Job-Rotation gegen den Verschleiß

von Redaktion LZ
Freitag, 26. März 2010
LZ|NET. Seit einiger Zeit beschäftigt sich Rewe mit den Folgen des demografischen Wandels. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich die veränderte Altersstruktur in der Arbeitswelt auswirkt. Bei der Analyse der Abteilungen erwies sich die Logistik als Problemfall.



Momentan stellt Rewe logistisch die Weichen in Richtung Zukunft. Und damit ist nicht allein die Umstrukturierung dieses zentralen Bereichs gemeint, die auf vollen Touren läuft. Auch der Mitarbeiterpool soll dem Wettbewerb der kommenden Jahre gewachsen sein.

Hier aber könnte es Schwierigkeiten geben, denn die Altersstruktur entwickelt sich ungünstig. Schon heute liegt das durchschnittliche Alter in der Logistik bei 42 Jahren und steuert langsam aber sicher auf die 50 zu. 2018 wird es bei 48 Jahren liegen, haben interne Berechnungen ergeben. Dazu trägt die geringe Fluktuation bei, so dass die Abteilung nur selten junge Kollegen hinzugewinnt.

Tätigkeit mit hoher Belastung verbunden

Die Tätigkeit selbst ist mit hoher körperlicher Belastung verbunden, der sich Ältere immer weniger gewachsen fühlen. Ein Kommissionierer bewegt im Jahr ungefähr das Gewicht von 1 000 Lkws, veranschaulicht Rewe. Diese schwere Arbeit üben viele Fünfzigjährige bereits seit 35 Jahren aus, weil sie, wie damals üblich, direkt nach der Hauptschule mit dem Job begannen. Erhöhte Fehlzeiten und verminderte Leistung sind die Folge. Grund genug, das Problem anzugehen, befand man in Köln und startete Mitte 2008 das Demografieprojekt Logistik.

"Das Vorhaben ist breit angelegt", erklärt Personalleiter Hermann-Josef Schmitt. So bringen einerseits die Logistikzentren ihre Ideen ein, die auf eventuelle regionale Besonderheiten eingehen können, andererseits werden auf nationaler Ebene standortübergreifende Maßnahmen diskutiert.

86 Arbeitskreise wurden gebildet, die sich mit der Problematik aus verschiedenen Blickwinkeln beschäftigen. An den Gruppen beteiligen sich sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter des Bereichs sowie Betriebsräte und Personalverantwortliche. Arbeitskreise mit langer Themenliste#/ZT# Die Liste ihrer Themen ist lang. Eine zentrale Fragestellung lautet, wie die Verlängerung der Lebensarbeitszeit mit immer älter werdender Belegschaft unter den hohen Belastungen in der Logistik überhaupt zu bewältigen ist. Andere Arbeitsgruppen wiederum entwickeln Konzepte zur Rekrutierung von Nachwuchskräften. Auch die Themen Qualifizierung und Weiterbildung, Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz sowie verbesserte Arbeitszeiten stehen auf dem Plan.

Inzwischen zieht man bei der Rewe eine erste Bilanz. "Wir haben eine breite Sensibilisierung für die bevorstehenden Veränderungen erreicht", freut sich Schmitt, der als Personalverantwortlicher das Projekt betreut. "Die Notwendigkeit von Maßnahmen wird von keinem mehr in Frage gestellt."

Mitarbeiter bringen eigenständig Vorschläge ein und wirken an ihrer Umsetzung mit, beschreibt er einen großen Vorteil des Vorgehens. Deshalb seien auch Vorbehalte gegen Veränderungen kaum aufgekommen. Einige der Ideen konnten bereits in die Praxis umgesetzt werden. So zum Beispiel die Ausbildungsoffensive. Hierbei geht man Schulpatenschaften ein und bietet Schülerpraktika an, die in die Welt der Logistik einführen.

"Eine kleine Revolution in der Organisation

Gegen dauerhafte einseitige Belastungen soll Job-Rotation wirken. "Eine kleine Revolution in der Organisation", die nicht von heute auf morgen umzusetzen ist. "Ziel ist es, durch veränderte Arbeitsorganisation und Jobwechsel für Vielfalt zu sorgen", erläutert Schmitt, und somit Verschleiß vorzubeugen.

Derzeit laufen Versuche mit Rotation zwischen Gängen für leichtere und schwere Ware, zwischen Lagerbereichen (unterschiedliche Sortimente und Gewichte) und verschiedenen Arbeitsplätzen - wie Kommissionierung, Staplerfahrer und Warenein- oder -ausgang. Aber auch teilautomatisierte Lösungen werden ins Auge gefasst, um Belastungen abzubauen oder ergonomischere Abläufe zu generieren.

Maßnahmen zur Reduzierung von Mehrarbeit sind ebenfalls in Vorbereitung sowie Arbeitszeitmodelle mit mehr Teilzeitangeboten. Zum Gesamtpaket zählt auch die Prävention. Last but not least versprechen die Kantinen gesündere Kost.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats