Personalmarketing ist im Fokus

von Judit Hillemeyer
Freitag, 09. Januar 2009
Die Personalabteilungen in Handel und Industrie sind mehr mit administrativen als strategischen Aufgaben beschäftigt. Das ermittelte die Unternehmensberatung Kienbaum in ihrer Studie "FMCG und Retail".



Die Konsumgüterbranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz rechnet wegen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise eher mit einer länger andauernden Rezession. Insgesamt zeigen sich die Unternehmen zurückhaltend.

Als Herausforderung der nächsten Jahre werden in erster Linie Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen sowie Produktinnovationen gesehen (lz 01-09). Zu diesem Ergebnis kommt die Kienbaum-Studie "FMCG und Retail".

Sie untersucht die strategische Ausrichtung und die einzelnen Schwerpunkte der Personalabteilungen.

Deren Aufgabenpalette ist heute sehr vielfältig. Sie reicht von Lohn- und Gehaltsabrechnungen über Arbeitsrecht, Controlling und Personalentwicklung bis hin zur Rekrutierung.

Zur Bewältigung dieser Funktionen beschäftigen Handelsunternehmen im gesamten Personalbereich im Durchschnitt 16,6 Mitarbeiter, bei den Konsumgüterherstellern sind es 9,1. Diese Zahl steigt kontinuierlich mit der Unternehmensgröße an.

In der Praxis bleibt den Personalern weniger Raum für strategische Konzepte, weil die täglichen Arbeitsaufgaben "stark von administrativen Tätigkeiten dominiert" werden, heißt es in der Studie.

Zu den Herausforderungen zählen befragte Personaler im Hinblick auf den künftigen Mitarbeiter vor allem die berufliche Ausbildung und die Weiterqualifizierung. Weitere Themen sind die Entwicklung von Führungskräften, Potenzialanalysen, aber auch die emotionale Bindung der Angestellten an ihren Arbeitgeber.

Künftig wollen die HR-Abteilungen ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf Personalmarketing, Nachfolgeplanung und individuelle Karrierepläne lenken. Mit 40 Prozent steht das Personalmarketing vor allem in der Handelsbranche ganz oben auf der Agenda. Nur ein Fünftel der Industrie (19 Prozent) sieht hier Handlungsbedarf. Sie will unter anderem stärker 26,7 Prozent in das Personalcontrolling investieren.

Kaum eingesetzt werden Retentions-Management-Programme. Darunter versteht man die Gestaltung von verschiedenen positiven Anreizen, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. 22,9 Prozent der befragten Industrie-Unternehmen wollen in diesen Bereich investieren. Im Handel liegt dieser Wert allerdings erst unter 7 Prozent.

Zu den am stärksten eingesetzten HR-Instrumenten zählen die Befragten in Handel und Industrie (85 Prozent) das Mitarbeitergespräch. Zielvereinbarungen werden in fast 80 Prozent getroffen. Auf eigene Trainingsprogramme bauen fast zwei Drittel.

Eine aktive Nachfolgeplanung betreiben immerhin 45,5 Prozent. Individuelle Karrierepläne erarbeiten jedoch nur 39 Prozent. Ein systematisches Talentmanagement gibt es nur bei knapp 18 Prozent. Ein strategisches Employer Branding setzt lediglich ein Siebtel der Interviewten um.

An der Studie "FMCG und Retail" beteiligten sich 148 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Erhebungszeitraum ist 2008. 50,8 Prozent der Befragten sind Handelsunternehmen, 49,2 Prozent Konsumgüterhersteller.

(juh)

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