Renaissance des Brettspiels

von Judit Hillemeyer
Freitag, 22. Januar 2010
Waldemar Pelz
Waldemar Pelz
Monopoly für Manager - Planspiele sind Business-Simulationen. Sie sollen Menschen helfen, Geschäftsprozesse zu verstehen. Gleichzeitig dienen sie dazu, Schwächen und Stärken der Nachwuchskandidaten zu erkennen.



Unternehmensspiele sind en vogue. L'Oréal richtet über das Internet virtuelle Turniere aus, über die national und international Nachwuchs rekrutiert wird. In Teams führen Studenten als General-Manager einen fiktiven internationalen Kosmetikkonzern.

Mit dem Unternehmensplanspiel "Mercaris AG" erlebt das Brettspiel eine Renaissance. Sein Name leitet sich vom lateinischen Begriff Mercator (Kaufmann) ab.

Konzipiert hat es Waldemar Pelz, Leiter des Instituts für Management-Innovationen, Bad Soden. Pelz lehrt internationales Management und Marketing an der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Er setzt auf Brettspiele mit unterschiedlicher Ausrichtung. Adaptiert hat er Mercaris vom Industrieplanspiel und auf die Abläufe des Handels zugeschnitten. Eingesetzt wird es unter anderem von Audi, BASF, Bertelsmann und Vattenfall sowie zwei Lebensmittelfilialisten.

Einer davon ist die Rewe Group. Der Kölner Handelskonzern hat das Handelsplanspiel in den vergangen beiden Jahren mehrfach im Rahmen seines Summer Camps für Potenzialträger aus dem mittleren Management eingesetzt. Ein Vorteil der haptischen Simulation ist deren Unabhängigkeit.

"Das Spiel führt ohne technischen Aufwand zur direkten Interaktion", sagt Malte Pagel, Rewe-Bildungsreferent in Köln. Auf spielerische Weise messen sich die Teilnehmer im Wettkampf. Alle wesentlichen Geschäftsprozesse des Handels sind auf dem Spielbrett physisch nachgebildet. "Dadurch sind sie auch im wörtlichen Sinne besser begreifbar", so Pelz.

Die verschiedenen Teams treten in realitätsnahen Wettbewerbssituationen gegen einander an und müssen zahlreiche unternehmerische Probleme lösen. Sie erleben die Komplexität des Geschäftes und die unmittelbaren Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf den Unternehmenserfolg. An dem Planspiel nehmen vier bis fünf Teams teil, die sich im Idealfall aus unterschiedlichen Abteilungen und Hierarchieebenen zusammensetzen.

Mercaris weckt Assoziationen an Monopoly. Gekauft werden nicht Straßen, sondern Waren und Mengen zu Preisen, die in gewissen Grenzen schwanken - bedingt durch Saison, Aktionen des Wettbewerbs und Trends. Die Spielgruppen sollen mit einer optimalen Kombination aus Prozessen und Investitionen in verschiedene Logistikmodelle einen reibungslosen Warenablauf sicherstellen. Welche Beschaffungsmärkte und Produktgruppen am attraktivsten sind, hängt von wirtschaftlichen Bedingungen und dem Verhalten des Wettbewerbs ab. "Entscheidend ist das Erkennen und Nutzen von Chancen", so Pelz.

Institut für Management-Innovationen
Mensch ärgere Dich nicht: Studenten, Berufseinsteiger und hoch Talentierte zeigen Stärken und Schwächen beim Planspiel Mercaris.

Im Spielverlauf gibt es Ereigniskarten, die Risiken und Chancen bergen: Konkurs eines Lieferanten, neues Gesundheitsgesetz, Streckengeschäfte. Erfolg hat, wer clever einkauft, die Logistik effizient gestaltet und flexibel sowie preisgünstig am Markt agiert. Auf Nachfrageschwankungen muss schnell reagiert werden. Die Jahresbilanz zeigt Gewinn und Verlust. Sie bildet die Grundlage für Zielvereinbarungen mit den Eigentümern und Aktionären.

Der Wettbewerb und die Notwendigkeit zu effizienter Teamarbeit bewirken ein "starkes Engagement der Teilnehmer", beschreibt Pagel seine Erfahrungen. "So erleben die Spieler die wirtschaftlichen Zusammenhänge intensiver, schneller und nachhaltiger als bei den meisten anderen Lernmethoden", findet Pelz.

Über das Spiel sind Erkenntnisse über persönliche Fähigkeiten wie Teamarbeit, Organisation und Planung, strategisches und analytisches Denkvermögen, Ergebnisorientierung, Konfliktmanagement und Risikobereitschaft zu gewinnen. "Noch nie hat ein Team gewonnen, dessen Kommunikation unstimmig ist", weiß Pelz. (juh)

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