Recruiting Johnson & Johnson sucht "Leader"

von Julia Wittenhagen
Freitag, 07. Oktober 2016
Jan Meurer: Area Managing Director Central Europe und Deutschland-Chef.
Johnson & Johnson
Jan Meurer: Area Managing Director Central Europe und Deutschland-Chef.
Der US-Konzern Johnson & Johnson (J&J) gehört laut Forbes-Magazin zu den Top Ten Brands, für die Millenials arbeiten wollen. Doch in manchem deutschen Arbeitgeber-Ranking fehlt das Unternehmen. Zu Unrecht, meint Geschäftsführer Jan Meurer.

Herr Meurer, warum nehmen Bewerber in den USA J&J anders wahr als in Deutschland?

Jan Meurer: In den USA ist Johnson & Johnson eine Haushaltsmarke, während wir in Deutschland eher durch Einzelmarken wie o.b., Bebe, Penaten oder Listerine bekannt sind. Zudem steht die deutsche J&J GmbH nur für Consumer-Produkte. Mit der Sparte Pharmazie treten wir hier unter dem Firmennamen Janssen Cielag an.

Kathrin van Schoonderwaldt: Unser Employer Branding zielt bewusst darauf ab, das Gesamtunternehmen in Deutschland bekannter zu machen. Dass wir Platz 3 bei den Great Places to Work 2016 belegt haben, hilft uns.



Haben denn Arbeitgeber-Rankings noch eine Signalwirkung für Bewerber?

Van Schoonderwaldt: Ja, wir spüren die Resonanz gerade auf regionaler Ebene, wo wir mit Unternehmen wie Henkel und L`Oréal im Wettstreit um die besten Bewerber stehen. Manch einer denkt dann doch nach, was ein Siegel aussagt.

Kathrin van Schoonderwaldt: Employer Branding wirbt für Gesamtunternehmen.
Johnson & Johnson
Kathrin van Schoonderwaldt: Employer Branding wirbt für Gesamtunternehmen.

Meurer: Manchmal fängt ein Ruf mit einem Zertifikat an.



Wie überzeugen Sie denn Bewerber, bei J&J und nicht den anderen anzufangen?

Meurer: Vor allem mit der Größe und Breite des Unternehmens. Wir sind mit 70 Milliarden Dollar Weltmarktführer bei Gesundheitspflege. Wir bieten unglaublich viele Möglichkeiten im Hinblick auf eine internationale Karriere, weil wir in 60 Ländern aktiv sind, aber auch durch unsere drei Geschäftsfelder: Wir stellen allein in Deutschland 2,5 Milliarden Tampons pro Jahr her, aber eben auch chirurgische Fäden und Medikamente gegen Krebs. Bei uns kann man an den großen Problemen der Menschheit arbeiten oder auf tollen Marken wie o.b. und Penaten, die in ihrem Bereich die Nummer eins oder zwei sind. Der Markt für Gesundheit und Hygiene wächst seit Jahren und ist angesichts einer älter werdenden Bevölkerung alles andere als gesättigt. Drittes Argument: J&J nimmt seine Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Gesellschaft und Partnern sehr ernst - hinterlegt in unserem bereits 1943 formulierten Credo. Wir pflegen eine offene Kultur mit viel Entscheidungsfreiheit.

Wie unterstützt Employer Branding?

Van Schoonderwaldt: Wir sind vermehrt auf Social Media Plattformen unterwegs und arbeiten an Mobile Recruiting. Bei Absolventenmessen priorisieren wir kleinere Veranstaltungen. Campus-Recruiting ist wichtig. Aber auch unser Mitarbeiterempfehlungsprogramm funktioniert super.

Wo haben Sie zu wenig Bewerber, wo zu viele?

Van Schoonderwaldt: Zu viele Bewerbungen bekommen wir nirgendwo. Deutschland ist ein sehr tougher Bewerbermarkt. Schwierig ist es, spezielle Fachgebiete der Medizin zu besetzen. Bei den BWL-Absolventen läuft Marketing gut, zum Vertrieb muss man manchmal etwas hinmotivieren.

Meurer: Was ich oft vermisse, sind Leadership Capabilities. Es kommt mir so vor, als ob meine Generation karriereorientierter gewesen wäre. Unser Maßstab für Erfolg war der Aufstieg, um schnell Handlungsspielraum zu bekommen. Die Millenials aber machen Sinn und Selbstverwirklichung zum Maßstab. Sie wollen sich nur für Aufgaben einsetzen, die ihnen etwas bedeuten. Dabei ist die Fähigkeit, für den eigenen Bereich Verantwortung zu übernehmen, um flexibel reagieren zu können, heutzutage fast wichtiger als akademisches Wissen. Das kann sich online jeder schnell aneignen. Was zählt ist, ob die Person Potential, Energie und Motivation hat, um neue Aufgaben zu übernehmen.

Wie beschreiben Sie die Unternehmenskultur von Johnson & Johnson?

Meurer: Wir arbeiten hart und fokussiert, aber auf eine sehr partnerschaftliche Art.

Van Schoonderwaldt: Ganz konkret sind wir alle per Du und arbeiten in Großraumbüros. Verschlossene Türen gibt es nicht. Jeder ist ansprechbar. Neue Mitarbeiter spiegeln uns immer wieder, dass wir einen sehr netten und offenen Umgang pflegen. Wir sind sehr gemischt vom Alter und von der Herkunft her mit Menschen aus 30 Nationen. Teilzeit, Home-Office, Sabbaticals und Jobsharings schaffen Flexibilität. Als Gesundheitskonzern nehmen wir unsere Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber sehr ernst mit Gesundheitschecks, gesunder Kantine und Sportzentrum.

Woran merkt man, dass J&J ein amerikanisches Unternehmen ist?

Meurer: Ich weiß nicht, ob auch nur ein Amerikaner bei J&J in Neuss arbeitet. Hier sind wir ein mittelständisches Unternehmen, das weltweit agiert, seine Identität aber auch über urdeutsche Marken wie Penaten bezieht, die teilweise auch nur in Deutschland eine Rolle spielen.

Was ist im Moment für Sie die größte Herausforderung in der Führung des Unternehmens, Herr Meurer?

Profitables Wachstum zu erzielen als Grundstein dafür, uns fit für die Zukunft zu machen. Wir brauchen Data Houses, um alle auf die richtigen Informationen im richtigen Format zugreifen zu können und effizienter zu werden. Wir müssen genau verstehen, wie sich der Konsument in der digitalen Welt bewegt. Manche unserer Marken werden schon jetzt zu 20 bis 30 Prozent über E-Commerce verkauft. Der Anteil, der in Deutschland digital über dm und Rossmann verkauft wird, spielt noch nicht die Rolle, wird aber exponentiell wachsen. Die Geschwindigkeit der Veränderungen nimmt zu und erfordert neue Profile. Leute mit Erfahrung in diesen Bereichen einzukaufen wird schwieriger. Also müssen wir selbst eine flexible Lernkultur schaffen.

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