Personalsuche 4.0 Digital Leader besser erkennen

von Silke Biester
Freitag, 20. Oktober 2017
Teamarbeit: Psychologin Nicole Seifert und Digitalexperte Stefan Dickfeld.
Feedbackpeople
Teamarbeit: Psychologin Nicole Seifert und Digitalexperte Stefan Dickfeld.
Mit der digitalen Transformation ändern sich die Anforderungen an Führungskräfte. Sie brauchen eine Reihe von Kompetenzen, um das Team in einem agilen Umfeld erfolgreich zu führen. Die Managementberatung Feedbackpeople hat jetzt einen Test entwickelt, um die Ausprägung des "Digital Mindsets" zu messen. Er hilft, Fehlbesetzungen zu vermeiden.

Digitale Talente sind heiß begehrt, sie können sich den Arbeitgeber aussuchen. Und so kommt es, dass mancher aufwändig rekrutierte Nachwuchsmanager schon nach kurzer Zeit wieder kündigt. Ausschlaggebend sind dafür oft der Vorgesetzte und die Unternehmenskultur. "Für junge Mitarbeiter ist das Internet so normal wie der Gebrauch ihrer Hand", sagt Nicole Seifert, Geschäftsführerin der Managementberatung Feedbackpeople. "Doch wenn ihr Chef meint, ein iPad sei nur ein Statussymbol ohne Nutzwert, dann prallen Welten aufeinander."

Das Problem: Betriebe, die technologieaffine Leistungsträger nicht einstellen oder nicht halten können, sind nicht zukunftsfähig. "Bei der Beratung verschiedener Unternehmen ist uns ein riesiges Gap beim digitalen Reifegrad der Organisationen aufgefallen", erläutert Seifert. "Während die einen bereits agil arbeiten, sind andere noch vollkommen klassisch unterwegs." Die genauere Betrachtung habe gezeigt, dass bei den weniger fortschrittlichen Betrieben insbesondere die Führungskräfte nicht wirklich zu den digitalen Vorreitern gehörten. "Zum Teil gibt es beispielsweise Manager im Marketing, die haben weniger Ahnung von Mobile-Marketing, Suchmaschinenwerbung oder Viralkampagnen als ich", bringt es die Psychologin auf den Punkt. "Da fragt man sich, warum diese Leute eingestellt oder befördert wurden." Sie ist der Sache auf den Grund gegangen. Mit dem Ergebnis, dass sich in manchen Bewerbungsunterlagen zwar passende "Buzzwords" finden – aber keine echte Qualifikation, um die digitale Transformation im Unternehmen proaktiv zu gestalten. Doch dies war den Entscheidern offensichtlich nicht aufgefallen.

Diese weit verbreitete Fehleinschätzung hat Seifert animiert, zusammen mit ihrem Team den "Digital Leadership Test" zu entwickeln, der die zukunftsweisenden Führungseigenschaften analysiert. Das Testverfahren beschreibt 20 Situationen aus dem Führungsalltag mit jeweils vier möglichen Verhaltensoptionen. Der Teilnehmer muss kenntlich machen, wie seine wahrscheinlichste und wie seine unwahrscheinlichste Reaktion in der beschriebenen Lage ausfallen würde.

-
fotolia/LZGrafik
-

Ein Beispiel: "Ihre Mitarbeiter genießen eine flexible Home-Office-Regelung. Nun hat Ihr Unternehmen eine weitere Firma gekauft, deren Führungskräfte solchen Freiheiten kritisch gegenüberstehen, weil sie befürchten, das Angebot würde als Freizeit missbraucht. Wie würden Sie sich verhalten?" Die vier Antwort-Optionen balancieren die Prioritäten der Beteiligten unterschiedlich aus, sind realistisch und werden vermutlich allesamt in verschiedenen Unternehmen genau so umgesetzt.

Der Test gibt Aufschluss darüber, ob eine Führungskraft in der Lage ist, unter den spezifischen Anforderungen eines agilen Unternehmensumfelds erfolgreich zu führen. Im Fokus steht dabei das "Digital Mindset" mit Kompetenzen wie Experimentierfreude und Kreativität sowie Vertrauen und der Bereitschaft, anderen auf Augenhöhe zu begegnen. Hinzu kommen Online-Kommunikationskompetenz, Vernetzung, Offenheit und Transparenz sowie die Fähigkeit, identitätsstiftend und integrierend zu führen.

Der Ergebnisbericht, den ein Teilnehmer direkt nach der Bearbeitung per Email erhält, ordnet diesen auf einer fünfstufigen Skala ein – angefangen bei der traditionellen Führungsperson über den beginnenden zum aktiven und dann reifen Leader bis hin zum "Digital Leadership Hero", für den moderne Führungsqualitäten eine Selbstverständlichkeit sind.

Die Bearbeitung des Tests dauert rund 30 Minuten und ist auch auf mobilen Endgeräten problemlos möglich. Die Kosten belaufen sich auf 49 Euro pro Testperson. Der Test lässt sich von Einzelpersonen zur Selbsteinschätzung nutzen, im Bewerbungsverfahren oder auch, um bestehende Mitarbeiter besser einordnen zu können. Sind Stärken und Schwächen durch den Digital-Leadership-Test offen gelegt, könnten gezielte Schulungen angesetzt werden. "Der Test ist auch ein guter Start, um einen Veränderungsprozess im Unternehmen anzustoßen", ist Seifert überzeugt.

Das Verfahren haben die Berater wissenschaftlich prüfen lassen. Seifert betont einen Relevanzvorteil gegenüber vielen anderen Angeboten: Die Referenzwerte stammen nicht wie üblich von Studenten, sondern von erfolgreichen Führungskräften und ausgewiesenen Digital Leadern, die den Test vorab machten. Ihre Ergebnisse stellen die Basis für die Einordnung der Kompetenzen dar. Anonymisiert fließen weitere Testergebnisse in diese Normstichprobe mit ein, um den Test kontinuierlich anzupassen.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats