"Bringen Sie mir eine Frau"

von Redaktion LZ
Freitag, 10. August 2012
Cornelia Hulla: Die ehemalige HR-Direktorin von Coca-Cola wird am 15. August Personalchefin der Gea Group.
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Cornelia Hulla: Die ehemalige HR-Direktorin von Coca-Cola wird am 15. August Personalchefin der Gea Group.
LZnet. Mit Blick auf die drohende Frauenquote versuchen viele Unternehmen, vakante Spitzenposten mit Managerinnen zu besetzen. Vor allem im Personalressort ist ein Wettlauf um geeignete Kandidatinnen entbrannt. Dabei sind HR-Expertinnen aus der Konsumgüterindustrie besonders gefragt.
Cornelia Hulla zieht es von Coca-Cola zum Technologieanbieter Gea Group. Elke Strathmann wechselt vom Nestlé-Vorstandsposten zum Automobilzulieferer Continental. Anke Giesen tauscht Douglas gegen den Flughafenbetreiber Fraport, Rewe-Führungskräfteentwicklerin Ursula Schütze-Kreilkamp heuert bei der Deutschen-Bahn-Tochter Mobility Logistics an: In den vergangenen zwölf Monaten haben eine ganze Reihe prominenter HR-Managerinnen aus Handel und Ernährungsindustrie der Branche den Rücken gekehrt.

Der Exodus ist kein Zufall

Ein Exodus, der kein Zufall ist, meint Christoph Kleinen vom Personalberatungsunternehmen Korn Ferry. "Aber ich glaube nicht, dass sie aus der Konsumgüterindustrie oder aus dem Handel weglaufen." Vielmehr habe gerade die Konsumgüterindustrie branchenübergreifend den Ruf, exzellente Personalarbeit zu leisten, vor allem im Talent-Management, das derzeit in jedem Unternehmen ganz oben auf der Prioritätenliste rangiere.

Da sind die FMCG-Unternehmen "extrem weit", so Kleinen. "Deshalb ist es naheliegend, dass die Branche bei fast jeder Suche prominent auf der Liste steht." Andere Industrien könnten qualifizierte Profile nicht in dem Umfang zur Verfügung stellen.

Beim Talent-Management sind FMCG-Hersteller besonders weit

Klaus Halsig, Partner bei Spencer Stuart, meint, die FMCG-Branche sei sicher "nicht per se attraktiv oder unattraktiv". Man müsse den Einzelfall betrachten und berücksichtigen, dass ein Branchenwechsel "die eigene Lernerfahrung und so mittelfristig auch die Karriere steigern kann".

Alle größeren Unternehmen achten seit einigen Jahren verstärkt darauf, "weibliche und männliche Führungskräfte gleichermaßen zu berücksichtigen, wenn herausfordernde Positionen zu besetzen sind", formuliert es der Berater. Das gelte für das Personalressort ebenso wie für andere Bereiche.

Weibliche Top-Talente sind gefragt wie nie

Elke Strathmann: Nach dem Vorstandsposten bei Nestlé zieht es sie 2012 zum Autozulieferer Continental.
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Fest steht: Weibliche Top-Leute sind zurzeit gefragt wie nie. Um von einer drohenden Frauenquote nicht kalt erwischt zu werden, versuchen viele, ihre Leitungsgremien schon jetzt entsprechend vielfältiger aufzustellen. Kein leichtes Unterfangen, denn der Talente-Pool ist begrenzt, der Markt leergefegt. "Und die Position mit dem höchsten Anteil an weiblichen Senior Executives ist nun mal Human Resources", beschreibt Korn-Ferry-Partner Kleinen die Dynamik auf der Top-Etage.

Ein offenes Geheimnis ist zudem die Tendenz mancher Vorstandsmänner, am ehesten dieses vermeintlich "weiche" Ressort für eine Kollegin freizuräumen. Die umworbenen Personalerinnen dürfte das kaum anfechten. Denn sie finden aktuell eine Fülle von Karrierechancen vor, die es so wohl noch nie gegeben hat.

Männer haben das Nachsehen

Und die Männer? Sie sind bei der Suche nach Top-Führungskräften im HR-Ressort zurzeit oft nicht erste Wahl. Die Arbeitgeber machen den Headhuntern bei Personalsuchaufträgen klare Vorgaben: "Ich höre immer wieder: ‚Bringen Sie mir unbedingt eine Frau’", berichtet ein Insider. Entsprechend groß sei der Frust bei talentierten Personalern. "Denn bei manch einem guten Job haben sie das Nachsehen."

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