Personalmarketing Aldi setzt sich als Arbeitgeber in Szene

von Silke Biester
Freitag, 05. Februar 2016
Employer Branding: Die Werbebotschaft von Aldi Süd erreicht potenzielle Mitarbeiter im Alltag.
Aldi Süd
Employer Branding: Die Werbebotschaft von Aldi Süd erreicht potenzielle Mitarbeiter im Alltag.
Der Discounter Aldi Süd feilt an der Personalmarketingstrategie. Um das Image als Arbeitgeber voran zu bringen, gibt das Unternehmen zunehmend Einblicke in die eigene Arbeitswelt und experimentiert mit unterschiedlichen Kommunikations-Tools.

Wer in Großstädten wie Frankfurt oder Köln in die Straßenbahn steigt, stolpert unübersehbar über die Aufforderung: "Einfach. Erfolgreich. Einsteigen. Ohne Umwege beruflich durchstarten." Aldi Süd fährt so als potenzieller Arbeitgeber durch die Straßen. Das Handelsunternehmen will sich als Arbeitgebermarke platzieren. Im Wettstreit um talentierten Nachwuchs legt sich der Handel seit einiger Zeit mächtig ins Zeug. Das Image ist im Branchenvergleich nicht das Beste, der Mitarbeiterbedarf aber kontinuierlich hoch.

Aldi Süd gehörte vor wenigen Jahren zu den ersten, die hauseigene Medien wie Handzettel und Plakate für ihr Personalmarketing genutzt haben. Im Fokus der Kommunikation stand zunächst die Ausbildung. Inzwischen bedient sich der Discounter einer breiten Palette an Employer Branding- und Marketing-Tools und feilt kontinuierlich an der eigenen Inszenierung. So werden heute beispielsweise ganze Imagebroschüren mit den Einstiegsmöglichkeiten in den Filialen präsentiert.

Unternehmenskultur aktiv nach außen tragen

"Wir wollen unsere intern gelebte Unternehmenskultur noch mehr nach außen tragen", beschreibt Kirsten Geß, Leiterin Kommunikation, auf LZ-Anfrage die aktuelle Strategie. "Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass ein potenzieller Mitarbeiter anhand unserer Darstellung nicht nur von rationalen Faktoren, wie unserem überdurchschnittlichen Gehalt und der Arbeitsplatzsicherheit, sondern auch von emotionalen Stärken wie dem Wir-Gefühl und Teamspirit erfährt. Das ermöglicht ihm eine bessere Abschätzung, ob er zum Unternehmen passt."

Das Ziel, nicht nur viele, sondern auch die richtigen Bewerber anzuziehen, soll auch durch ein neues Matching-Tool gestützt werden. Auf der umfangreichen Karriere-Site verspricht es "Mehr Orientierung im Job-Dschungel." Dahinter verbirgt sich die Zusammenarbeit mit der Social-Media-Plattform Whatchado, die für mehr Transparenz bei der Berufswahl sorgen möchte.

Interessierte können das Online-Werkzeug nutzen, indem sie 14 standardisierte Fragen darüber beantworten, was ihnen wichtig ist. Auf einer Skala klicken sie beispielsweise an, ob sie im Job gern viel unterwegs oder lieber an einem Ort sein wollen, ob sie eher Unterhalter oder Zuhörer sind, sich lieber körperlich oder geistig betätigen. 32 Aldi-Mitarbeiter haben die gleichen Fragen beantwortet.

Aldi-Beschäftigte geben im Video Tipps

Das Tool zeigt an, wie hoch die Übereinstimmung ist – der Kandidat bekommt eine Vorstellung, ob die Menschen in dem Unternehmen ähnlich ticken wie er. Zudem geben die Aldi-Beschäftigten im Video Tipps und berichten von ihrem Werdegang, den aktuellen Aufgaben und besonderen Herausforderungen. Die Interviews führen in die Filialen, die Bereiche Einkauf, Vertrieb, Logistik und IT.

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Seit Anfang vergangenen Jahres das Kundenmagazin "Aldi inspiriert" eingeführt wurde, gewährt es in der Rubrik "Gut informiert" ebenfalls einen Blick hinter die Kulissen. "In den ersten Ausgaben waren das vor allem Artikel zu Einstiegsmöglichkeiten, in denen wir auf die Vorteile von Aldi Süd als Arbeitgeber hinweisen", erklärt Geß. In der aktuellen Ausgabe widmen sich gleich vier ganze Seiten den Azubis in unterschiedlichen Bereichen. Zukünftig seien aber auch allgemeinere Personal-Themen angedacht. "Je nach Position erreichen wir interessierte Bewerber auf unterschiedlichen Kanälen und mit unterschiedlichen Botschaften."

Diese zunehmende Experimentierfreude bestätigt sich optisch und sprachlich bei dem Einleger im Handzettel dieser Woche: "Bääähm, beste Azubis!", lautet die knappe, aber zielgruppenspezifische Belobigung. Und die Ausgezeichneten stehen nicht steif in Aldi-Uniform vor einem Logo, sondern dürfen tanzend in Jeans und weißem Shirt mit buntem Farbpulver um sich werfen.

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