Rewe bietet individuelle Zeiteinteilung

von Redaktion LZ
Freitag, 10. Dezember 2010
Homeoffice: Der Heimarbeitsplatz ist nicht nur bei Müttern und Vätern beliebt.
Rewe
Homeoffice: Der Heimarbeitsplatz ist nicht nur bei Müttern und Vätern beliebt.
LZnet. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie entwickelt sich zum wichtigen Eckpfeiler in der Mitarbeiterbindung. Rewe lässt sich deswegen zertifizieren.
"Unsere Mitarbeiter sollen sich am Arbeitsplatz wohlfühlen", begründet Harald Sorg, Personalleiter der Rewe-Markt GmbH in Eching, die Teilnahme am Audit von Berufundfamilie. Diese Initiative der Hertie-Stiftung begleitet Firmen bei der familienfreundlichen Ausrichtung und zertifiziert die gelungene Transformation.

Doch es geht bei dem Prozess nicht nur um eine freundliche Geste den Beschäftigten gegenüber. Das Ganze ist eine Win-Win-Situation, meint Sorg. Denn wenn ein Betrieb auf familiäre Nöte seiner Arbeitnehmer Rücksicht nimmt, werden sie umso motivierter bei der Sache sein, so die Überlegung. Und im Zweifel weniger leicht den Job wechseln.

Flexible Zeiteinteilung genauso wichtig wie Geld

Denn schließlich weisen neuere Studien den so genannten weichen Faktoren eine bedeutende Rolle zu. Für 90 Prozent der jungen Berufstätigen ist Familienfreundlichkeit bei der Arbeitgeberwahl ebenso relevant wie das Gehalt. So lautet ein Ergebnis der "Personalmarketingstudie 2010". Die Anerkennung als familienfreundlicher Betrieb bewertet Sorg als "echten Mehrwert, den wir potenziellen Bewerbern bieten".

In diversen Workshops wurden im Frühjahr Voraussetzungen geprüft, Rahmenbedingungen abgesteckt und Ziele vereinbart. Acht Handlungsfelder nahm man unter die Lupe, 54 Maßnahmen wurden ermittelt. Zu den wichtigsten zählen individuelle Arbeitszeitmodelle und neue Wege bei der Arbeitsorganisation. Aber auch die Kommunikation in den Abteilungen muss stimmen.

Denn um geeignete Lösungen zu finden, müssen Führungskräfte erst einmal erfahren, dass ein Mitarbeiter mehr Zeit für seine fünfjährige Tochter braucht oder aber wegen einer pflegebedürftigen Mutter ständig unter Zeitdruck steht.

Pflegende Angehörige benötigen Freiraum

Im Zuge der Demografie-Debatte ist das Thema Pflege stärker in den Blickpunkt geraten. Auch in der Abteilung von Personalchef Sorg gab es eine Betroffene. Sie hat nun einen Nachmittag in der Woche frei, um ihre Mutter zu versorgen.

An anderer Stelle konnte ein Heimarbeitsplatz helfen. Dieses Mittel setzt die Rewe Süd jetzt öfter ein, um bei Engpässen in der Betreuung zu helfen. Dabei wird Homeoffice sowohl von jungen Eltern wie von Älteren mit bedürftigen Angehörigen gerne angenommen.

Das im Mai absolvierte Audit betrifft in Eching 350 Mitarbeiter der Verwaltung. In einem nächsten Schritt möchte die regionale Zentrale das Procedere auf ihre Märkte sowie auf die Logistik ausweiten. In der Kölner Handelsgruppe sind bislang drei von insgesamt sechs Niederlassungen zertifiziert.

Einige Partnerschaftsmärkte können sich ebenfalls mit der Auslobung schmücken. "Im nächsten Jahr sollen alle Niederlassungen sowie die Kölner Zentrale das Audit absolvieren", stellt Rewe-Pressereferent Andreas Krämer in Aussicht.
 

Länder im Vergleich

Länder im Vergleich

Der europäische Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit, der Anfang Dezember erschienen ist, zeigt die Verbreitung familienfreundlicher Maßnahmen in mehr als 5000 Unternehmen auf. Der Bericht nimmt die Länder Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Schweden und Polen ins Visier.



Vor zwölf Jahren nahm die Initiative Berufundfamilie ihre Arbeit auf. Seither ist die Zahl der Beteiligten sukzessive gestiegen. Sie liegt inzwischen bei über 100, darunter einige Unternehmen der Branche wie Globus, Metro Group, Henkel und Nestlé.

Einige Unternehmen der Branche sind auditiert

Das Audit geht von verschiedenen Lebensphasen aus, in denen sich familiäre Bedürfnisse wandeln. "Es gibt kein Standardmodell", betont Andrea Kienle von der Hertie-Stiftung. Für jedes Unternehmen wird ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt.

"Wir sehen, wo es brennt, und erweitern unseren Maßnahmenkatalog", beschreibt Kienle. Seit drei Jahren beobachten die Auditoren, dass immer mehr Beschäftigte mit der Betreuung Älterer befasst sind. 1,3 Mio. sind es aktuell, in zehn Jahren werden es doppelt so viele sein. Häufig trifft es sie unvorbereitet. Sie benötigen schnell Helfer und Hilfen. Entsprechende Informationen hält der Service für Familien in zertifizierten Firmen bereit.

Außerdem zeigt die Initiative BestPractices auf. In Sachen Pflege etwa ist die Ergo-Gruppe vorbildlich. Sie stellt Angehörige kurzfristig frei und tritt in finanzielle Vorleistung. Später arbeitet der Mitarbeiter dieses Teilzeitgehalt ab. Unter www.erfolgsfaktor-familie.de finden Interessierte ebenfalls viele gelungene Beispiele zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nachahmung wird explizit empfohlen.

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