Fehler des Managements kosten Milliarden

von Judit Hillemeyer
Freitag, 17. September 2004
Weltweit wird in Unternehmen Arbeitszeit verschwendet. Deutsche Unternehmen sind laut der Produktivitätsstudie 2004 am produktivsten. Ungenutztes Potenzial gibt es vor allem im Vertrieb.

Rund 38 Prozent der Arbeitszeit werden auf der ganzen Welt mit unproduktiven Tätigkeiten verbracht. Demnach würden rund 85 Arbeitstage pro Jahr und Beschäftigten verschwendet.

Zu diesem Ergebnis kommt die Globale Produktivitätsstudie 2004 der Proudfoot Consulting.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die weltweite Arbeitsproduktivität damit geringfügig um 1 auf 62 Prozent.

Deutschland liegt ganz vorn

Deutsche Unternehmen sind im internationalen Vergleich am produktivsten, heißt es in der Studie. Sie liegen - gleichauf mit den USA - mit 64 Prozent produktiv genutzter Arbeitszeit auf dem ersten Rang.

Die Ursachen für die Produktivitätsverschwendung lägen zum größten Teil im Management: Nahezu drei Viertel der vergeudeten Zeit lasse sich auf Fehler und Schwächen von Führungskräften vor allem in mittleren Management-Positionen zurückführen.

Grundlage der vorliegenden Produktivitätsstudie sind 1.668 Einzelstudien der Unternehmensberatung Proudfoot Consulting in neun Ländern sowie eine Gallup-Umfrage.

Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr Ungarn in die Studie aufgenommen.

Während Deutschland und die USA ganz vorn liegen, ist Ungarn im Hinblick auf die Unternehmensproduktivität das Schlusslicht. Dort wurden nur 59 Prozent der Arbeitszeit produktiv verbracht.

Osteuropäer werden aufholen

Jochen Vogel, Head of Germany bei Proudfoot Consulting, sieht die Produktivitätsentwicklung in den neuen EU-Ländern in Osteuropa jedoch optimistisch:

"Ausländische Direktinvestitionen werden hier für eine schnelle Verbesserung der Produktivität und eine Annäherung an westeuropäische Werte sorgen."

Im nächsten Jahr wird die weltweite Produktivität weiter steigen: Rund 73 Prozent der befragten Führungskräfte prognostizieren einen Zuwachs in ihrem Unternehmen für 2005.

Der durch Produktivitätsverschwendung verursachte volkswirtschaftliche Verlust ist gewaltig: Unproduktiv verbrachte Arbeitszeit kostet die deutschen Unternehmen rund 157 Milliarden Euro.

Das entspricht einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa 7,9 Prozent. "Unsere Studie zeigt erneut, dass die Unternehmen branchenübergreifend hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.

Die Ursachen für dieses Mittelmaß sind zu wesentlichen Teilen im mittleren Management zu suchen", sagt Jochen Vogel.

Schlechte Führung

Proudfoot Consulting hat sechs "Produktivitäts-Barrieren" in Unternehmen identifiziert. Hauptursachen für die Verschwendung von Arbeitszeit sind Mangelnde Planung und Steuerung (43 Prozent) und Mangelnde Führung und Aufsicht (26 Prozent).

Damit sind rund 69 Prozent der Verluste in deutschen Unternehmen auf Fehler im Management zurückzuführen.

Die weiteren Barrieren sind: Mangelhafte Arbeitsmoral (11 Prozent), Ineffektive Kommunikation (8), IT-Probleme (7) und Mangelnde Qualifikation der Beschäftigten (5).

"Damit zeigt sich erneut, der Schlüssel zu mehr Arbeitsproduktivität liegt in den Chefetagen. Aufsicht, Führung und Motivation sind die zentralen Faktoren, die die Produktivität beeinflussen.

Hier sollten die Unternehmen ansetzen", so Vogel. Sachinvestitionen zur Steigerung der Produktivität würden von Managern vielfach überschätzt.

Vertrieb wird falsch eingeschätzt

Ein Unternehmensbereich der Studie von Czipin & Proudfoot zufolge ist besonders ineffizient: Der Vertrieb. Mitarbeiter im Bereich "Sales" verbringen nur rund 10 Prozent ihrer Arbeitszeit mit aktivem Verkauf und der Akquisition von Aufträgen.

Rund 90 Prozent ihrer Zeit sind sie mit Tätigkeiten beschäftigt, die nicht direkt den Verkauf betreffen.

Dazu zählen allgemeine Verwaltungstätigkeiten (31 Prozent) und so genanntes Trouble Shooting (14). Mit 17 Prozent ist der Anteil an Verteilzeiten doppelt so hoch wie bei Mitarbeitern anderer Bereiche.

Interessant sei hier doch, dass die Vertriebs-Teams bei Führungskräften in der Selbsteinschätzung überraschend gut abschneiden. So bewerten 77 Prozent der Manager die Kontaktpflege und Akquise ihrer Vertriebs-Mitarbeiter als "sehr gut" oder "gut".

Dementsprechend überrascht es nicht, dass 33 Prozent der Führungskräfte keine Möglichkeit zur Steigerung der Produktivität im Verkauf sehen. Nur 25 Prozent sehen ein Steigerungspotenzial von über 15 Prozent.

Die komplette Studie ist auf Anfrage erhältlich bei studie@proudfootconsulting.com. (juh)

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