Bildung von Führungskräften im Wandel

von Silke Biester
Freitag, 01. April 2011
Bildungsprofile von Führungskräften
LZ-Grafik
Bildungsprofile von Führungskräften
 Topmanager brauchen nicht zwingend einen akademischen Abschluss. Doch die Ergänzung der Ausbildung durch ein Studium gewinnt an Bedeutung.
Im aktuellen Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg/Essen belegen Christine Franz und Dorothea Voss-Dahm, dass der Trend zur Höherqualifikation sich auch bei der Besetzung von Führungspositionen zeigt. 16 Prozent der deutschen Erwerbstätigen verfügen über einen Hochschulabschluss. Es sind vor allem die jüngeren Generationen, die immer besser ausgebildet sind. Am Arbeitsmarkt gibt es mehr Kandidaten mit abgeschlossenem Studium.

Bildungsprofile von Führungskräften

Während Mitte der achtziger Jahre noch mehr als die Hälfte der Führungskräfte in der deutschen Privatwirtschaft eine berufliche Ausbildung als höchsten Abschluss erreichte, sank dieser Anteil bis heute auf ein Drittel. Demgegenüber besitzen nun mehr als 60 Prozent eine akademische Qualifikation. Vor 25 Jahren waren dies nur rund 40 Prozent.

Die wachsende Bedeutung der theoretischen Wissensgrundlage stellt die praktische Seite keineswegs in Frage. Sie verdrängt die betriebliche Ausbildung nicht. Vielmehr sei zu beobachten, dass aufstiegsorientierte Personen Praxis und Theorie verknüpfen, was zu längeren Bildungsphasen führt.

Besonders viele rein beruflich Qualifizierte im Handel

Die Analyse des IAQ offenbart große Unterschiede in einzelnen Wirtschaftszweigen: In besonders wissensintensiven Bereichen wie der IT-Branche gibt es deutlich mehr reine Akademiker als etwa im Handel, wo das berufliche Ausbildungssystem einen starken Einfluss auf die Qualifikation der Beschäftigten aller Hierarchiestufen hat.

"Auffällig ist der hohe Anteil rein beruflich qualifizierter Führungskräfte im Einzelhandel", stellen die Forscherinnen fest. Fast zwei Drittel qualifizieren sich ausschließlich über das berufliche Bildungssystem für eine verantwortliche Position. Rechnet man den kombiniert beruflich-akademischen Typ hinzu, weisen mehr als vier von fünf Managern im Einzelhandel eine abgeschlossene Berufsausbildung auf. Dagegen ist der Anteil rein-akademisch qualifizierter Mitarbeiter mit 16,3 Prozent auffällig gering.

Die Handlungsfähigkeit bei der Steuerung warenbezogener Prozesse und das tägliche Personalmanagement erfordere unterschiedliche Qualifikationsdimensionen, ziehen Franz und Voss-Dahm ein Fazit. Im Handel spielen Aufstiegsfortbildungen oder duale Studiengänge deshalb eine besondere Rolle. Fachspezifisches Wissen allein reiche nicht aus, um bei den multiplen Anforderungen in leitender Funktion zu bestehen.

Aus- und Fortbildung sinnvoll kombinieren

"Wer im Handel Karriere machen will, kombiniert Aus- und Fortbildung", bestätigt Stefan Genth, Geschäftsführer des Handelsverbands HDE, die IAQ-Studie. Berufsanfänger können sich schnell beweisen und zum Marktleiter, Abteilungsleiter und später zum Bezirks- und Gebietsverkaufsleiter aufsteigen.

"Ich kenne keine Branche, in der Karriere so früh beginnt und kein Studium voraussetzt. Dennoch gilt auch für den Handel, dass der Akademikeranteil steigt", sagt Genth. (sb)

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