Mitarbeiter strategisch einsetzen

von Judit Hillemeyer
Freitag, 28. April 2006
Um ihren Standort zu sichern, setzen deutsche Top-Unternehmen auf bedarfsorientierten Personaleinsatz. Die Flexibilität spielt dabei eine wesentliche Rolle.



Im Rahmen der Studie "Standort Deutschland 2006: Zukunftssicherung durch intelligentes Personalmanagement" wurden 258 Personalleiter und Linienmanager der umsatzstärksten Unternehmen aus dem Einzelhandel, der Konsumgüterindustrie und der Dienstleistungsbranche befragt.

Viele deutsche Firmen erwarten bei der Bewältigung wirtschaftlicher Hürden keine Unterstützung aus Berlin. So äußern sich etwas mehr als ein Fünftel der Befragten. 24 Prozent dagegen erhoffen sich von der Bundesregierung eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.

Die Kosten im Blick

Jeweils rund 14 Prozent erwarten, dass die Lohnnebenkosten gesenkt und die Rahmenbedingungen verbessert werden. Einer Lockerung des Kündigungsschutzes sehen 11 Prozent der Befragten entgegen.

Um Auftragsschwankungen auszugleichen und Kosten zu senken, greifen Industrie und Dienstleister überwiegend auf kurzfristige personelle Lösungen zurück: Einsatz externer Mitarbeiter, Überstunden, Personalabbau, Einführung von Sonderschichten und Erhöhung der Arbeitszeit. Diese oft teuren Maßnahmen gehen häufig auf Kosten von Qualität und Produktivität.

Dennoch entscheiden sich viele Unternehmen für diese Lösung - das produzierende Gewerbe sogar noch öfter als Dienstleister. Insbesondere beim Einsatz externer Mitarbeiter, bei der Einführung von Sonderschichten und bei der Erhöhung der Arbeitszeit hat die Industrie die Nase vorne.

Verlagerung der Produktion

Die Verlagerung der Produktion ins Ausland planen 37 Prozent der Industriebetriebe, aber nur 12 Prozent der Dienstleister. Bei der Standortwahl sind westliche und östliche EU mit gleichen Prozentzahlen vertreten, gefolgt von China, osteuropäischen Ländern außerhalb der EU und Indien.

Flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen den Unternehmen, schnell und kostenoptimiert auf Markterfordernisse zu reagieren. Drei Viertel der befragten Personalleiter und Linienmanager sprechen flexiblen Arbeitszeiten für heute - und mehr noch für die Zukunft - enorme Bedeutung zu. Das Bewusstsein dafür ist bei den Industrieunternehmen besonders stark ausgeprägt.

In dieser Befragtengruppe sprachen sich sogar 82 Prozent für die Wichtigkeit dieses Themas aus. Die Komplexität, die durch eine Vielzahl individueller Arbeitszeitmodelle entsteht, lässt sich im Betriebsalltag meist nur mit Hilfe effizienter Planungs- und Steuerungsinstrumenten realisieren und optimieren.

Dennoch haben bisher nur 47 Prozent der Dienstleister eine Spezialsoftware für Personaleinsatzplanung im Einsatz, im produzierenden Gewerbe sind es sogar nur 35 Prozent.

Spezielle Lösungen sind notwendig, wenn die Personalplanung am tatsächlichen Bedarf, zum Beispiel der Auftragslage oder dem Kundenaufkommen, ausgerichtet werden soll. Die Studie zeigt, dass 76 Prozent der Befragten eine bedarfsorientierte Personaleinsatzplanung bereits heute für sehr wichtig halten - Tendenz steigend.

Effiziente Systeme

Die zunehmende Verknüpfung der Personaleinsatzplanung mit anderen Unternehmensprozessen, zum Beispiel der Produktion, erfordert effiziente Systeme, die alle relevanten Informationen, von Zeitsalden über Verfügbarkeiten bis hin zu Umsatzprognosen und Auftragsdaten, zusammenführen und tagesaktuell zur Verfügung stellen.

Einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten stehen häufig starre Regelungen und die Opposition der Gewerkschaften im Wege. Die produzierenden Unternehmen scheinen hier stärker betroffen zu sein als Dienstleister.

37 Prozent der Industriefirmen halten Tarifverträge für eine Hürde, bei den Dienstleistern sind es nur 31 Prozent. Auch seitens der Gewerkschaften befürchtet die Industrie einen größeren Widerstand (37 Prozent) als Dienstleistungsunternehmen (28 Prozent). Weitere Hindernisse sehen die Befragten im Betriebs- bzw. Personalrat (17 Prozent), im Widerstand der Arbeitnehmer (11 Prozent) sowie im administrativen Aufwand (7 Prozent).

Studiensteckbrief

Die Studie "Standort Deutschland 2006: Zukunftssicherung durch intelligentes Personalmanagement" beschäftigt sich mit den Themen Arbeitszeitgestaltung, Personaleinsatzplanung, Employability und Mitarbeiterloyalität. Sie wurde von der Atoss AG und der SRH Fachhochschule Heidelberg in Auftrag gegeben, von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unterstützt und von der Maisberger Whiteoaks GmbH durchgeführt. Sie ist für 199 Euro zzgl. MwSt. auf www.maisberger.com oder unter der Rufnummer 089-41 95 99-10 erhältlich. Ein kostenloses Management Summary der Studie gibt es unter www.atoss.com/standort-deutschland2006 (juh)

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