Personaldienstleistung Interim Manager für die Food-Industrie

von Silke Biester
Freitag, 13. November 2015
Thomas Schulz: "Ein Inhaber erwartet zu Recht, dass sich seine Investition auszahlt."
Rau Interim
Thomas Schulz: "Ein Inhaber erwartet zu Recht, dass sich seine Investition auszahlt."
Der Fachkräftemangel sowie der Trend zur Flexibilisierung der Arbeit sind in der Ernährungsindustrie angekommen. Der Personaldienstleister Rau reagiert darauf mit der Gründung eines eigenständigen Bereichs "Interim Management" für die Branche. Erste Projekte sind erfolgreich angelaufen.

Der befristete Einsatz externer Führungskräfte nimmt kontinuierlich zu. Getrieben wird die Entwicklung von der Digitalisierung wie auch vom Fachkräftemangel. Experten gehen von einem jährlichen Marktwachstum von 15 bis 20 Prozent aus.

"Die steigende Nachfrage sowohl auf Unternehmens- als auch auf Kandidatenseite ist spürbar in der Lebensmittelindustrie angekommen", stellt Tim Rau fest. Der Geschäftsführer des auf die Ernährungswirtschaft spezialisierten Dienstleisters Rau Consultants hat deshalb ein eigenständiges Geschäftsfeld gegründet.

Geführt wird der Bereich "Rau Interim" von Thomas Schulz, der alle Seiten der Geschäftsbeziehung aus eigener Erfahrung kennt. Lange Zeit hat er selbst in der Lebensmittelindustrie gearbeitet. In der Funktion des Personalleiters hat er versucht, die richtigen Manager für schwer zu besetzende Positionen zu finden.

Viele Manager suchen mehr Unabhängigkeit

Und auch als Interimsmanager war er in mehreren Unternehmen der Branche tätig. "Es gibt immer mehr Manager, die nicht nur eine Zeit ohne Job überbrücken wollen, sondern aus Überzeugung in diese projektbezogene Selbständigkeit wechseln", beschreibt er seine Erfahrung. "Viele suchen mehr Unabhängigkeit. Sie stehen in der Lebensmitte, kennen sich in ihrem Metier bestens aus, wollen aber nicht länger in engen weisungs- und konzerngebundenen Strukturen arbeiten."

Gleichzeitig wachse die Zahl der Unternehmen, die Interesse daran zeigen, "weil sie die anstehenden Aufgaben anders nicht gelöst bekommen", sagt Schulz und nennt ein Beispiel: "Es gibt nicht wirklich viele, die sich mit digital Marketing auskennen. Aber es gibt kaum ein Unternehmen, das nicht nach fähigen Leuten sucht, die eine entsprechende Strategie entwickeln und einführen können."

Aushilfe im Chefsessel

Der Dachverband Deutsches Interim Management zählt 7500 Interim Manager. Im Schnitt liegt ihr Einsatz bei sieben Monaten. Der Tagessatz schwankt zwischen 800 und 2500 Euro, durchschnittlich sind es 1150 Euro – plus Provision. Jedes fünfte Mandat dreht sich um Restrukturierung. Begrenzte Projekte und Überbrückung nicht besetzter Positionen sind die Mehrzahl. Bevorzugte Branchen: Maschinenbau (25 Prozent), Automotive (18 Prozent) und IT (8 Prozent). Die Food-Industrie steht noch am Anfang.
In der Ernährungsindustrie, die zudem oftmals an weniger attraktiven Standorten zuhause ist, werde es zunehmend schwieriger, Top-Führungskräfte für sich zu gewinnen. "Der Mittelstand ist inhaberorientiert, und manchmal nicht marktorientiert genug. Hier kann ein Interim Manager helfen", meint Schulz.

"Der Arbeitsmarkt hat sich total geändert", bestätigt Dieter Brinkmeyer die wachsende Notwendigkeit für flexible Lösungen. "Man muss damit rechnen, Führungspositionen nicht mehr so schnell besetzen zu können. Die Situation ist vollkommen anders als noch vor fünf Jahren."

Gute Erfahrung bei Henkelmann Wurst

Der Geschäftsführer des Wurstspezialisten Henkelmann hat aktuell eine solche Lücke im Qualitätsmanagement mit einer Interim Managerin geschlossen. Da die Anforderungen in dem Bereich immer höher werden, sind entsprechende Spezialisten gesucht. Henkelmann bereitet sich nun mit externer Unterstützung auf wichtige Audits vor.

Schulz legt Wert auf Transparenz bezüglich der Preise für die Vermittliung: Der Manager erhält für seine Tätigkeit einen individuell ausgehandelten Tagessatz, der zwischen 800 und 2500 Euro liegt. Zusätzlich zahlt das Unternehmen an den Provider zwischen 10 und 30 Prozent. Wie hoch diese Marge genau ist, hängt von der Einsatzdauer ab.

Je kürzer die Zeitspanne, desto höher fällt sie aus. "Wenn ein Inhaber sehr viel Geld für eine Führungskraft auf Zeit ausgibt, dann erwartet er zu Recht, dass etwas passiert und sich seine Investition auszahlt", ist Schulz sich bewusst. Aus seiner Sicht kommt dies zugleich den Kandidaten entgegen: "Wer sich dafür entscheidet, als Interim Manager zu arbeiten, wünscht sich Wirkungsmacht. Und die bekommt er."

Viele dieser vorübergehenden Einsätze gelten für einen konkreten Projektzeitraum. Das kann eine Umstrukturierung sein, die Vorbereitung auf ein Audit, der Aufbau eines neuen Standortes oder die Einführung neuer Technologien. "Dafür muss das Unternehmen nicht auf Dauer einen Manager für ein sechsstelliges Jahresgehalt einstellen – falls er so jemanden überhaupt findet", meint Schulz. "Es reicht, wenn der hochbezahlte Spezialist vorübergehend die effiziente Aufbauarbeit leistet und dann die Leitung des Tagesgeschäftes an eine günstigere Führungskraft übergibt. So kann der Unternehmer auf Dauer eine nachhaltige Verbesserung seiner Kostensituation erreichen", ist er überzeugt.

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