. März 2009
Die Personalbereiche der meisten großen Unternehmen sind personell gut ausgestattet, doch sie tragen relativ wenig zum Geschäftserfolg bei. Zu diesem Ergebnis kommt eine Capgemini-Studie.



Fast die Hälfte aller für das Personalwesen Verantwortlichen, die Capgemini Consulting für sein "HR-Barometer" befragt hat, sehen sich "noch nicht ausreichend" als Business-Partner ihres Managements. Und noch mehr, nämlich 60 Prozent, räumen selbstkritisch ein, dass auch der Beitrag der Personalabteilung zum Unternehmenserfolg "nicht ausreichend" (50) oder "noch gar nicht" (10) messbar sei.

Zwei Drittel beklagen denn auch, dass sie "zu wenig Zeit für wertschöpfende Themen" haben und "mit operativen Themen überlastet" sind. "Vor diesem Hintergrund", so Martin Claßen, Vice President bei Capgemini Consulting, "wundert es nicht, dass die HR-Effizienz wieder Thema ist". Die meisten Personalbereiche seien in der derzeitigen Wirtschaftssituation wieder mehr mit sich selbst als mit ihrem Beitrag für den Unternehmenserfolg beschäftigt.

Fehlendes Vertrauen

An der alle zwei Jahre durchgeführten Capgemini-Consulting-Studie - inzwischen die vierte - haben sich 80 der größten Unternehmen im deutschsprachigen Raum beteiligt. Es ist ein repräsentativer Querschnitt durch alle Branchen, darunter auch Handel und Konsumgüterindustrie. Der Einfluss von Human Resources (HR) auf strategische Entscheidungen, heißt es in der Studie, habe sich seit 2007 nicht verbessert.

Als Ursache geben die Befragten zu viele operative Aufgaben an. Fast jeder Dritte führt "fehlende Einbindung in Geschäftsprozesse" als Ursache ins Feld - und jeder Vierte glaubt an fehlendes Vertrauen oder Widerstand bei den Vorgesetzten. Ein grundsätzliches Akzeptanzproblem empfinden die meisten HR-Verantwortlichen jedoch nicht. Rund 25 Prozent spüren "Vertrauen voll und ganz" und fast 50 Prozent immerhin ein "ausreichendes Vertrauen".

Ganz oben auf der Liste der Aufgaben steht die "Führungskräfteentwicklung" (66 Prozent), es folgen das "Employer Branding" (49) und "Change Management" (45). Das ist keine Überraschung. Inhaltlich haben sich die Themen in den vergangenen Jahren nicht geändert. Auch für die Zukunft sind nur kleinere Verschiebungen zu erwarten.

Demografische Entwicklung

Strategic Workforce Management - die strategische Unternehmensplanung ist ein Schwerpunkt im HR-Barometer. Es ist auf dem besten Weg, zum Top-Thema aufzusteigen. Den Unternehmen werde zunehmend bewusst, dass die demografische Entwicklung ein Faktum und Engpässe in manchen Arbeitsmarktsegmenten ein wachstumslimitierender Faktor sind - sowohl in der Krise und erst echt beim nächsten Aufschwung.

Schon 2010, so glaubt jeder achte HR-Verantwortliche, werde die strategische Personalplanung und deren Abstimmung mit der Unternehmensstrategie deutlich in den Vordergrund rücken. Bereits 50 Prozent der Befragten haben erste Lösungen implementiert.

Strategic Workforce Management wird bereits von 22 Prozent durchgeführt. Dort, wo es bereits praktiziert wird, konzentriert sich der Einsatz auf die Prognose des quantitativen Personalbedarfs (91 Prozent), auf die künftig erforderliche Soll-Kompetenz (84) und die Analyse der Ist-Kompetenz (66).

Schon jetzt wird deutlich, dass viele weitere Anwendungsmöglichkeiten erkannt und geplant sind, insbesondere bei der qualitativen Personalplanung und dem Erfolgsnachweis von Talent-Management-Maßnahmen.

Die Rekrutierung, Entwicklung und Bindung von Talenten für ein Unternehmen sind das wichtigste Thema für die Zukunft: Das HR-Barometer hat deutlich gemacht, dass alternde Mitarbeiter bis 2010 für die Personaler eine wachsende Bedeutung haben.

Als künftig wichtige Aufgabe schnellte diese Zahl von 30 auf 58 Prozent. Nicht ganz so stark, aber bemerkenswert ist das Interesse am "Wettbewerb um Talente": Es zeigt ein Wachstum von 18 auf 32 Prozent.

Die HR-Bereiche könnten gerade jetzt Antworten für den nächsten Boom vorbereiten, findet Claßen. Der steinige Weg der Personalarbeit zu einem ernsthaften Business-Partner wird jedoch vermutlich auch künftig nur in kleinen Schritten erfolgen. (juh)

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