Personalsuche wird zunehmend internationaler

von Judit Hillemeyer
Freitag, 21. Dezember 2007
Die Weichen für 2008 sind gestellt: Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist nach wie vor gut, und die Unternehmen blicken optimistisch ins nächste Jahr. Neun von zehn Firmen erwarten für das Jahr 2008 offene Stellen. Zu diesem Ergebnis kommen die Universitäten in Frankfurt und Bamberg sowie die Jobbörse Monster.



Die Besetzung von Vakanzen bedeutet zusätzliche Arbeit für die Personalabteilungen. Trotzdem sind laut der Studie durch einen ganzheitlichen Personalbeschaffungsansatz in Verbindung mit dem Einsatz von Informationstechnologie zeitliche und finanzielle Effizienzgewinne möglich. Die "Recruiting Trends 2008" zeigen, dass schon jetzt 88,8 Prozent der offenen Stellen von den befragten Unternehmen auf der eigenen Webseite und etwas mehr als zwei Drittel in Internet-Stellenbörsen veröffentlicht werden.

Die Printmedien spielen hierbei mit 27,3 Prozent aller veröffentlichten Vakanzen nur eine geringe Rolle. Auch in allen anderen Teilprozessen der Personalbeschaffung wie der Vorselektion oder dem Bewerbermanagement halten die antwortenden Unternehmen den Einsatz von IT für sinnvoll. Doch noch klaffen Lücken zwischen Wunsch und Realität: So würden zwar fast 90 Prozent der Unternehmen eine starke IT-Unterstützung für ihr Bewerbermanagement optimal finden, aber nur gut die Hälfte der an der Studie teilnehmenden Firmen setzen dies schon um.

Ähnlich sieht es beim Thema "Employer Branding" aus. Hier wünschen sich 62 Prozent der Befragten einen verstärkten IT-Einsatz, aber lediglich 24 Prozent greifen bislang darauf zurück. Der Wunsch nach IT-Unterstützung äußert sich auch in der Präferenz für bestimmte Bewerbungsformen. So hat die elektronische Bewerbung die klassische papierbasierte Bewerbungsmappe mittlerweile deutlich verdrängt: Bereits mehr als die Hälfte der befragten Großunternehmen bevorzugt eine Formularbewerbung.

"Hintergrund für die Präferenz der strukturierten elektronischen Bewerbungen ist, dass die Bewerberdaten ohne weitere Zwischenverarbeitungsschritte in einer internen Datenbank abgespeichert werden können", erklärt Prof. Dr. Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen der Universität Bamberg. Das verbessere den Workflow und ermögliche eine effektivere Zusammenarbeit zwischen Personalwesen und den Fachabteilungen. Tatsächlich geben fast zwei Drittel der antwortenden Unternehmen an, dass sie durch Informationstechnologie die Zeit zwischen der Identifikation einer Vakanz und der tatsächlichen Besetzung in den letzten Jahren reduzieren konnten.

Grenzüberschreitende Personalsuche

Dass es einen Trend zur internationalen Rekrutierung gibt, haben bereits die Studien aus den vergangenen Jahren gezeigt. Auch die aktuelle Befragung lässt erkennen, dass die deutschen Großunternehmen zunehmend im Ausland nach Fachkräften suchen. Über ein Drittel der Befragten gibt an, dass internationales Bewerbermanagement für ihre Firma wichtig sei. Doppelt so viele Unternehmen erwarten, dass die grenzüberschreitende Personalbeschaffung bis 2012 an Bedeutung gewinnen wird.

Angestellte des mittleren Managements und so genannte Young Professionals sind demnach die am stärksten nachgefragten Zielgruppen, die aus dem Ausland für Deutschland rekrutiert werden. "Im zunehmenden Wettbewerb um die besten Talente und Fachkräfte bietet E-Recruiting neue Ansprache- und Suchmöglichkeiten", sagt Marco Bertoli, Geschäftsführer Central Europe bei Monster Worldwide. "Diese Methoden können in Zukunft auch für die grenzüberschreitende Personalbeschaffung hilfreich sein."

Eine eher neue Methode der Bewerberselektion ist das Online-Assessment-Center. Es soll Auswahlverfahren wie Eignungs- und Intelligenztests sowie Assessment-Center zusammenführen und somit die Bewerberselektion weiter vereinfachen und effizienter gestalten. Die Erwartungen der Unternehmen an dieses Instrument der Bewerberauswahl sind hoch. Glaubt doch die Hälfte der befragten Unternehmen, dass durch den Einsatz von Online-Assessment-Centern die Bewerberauswahl beschleunigt wird. Knapp 60 Prozent könnten sich sogar vorstellen, E-Assessments als erste Stufe im Personalbeschaffungsprozess einzusetzen, und gut 39 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass so bereits früh im Selektionsprozess die "weichen Faktoren" der Bewerber erfasst und beurteilt werden können.

Noch steht der Einsatz von Online-Asssessments in der Personalbeschaffung ganz am Anfang. Die Studie zeigt, dass momentan 4 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland vor dem offiziellen Bewerbungseingang Online-Assessment-Center einsetzen. Weitere 5,6 Prozent planen, dies in Zukunft zu tun. Nach dem offiziellen Bewerbungseingang nutzen zurzeit 7,6 Prozent der Befragten dieses Selektionsverfahren. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieser Trend im kommenden Jahr entwickelt und ob sich die Erwartungen der Unternehmen erfüllen. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats