Qualmen in der Rauchkabine

von Judit Hillemeyer
Freitag, 23. März 2007
Die Franzosen haben per Erlass ein Rauchverbot durchgesetzt. Es gilt nicht nur für Bahnhöfe, Schulen, Verwaltungen, Geschäfte, Sportstätten und Krankenhäuser, sondern auch für alle Arbeitsplätze. In deutschen Büros regeln die Arbeitnehmer selbst, ob in ihren Büros geraucht wird oder nicht.

Rauchende Arbeitnehmer werden in Frankreich auf die Straße geschickt. Wer dennoch am Arbeitsplatz qualmt, dem geht es an den Geldbeutel. Es drohen bis zu 70 Euro Strafe. Bei Wiederholungstätern sollen bis 450 Euro fällig werden . Und: rund 150 Euro zahlt ein Arbeitgeber, der das Rauchen nicht unterbindet. Diese Regel gilt seit dem 1. Februar.

In Deutschland soll ab September in öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen, dazu gehören auch Gaststätten, ein Rauchverbot gelten. Ausnahmen werden noch diskutiert. Soweit nicht zwingende gesetzliche Regeln oder arbeitstechnische Voraussetzungen für ein Rauchverbot bestehen, kann der Arbeitgeber ein solches vereinbaren oder verfügen.

Deutsche Arbeitgeber betonen, dass sie Raucher nicht grundsätzlich diskriminieren wollen, auch wenn der Nichtraucherschutz immer Vorrang hat. Ob in den Büros gequalmt wird oder nicht, regeln die Mitarbeiter selbst. Sitzt jedoch ein Nichtraucher im Büro, greift die Nichtraucherregel. Diese Richtlinie gilt bei Lekkerland in Frechen ebenso wie in der Düsseldorfer Metro-Zentrale und vielen anderen Unternehmen in Deutschland. Für Raucher hat beispielsweise Lekkerland eine eigene Nische mit Hofzugang eingerichtet.

Geraucht wird draußen

"Bei uns gilt ein absolutes Rauchverbot", sagt Dr. Ulrike Detmers, Mitinhaberin des Vollkornspezialisten Mestemacher in Gütersloh. Ausgenommen sind drei speziell ausgewiesene Einzelzimmer, in denen geraucht werden darf, weil dessen Bewohner rauchen. Alle anderen nutzen zum Quarzen den Balkon. "Diese Regelung wird ausnahmslos akzeptiert", sagt Detmers. Die Zahl der Nichtraucher ist bei dem Brothersteller insgesamt größer als die der Tabakabhängigen.

Bei Tengelmann gibt es kein generelles Qualmverbot. Rauchen ist aber nur in wenigen Büroräumen. Richtig Dampf ablassen dürfen Mitarbeiter in drei so genannten Smoke-Free-Stationen. Sie ähneln gläsernen Busstationen. Den blauen Dunst absorbieren sie über spezielle Filter. Außerhalb dieser Stationen wird kein Geruch wahrgenommen. Diesen Ort suchen Genuss- und Suchtraucher gleichermaßen auf.

Nach Paragraph 75 Abs. 2 des Betriebsverfassungsgesetzes müssen Arbeitgeber und Betriebsrat die freie Entfaltung der Persönlichkeit der im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer schützen und fördern. Dies gilt sowohl für Raucher als auch für Nichtraucher. Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ist sowohl innerhalb des Betriebes wie außerhalb nicht unbeschränkt gültig. Es kann eingeschränkt werden.

Ein grundsätzliches Rauchverbot durchzusetzen ist jedoch nicht einfach. Im Zweifel muss am Arbeitsplatz die geringstmögliche Beeinträchtigung der Arbeitnehmer gewählt werden. Dem kommen viele deutsche Arbeitgeber nach. (juh)

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